Kassel: Schröders Jugendschutz-Vorstoß wird kritisch gesehen

Kassel. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) stößt mit ihrer Initiative zur Verschärfung des Jugendschutzes auf Widerstand - auch in Kassel.

Nach Schröders Vorstellungen dürfen sich Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren nach 20 Uhr nicht mehr auf öffentlichen Veranstaltungen aufhalten, wenn dort Alkohol ausgeschenkt wird. Schröder möchte damit die Gefahr des Komasaufens angehen.

„Ich halte nichts von diesem Vorstoß“, sagt Kamran Rostam (26), Regionalvorsitzender der Kasseler Jungen Liberalen. Er geht davon aus, dass Schröder mit ihrer Initiative „eine Bauchlandung“ erlebt. Mit einem Ausgehverbot könne man nichts gegen das Problem Komasaufen ausrichten. Das finde ja meistens im privaten Rahmen statt. Es müsse mehr Präventionsarbeit geleistet werden, sagt der Vorsitzende der Kasseler Jusos, Johannes Gerken (23). „Mit Eingriffen in die persönliche Freiheit bekommt man das Problem Komasaufen nicht in den Griff.“

Die Kreisvorsitzende der Schüler-Union Kassel, Laura Schwedes, sagt: „Es kann keine Lösung sein, Jugendlichen pauschal zu verbieten, Veranstaltungen mit Alkoholausschank nach 20 Uhr zu besuchen.“ Das Ziel der Ministerin, Jugendliche vom Alkoholkonsum fernzuhalten, sei durchaus sinnvoll. „Allerdings sollte vermehrt in Aufklärung investiert werden.“ Für die grüne Landtagssabgeordnete Monne Lentz (23) ist Schröders Vorschlag, „absolut realitätsfern“. „Das ist kein moderner Jugendschutz, das sind Erziehungsvorstellungen aus der Steinzeit“, sagt Lentz mit Hinweis darauf, dass es bereits untersagt ist, unter 16-Jährigen Alkohol auszuschenken,

Bei den Veranstaltern herrscht ebenfalls Unverständnis für Schröders Vorschlag. Als einen „Schuss in den Ofen“ bezeichnet ihn Uwe Vater von MM-Konzerte. „Wer soll das kontrollieren? Es ist ja schon bis 22 Uhr nicht einfach.“ Gegen Komasaufen helfe nur Aufklärung.

Margarete Piotrowski, Leiterin des Kinos Cinestar sagt: „Jugendschutz ist wichtig und wir nehmen ihn und die damit verbundenen Kontrollen sehr ernst.“ Auch wenn das Ausgehverbot für Jugendliche nicht für den Kinobesuch gilt, sei der Vorschlag der Lebenswelt Jugendlicher nicht angepasst.“ Ausschankkontrollen seien effektivere Maßnahmen.

„Die bestehenden Gesetze sind ausreichend“, sagt Christine Knüppel, Kulturzentrum Schlachthof: Es sei ja schließlich bereits verboten, an Jugendliche Alkohol zu verkaufen. „Dass sie bis 22 Uhr unterwegs sein dürfen, reicht als Beschränkung. Wie sonst sollen Jugendliche an Kultur herangeführt werden?“

Ebenso sieht es Thomas Bockelmann, Staatstheater-Intendant: „Ich glaube nicht, dass Verbote etwas bewirken.“ Im Saatstheater sei man zudem froh, dass wieder mehr junge Besucher kommen, auch in Abendvorstellungen.

Von Christina Hein

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