Präsident fordert mehr Planungssicherheit

Uni muss immer mehr Geld selbst einwerben

Kassel. Die Universität Kassel, die mit fast 22.300 Studenten so voll ist wie nie zuvor, schlägt Alarm: Das derzeitige Finanzierungsmodell biete zu wenig Planungssicherheit, kritisiert Uni-Präsident Prof. Rolf-Dieter Postlep.

Er fordert ein längerfristig verlässliches Grundbudget vom Staat. Nur dann sei die Hochschule in der Lage, ihre Kapazitäten - vor allem im Hinblick auf die doppelten Abi-Jahrgänge in Hessen 2013 und 2014 - nochmals auszuweiten und den Studenten auch künftig gute Studienbedingungen zu bieten. Mit den kurzfristigen Finanzspritzen aus dem Hochschulpakt 2020 für die zusätzlichen Studienanfänger könne man zwar externe Seminarräume mieten und befristete Stellen in der Lehre einrichten, sagt Postlep.

Davon könne man aber nicht dringend benötigte Labore in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern einrichten. Zudem lasse sich mit befristeten Verträgen kein hoch qualifiziertes Lehrpersonal an die Uni binden. Die zweite Phase des Hochschulpakts ist bis 2015 angelegt, aber selbst für 2013 ist noch nicht klar, wie die für Hessen vorgesehenen 240 Mio. Euro verteilt werden. Dieses Jahr gab es für die Uni Kassel 13 Mio. Euro aus diesem Extra-Topf. „Gute Lehre ist kein kurzfristiges Geschäft, das rasch aus dem Boden gestampft werden kann“, betont Postlep. „Was wir brauchen, sind sieben bis zehn Jahre Planungshorizont.“

Von ihrem Gesamtbudget für Forschung und Lehre (2011: 208 Mio. Euro) wirbt die Uni ohnehin immer mehr über Drittmittel selbst ein. Diese privaten oder öffentlichen Mittel sind jeweils an zeitlich begrenzte Forschungsprojekte gebunden. „Das Gewicht verschiebt sich zunehmend von einer Grund- zu einer wettbewerblichen Finanzierung“, sagt Uni-Sprecher Dr. Guido Rijkhoek. Von 2005 bis 2011 stiegen die Landesmittel für die Uni um 29 Prozent (auf 151 Mio. Euro), die Drittmittel hingegen um 65 Prozent (auf 46,2 Mio. Euro). Ein Viertel der 2400 Stellen an der Uni ist inzwischen über Drittmittel finanziert.

Von Katja Rudolph

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