Steigende Wohnungskosten vor Coronakrise 

In Kassel: Mieterbund kritisiert Mieterhöhungen 

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Wohnen in Kassel wurde zuletzt immer teurer: Große Wohnungsbaufirmen wie die GWH haben die Mieten zuletzt für fast alle ihre Wohnungen erhöht.

Vor der Coronakrise haben viele große Wohnungsunternehmen ihre Mieten erhöht. Das könnte für viele Mieter nun zu einem Problem werden.

  • Mieterbund Nordhessen kritisiert Mieterhöhungen der GWH
  • Fast alle GWH-Mieter von Erhöhungen betroffen
  • GWH verweist auf gestiegene Kosten

Kassel – Der Mieterbund Nordhessen kritisiert die in den vergangenen Jahren durchgesetzten Mieterhöhungen bei der GWH Wohnungsgesellschaft. Diese habe bis zur Coronakrise die gesetzlichen Spielräume für Aufschläge bis ans Limit ausgenutzt. 

Laut Kappungsgrenze ist es erlaubt, Bestandsmieten alle drei Jahre um bis zu 15 Prozent zu erhöhen. „Das wurde teilweise auf den Tag genau umgesetzt“, sagt Maximilian Malirsch, Geschäftsführer des Mieterbundes. Die GWH verweist auf die gestiegenen Kosten. Dennoch seien ihre Mieten im Vergleich günstig.

Fast alle GWH-Mieter in Kassel von Erhöhungen betroffen

Fast alle Kasseler GWH-Mieter waren in den vergangenen drei Jahren von Erhöhungen betroffen: Bei 5400 von 5700 Wohnungen in Kassel sind die Mieten laut GWH in diesem Zeitraum angepasst worden – bei den Sozialwohnungen habe der Aufschlag im Schnitt aber nur sechs Prozent betragen. 

Der nach der GWG zweitgrößte Vermieter in der Stadt begründet den Schritt mit höheren Ausgaben. Die Mitarbeiterlöhne seien in dem Dreijahreszeitraum um zwölf Prozent gestiegen und die Kosten für die Gebäudeinstandhaltung um fast 15 Prozent.

Kassel: Mieterbund für geringe Mieterhöhungen

„Niemand freut sich über Preiserhöhungen, das können wir verstehen – aber unsere Mieten sind mit einer Spanne von 4,61 bis 6,61 Euro pro Quadratmeter grundsätzlich günstig“, so GWH-Vorsitzender Stefan Bürger.

Der Mieterbund hatte die in Kassel tätigen Wohnungsbaugesellschaften aufgefordert, ihre Mieten freiwillig nur noch um maximal ein Prozent pro Jahr zu erhöhen. Eine entsprechende Entscheidung hatte die Nassauische Heimstätte/Wohnstadt – der mit 5000 Wohnungen drittgrößte Vermieter in Kassel – bereits Ende 2018 für Mieter mit niedrigen und mittleren Einkommen getroffen.

Kassel: GWG ließ sich auf Miet-Kompromiss ein

Während die GWH einen entsprechenden Vorschlag nicht umgesetzt hat, ließ sich die GWG auf einen Kompromiss ein. Bei ihr bezieht sich die Grenze aber nicht auf die einzelnen Wohnungen – was manchen Mieter ärgert – sondern auf die Gesamtheit aller Mieteinnahmen, die jährlich nur um ein Prozent steigen dürfen. Diese Regelung gilt zunächst bis 2021.

Für die Zeit der Coronakrise haben fast alle großen Vermieter in Kassel aber angekündigt, Mieterhöhungen vorerst auszusetzen. Auch Kündigungen soll es bis Ende Juni wegen der Notlage nicht geben.

Mieter in Kassel: Fast jeder Dritte stark belastet

31,5 Prozent aller Kasseler Haushalte geben mehr als 30 Prozent ihres Nettoeinkommens für die Kaltmiete aus. Eine Mietkostenbelastung von mehr als 30 Prozent gilt unter Sozialpolitikern als Grenze der Leistbarkeit. Diese Zahlen gehen aus einer Studie von Stadtsoziologen der Humboldt-Universität Berlin hervor. Deren Untersuchung, die sich auf 77 deutsche Großstädte bezieht, war von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert worden. 

Obwohl in Kassel also fast jeder Dritte Mieten am Rande seiner finanziellen Möglichkeiten bezahlt, gehört die Stadt insbesondere unter den Großstädten der westdeutschen Bundesländer zu denjenigen, in denen die Mieten noch am niedrigsten sind. Nur in ostdeutschen Städten wie Leipzig ist die Situation noch mieterfreundlicher. 

79 Prozent der Kasseler wohnen zur Miete

Nach Daten der Studie leben 79 Prozent aller Kasseler Haushalte zur Miete. Beim Blick auf die Miethöhen fällt auf, dass die allermeisten (28,4 Prozent) eine Miete zwischen 6 und 6,49 Euro pro Quadratmeter zahlen. Die zweitgrößte Gruppe zahlt Mieten zwischen 5,50 und 5,99 Euro (19,6 Prozent). Auf Platz drei folgt die Preisklasse 6,50 bis 6,99 Euro (13,5 Prozent). 

Mieten jenseits von acht Euro zahlen in Kassel nur neun Prozent aller Haushalte. Zum Vergleich: Im deutschlandweiten Durchschnitt der Großstädte zahlen fast 38 Prozent aller Haushalte Mieten von mehr als acht Euro pro Quadratmeter. 

Meisten Kasseler haben Mietbelastungsquote zwischen 20 und 25 Prozent

Dies zeigt, dass der Wohnungsmarkt noch nicht so angespannt ist wie in vielen anderen Städten. Allerdings sind hier auch die Einkommen niedriger als im Rhein-Main-Gebiet, München und Hamburg. 

Mit 15 356 Haushalten haben die meisten Kasseler (21 Prozent) eine Mietbelastungsquote zwischen 20 und 25 Prozent. Insgesamt gibt jeder zweite Haushalt maximal ein Viertel seines Gehalts für die Miete aus. Immerhin elf Prozent müssen mehr als 40 Prozent ihrer Einkünfte für die Wohnung ausgeben.

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Von Bastian Ludwig

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