Stadt landet beim Fahrradklima-Test des ADFC im Mittelfeld

Radfahrer unzufrieden: Kassel schneidet bei Befragung  mäßig ab

Wir behindern nicht den Verkehr, wir sind der Verkehr: Unter diesem Motto traten im vergangenen Sommer mehrere hundert Radfahrer in Kassel in die Pedale und warben für mehr Fahrradfreundlichkeit. Archivfoto: Fischer

Kassel. In Sachen Fahrradfreundlichkeit hat Kassel offenbar Nachholbedarf: Beim aktuellen Fahrradklima-Test landet Kassel nur im Mittelfeld.

Mit einer Note von 3,8 bekommt Kassel Platz 14 von 37. Spitzenreiter bei den Städten zwischen 100.000 und 200.000 Einwohnern ist Erlangen. Göttingen belegt Platz 5. Ermittelt wurden die fahrradfreundlichesten Städte vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). 

Etwa 500 Kasseler haben an der bundesweiten Befragung teilgenommen. Unzufrieden sind Kassels Radfahrer laut ADFC vor allem mit der Qualität der vorhandenen Radwege sowie dem „aggressiven Klima“ im alltäglichen städtischen Verkehr. Bestnoten gab es dagegen für das Fahrradvermietsystem Konrad sowie für die Fahrradmitnahme in Bussen und Trams. Auch die Erreichbarkeit des Stadtzentrums wurde positiv bewertet.

„Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt – deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Kasseler auf dem Rad nicht wohl fühlen“, sagt der ADFC-Vorsitzende des Kreisverbandes Kassel Stadt und Land, Gerhard Peter. Er ist überzeugt, dass sich schon mit kleineren Maßnahmen die Situation deutlich verändern ließe: durch verbesserten Winterdienst auf Radwegen und radfahrerfreundliche Lösungen an Baustellen, aber auch durch verstärkte Kontrollen von Falschparkern auf Radwegen. Denn diese seien von den Testteilnehmern besonders kritisiert worden, sagt der ADFC-Vorsitzende und fordert: „Wenn Kassel will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und damit etwas Gutes für ihre Gesundheit und die Stadt tun, dann muss mehr getan werden als nur von Radverkehrsförderung zu reden.“

Die Stadt Kassel werde sich die Ergebnisse des Fahrradklimatests ansehen und diese analysieren, teilt Rathaus-Sprecher Ingo Happel-Emrich auf HNA-Anfrage mit.

Baunatal schneidet gut ab 

Bemerkenswert ist hingegen das Abschneiden der Stadt Baunatal, die erstmals die erforderliche Teilnehmerzahl erreichte und somit in die Wertung bei Städten unter 50.000 Einwohnern gekommen ist. Baunatal liegt bundesweit auf Platz 28 von 292 vergleichbaren Städten und in Hessen sogar auf Platz 2 von 42. Im Durchschnitt geben die Baunataler ihrer Stadt die Note 3,02 für die Fahrradfreundlichkeit und liegen damit weit über dem Bundesdurchschnitt von 3,6 aller vergleichbaren Städte. Die Befragten sehen hier nur wenig Konflikte mit Fußgängern und lobten unter anderem, dass das Zentrum gut erreichbar ist.

Als dritte Kommune aus Stadt und Landkreis Kassel, die in die Wertung kam, landet Kaufungen im Mittelfeld. Mit einer Durchschnittsnote von 3,7 liegt die Gemeinde etwa im Bundesdurchschnitt und in Hessen auf Platz 24 der vergleichbaren Kommunen. „Obwohl in Kaufungen allgemein viel und gern Fahrrad gefahren wird, beklagen die Bürger, dass in letzter Zeit der Stellenwert des Radverkehrs bei der örtlichen Politik eher gesunken sei und deshalb nur noch wenig für das Radfahren getan wurde“ bilanziert Peter.

So wird das Fahrradklima ermittelt:

Der ADFC-Fahrradklima-Test ist nach eigenen Angaben die größte Befragung zum Radfahrklima weltweit. Er wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Mehr als 100.000 Menschen stimmten bundesweit beim sechsten Ranking ab - eine Steigerung von 25 Prozent gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012. Gefragt wurde unter anderem, ob Radfahren in der jeweiligen Kommune Spaß macht und wie es um Komfort, Sicherheit und Infrastruktur bestellt ist.

Weitere Informationen gibt es hier.

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