Angehörige des Opfers im Zeugenstand

Kassel: Erschossen auf offener Straße - Vater des Opfers spricht von „geplantem Mord“

+
Mordprozess in Kassel. Auf der Anklagebank sitzt der 27-jährige Maurice K. aus Kassel. Er soll im vergangenen Jahr einen Mann in der Knorrstraße in Kassel erschossen haben.

Der Prozess um den Mord an Shpetim Aloci auf offener Straße in Kassel läuft. Die Angehörigen des Opfers treten in den Zeugenstand bei dem Mordprozess. 

  • In Kassel muss sich vor dem Landgericht ein 27-Jähriger wegen Mordes verantworten.
  • Er soll im August 2019 einen Mann in der Knorrstraße in Kassel erschossen haben. 
  • Der Angeklagte hat die Tat bereits gestanden 

Kassel - „Shpetim war so nett, so lieb und so hilfsbereit.“ Unter Tränen sagte der Vater des erschossenen Shpetim Aloci vor der zehnten Strafkammer des Kasseler Landgerichts aus.

Kassel: Prozess um Mord auf offener Straße

Seit dem 01.08.2019 empfinde er Schmerz und Trauer. Er weine jeden Tag. Bis zu seinem letzten Atemzug werde er leiden, sagte der 52-jährige Mann, der aus dem Kosovo stammt und seit vielen Jahren mit seiner Familie in Kassel lebt. Er wolle von dem Täter wissen, warum er auf seinen Sohn geschossen habe. Er wolle das Motiv für den Mord erfahren, sagte der von Trauer gezeichnete Mann.

Auf der Anklagebank muss sich der 27-jährige Maurice K. aus Kassel wegen des Verdachts des Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den 21-jährigen Shpetim Aloci in der Nacht zum 1. August 2019 mit mehreren Schüssen auf der Knorrstraße in Niederzwehren, einem Stadtteil von Kassel, erschossen zu haben. 

Kassel: Prozess um Mord auf offener Straße - Angeklagter gesteht Tat 

Der Angeklagte hat bereits am ersten Prozesstag die Tat gestanden. Er habe damals unter Drogeneinfluss gestanden, Stimmen gehört und sich verfolgt gefühlt. Zudem habe ihn Shpetim Aloci bei einem Treffen auf dem Langen Feld wenige Tage vor der Tat beleidigt. Allerdings hat er bei seinen Ausführungen auch den Eindruck erweckt, dass ein 24-Jähriger, der Shpetim und ihn eine Woche vor der Tat miteinander bekannt gemacht hatte, eine gewisse Mitschuld trägt.

Kassel: Prozess um Mord auf offener Straße - Angeklagter entschuldigt sich 

Das wurde an den Worten deutlich, die Maurice K. an die 21-jährige Schwester von Shpetim Aloci nach deren Aussage richtete. Er sagte, dass er die Tat zutiefst bereue und dass es dafür keine Entschuldigung gebe. Allerdings wäre die Tat ohne den Einfluss des 24-jährigen gemeinsamen Freundes, der bei den Schüssen in der Knorrstraße dabei war, wohl nie geschehen, so der Angeklagte.

Von den Zeugen, die gestern aussagten, ließ niemand ein gutes Haar an dem 24-Jährigen, der bereits vergangene Woche seine Aussage gemacht hat. Er kannte Sheptim schon aus der Grundschule. Die frühere Freundin von Shpetim sagte, dass der 24-Jährige „kein guter Junge“ gewesen sei. Deshalb habe sie nicht gewollt, dass Shpetim weiter Kontakt zu ihm hat, weil dieser durch ihn „spielsüchtig“ geworden sei. Auch die Schwester sagte, dass der Freund ein schlechter Umgang für ihren Bruder gewesen sei. Wegen Drogen und Spielcasinos.

Kassel: Prozess um Mord auf offener Straße - "Geplante Tat" 

Eigentlich habe ihr Bruder am 31. Juli schon ins Bett gehen wollen, als er gegen Mitternacht einen Anruf von dem besagten Freund bekommen habe. Der war offenbar mit Maurice K. in Niederzwehren in Kassel unterwegs.

Shpetims Vater sprach gestern von einem „geplanten Mord“ an seinem Sohn. Shpetims Freund habe gewusst, dass Maurice K. eine Waffe in der Nacht dabei gehabt habe. „Was sollte dieser Anruf?“ fragte der Vater. Wenn es dieses Telefonat nicht gegeben hätte, würde sein Sohn noch leben. Er hoffe, dass in dem Prozess vor dem Landgericht all seine offenen Fragen beantwortet würden, so der 52-Jährige.

Kassel: Prozess um Mord auf offener Straße - Einige Fragen bleiben

Möglicherweise würden auch nach Ende des Verfahrens noch Fragen offenbleiben, sagte der Vorsitzende Richter Robert Winter zu dem Vater. „Aber gehen Sie davon aus, dass wir das aufklären, was wir aufklären können und was nach dem Gesetz möglich ist. Dem Vater und der Schwester von Shpetim Aloci dankte der Vorsitzende Richter gestern ausdrücklich für ihre Aussagen. Er wisse, dass das für beide ein sehr schwerer Gang gewesen sei.

Der Prozess wird am Montag, 25.05.2020, fortgesetzt. 

Von Ulrike Pflüger-Scherb 


Am vergangenen Prozesstag gestand der Angeklagte die Tat. Ein Zeuge verstrickte sich während der Verhandlung in Widersprüche. 

Davor musste der Mordprozess vor dem Landgericht Kassel vertagt werden*. 

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.