Mitte feiert den 1100. Geburtstag der Stadt Kassel – Im Zentrum fehlt es an Gemeinschaftsgefühl

Hier schlägt das Herz der Stadt

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Die Innenstadt aus der Luft: Gut zu erkennen sind der runde Königsplatz, links daneben das Einkaufszentrum City-Point, rechts der Friedrichsplatz mit Staatstheater und documenta-Halle, dahinter die Orangerie und die Fulda.

Mitte. Er ist die Keimzelle unserer 1100 Jahre alten Stadt. Hier schlägt ihr Herz, hier pulsiert das Leben. Natürlich werden die Feierlichkeiten zum Stadtjubiläum auch hier ihren Höhepunkt finden.

Mit seinem Festprogramm zum Stadtgeburtstag tritt der Stadtteil Mitte also gegen eine starke Konkurrenz an. Davon hat sich die kleine Arbeitsgruppe nicht einschüchtern lassen: „Wir versuchen, auch etwas Ungewöhnliches zu machen“, sagt der parteilose Ortsvorsteher Christian Schnittker.

Kleinere Plätze wie den Entenanger will man dabei hervorheben. Und sogar die Großbaustelle Friedrich-Ebert-Straße wird mit einer Kunstaktion einbezogen.

Denn auch wenn Anwohner und Geschäftsleute während der Bauarbeiten tapfer sein müssen, wird der neu entstehende Boulevard die Lebensqualität im Stadtteil deutlich verbessern, glaubt Schnittker.

Derzeit sei die Wohn-Verweildauer der rund 7700 Einwohner in der Regel leider nicht sehr lang. Das macht sich auch im Ortsbeirat bemerkbar, der von neun auf sieben Mitglieder geschrumpft ist und unter geringer Bürgerbeteiligung leidet. „Es ist schwer, ein Gefühl von Gemeinschaft zu erreichen“, sagt Schnittker. So gibt es im Stadtteil beispielsweise kaum Vereine und keine Grundschule.

Umso rühriger war die kleine Arbeitsgruppe, die das Festprogramm zum Jubiläum vorbereitet hat. „Es ist für jeden etwas dabei“, sagt Stadtteilbotschafterin Margret Müller. Auch sie lädt dazu ein, Kassels Mitte zu entdecken und vielleicht auch einmal mit anderen Augen zu sehen. Neben der Flaniermeile Königsstraße, den Straßencafés und der Aue erfreut sich die vor 20 Jahren zugezogene Rheinländerin zum Beispiel an alten Gebäuden oder überraschenden Hinterhöfen. Auch ist sie zuversichtlich, dass die auf dem Weinberg entstehende Grimmwelt eine Bereicherung nicht nur für den Stadtteil werden wird.

Das erhofft sich Schnittker auch für den Lutherplatz. Dort gestaltet die Evangelische Kirche gerade Kirche und Gemeindezentrum um, es entsteht ein Ort für die Jugend. Überragt vom Turm der Lutherkirche, der mit 76 Metern das höchste Gebäude der Stadt ist.

Die Liste der Anziehungspunkte des Stadtteils würde diesen Rahmen sprengen: Staatstheater, Fridericianum, Königsplatz und die Schöne Aussicht... Letztere entstanden Dank der Meisterleistungen von Simon Louis du Ry, einer der bedeutendsten Baumeister des Klassizismus. Die Aufnahme der Hugenotten hatte ab 1685 zur Gründung der Oberneustadt geführt. Das meiste der einstigen Pracht der Innenstadt ging im Zweiten Weltkrieg verloren. Die danach entstandenen 50er-Jahre-Bauten zum Beispiel entlang der Treppenstraße stehen längst auch unter Denkmalschutz.

Die Innenstadt aus der Luft: Gut zu erkennen sind der runde Königsplatz, links daneben das Einkaufszentrum City-Point, rechts der Friedrichsplatz mit Staatstheater und documenta-Halle, dahinter die Orangerie und die Fulda. Archivfoto Herzog/Charterflug Kassel

Von Martina Heise-Thonicke

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