Wegen Drogenhandel und Hehlerei

Nach Schuss auf Goldhändler: 53-jähriger Kasseler muss nun selbst ins Gefängnis

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Gefängnisstrafe: Der 53-jährige Goldhändler aus Kassel wurde zu vier Jahren Haft verurteilt.

Nach zwei aufwendigen Prozessen ist der Goldhändler Yavuz D. aus Kassel wegen gewerbsmäßiger Hehlerei und Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Die 11. Strafkammer befand ihn einer Vielzahl von Straftaten für schuldig, die zwischen 2014 und 2017 begangen wurden. Selbst Richter Gerd Rinninsland sprach in seiner Urteilsbegründung von einer „sehr, sehr moderaten Gesamtstrafe“, die erst durch das am vorletzten Verhandlungstag abgelegte umfassende Geständnis des Angeklagten und eine darauf fußende Verständigung zwischen Anklage und Verteidigung möglich wurde.

„Der Laie wundert sich“, kommentierte Staatsanwältin Ingrid Richter dieses Strafmaß. Immerhin hatte sie in ihrem Plädoyer Einzelstrafen von insgesamt mehr als 18 Jahren gefordert, die dann zur Gesamtstrafe zusammenschrumpften. 

Aus dem ersten Verfahren seit November 2017 waren zahlreiche Anklagepunkte im Rahmen der Verständigung eingestellt worden. Dieses Verfahren war geplatzt, weil D. bei einem Überfall einen Kopfschuss erlitten hatte. Was im zweiten Prozess übrig blieb, ist trotzdem eindrucksvoll.

Tatort an der Leipziger Straße: Hier wurde der Goldhändler in Kassel durch einen Schuss in den Kopf verletzt.

Er schickte vermutlich Einbrecher ins Haus einer Kundin  

Im August 2014 stahl ein Mitarbeiter des DHL-Zentrums in Staufenberg einen Ring und eine Uhr im Gesamtwert von rund 90.000 Euro aus zwei Sendungen und vertickerte sie im Geschäft des Angeklagten für 950 Euro weiter.

Im Jahr 2016 kaufte D. von einer Kundin ein Schmuckstück ganz regulär und fragte sie, ob noch mehr Schmuck da sei. Als die Frau dies bejahte, schickt der Angeklagte vermutlich rumänische Einbrecher direkt ins Haus der Kundin, wo diese Schmuck im Wert von 17 000 Euro erbeuteten. Diese Masche wurde mehrmals durchgezogen.

Polizei hörte Telefongespräche ab 

Ende Juli 2016 brachen rumänische Täter in ein Gartengeschäft in Hofgeismar ein und stahlen 22 hochwertige Motorsägen und vier Heckenscheren im Wert von 13.500 Euro. Die Verkaufsgespräche im Geschäft des Angeklagten hörte die Polizei schon mit. 

Im Dezember 2014 betrat ein türkischer Trickdieb ein Juweliergeschäft an der Brunnenstraße in Bad Wildungen. Er verwickelte die damals schwangere Mitarbeiterin in ein Verkaufsgespräch und schnappte sich in einem günstigen Augenblick eine Palette mit 197 Trauringen im Wert von rund 70.000 Euro. Mindestens 90 der Ringe kaufte ihm der Angeklagte für 4500 Euro ab.

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Drogenabhängige stahlen für ihn 

Yavuz D., der 1977 aus der Türkei nach Deutschland kam und der früher selbst Drogen konsumiert hat, hatte aus dieser Zeit gute Kontakte zu Abhängigen in der Kasseler Innenstadt. Die schickte er oft mit gezielten Aufträgen zu Ladendiebstählen los, damit sie Parfum, Kleidung, Decken, Rasierklingen und elektrische Zahnbürsten für ihn stahlen. Die Süchtigen erhielten dafür zehn bis 20 Prozent des Wertes ausgezahlt.

Kokain für 30.000 Euro 

Wegen der Hehlereigeschäfte war der Goldankäufer schon lange im Visier der Polizei. Eher zufällig wurde die dabei Zeuge, dass auch große Drogengeschäfte in dem Laden an der Wolfsschlucht abgewickelt wurden. D. kaufte 670 Gramm Kokain für knapp 30.000 Euro und bediente damit unter anderem Dealer am Stern.

Anklägerin Ingrid Richter, zuständig für die Organisierte Kriminalität in Kassel, hat seit 2011 gegen Yavuz D. ermittelt. Mit dem Urteil wurde nun ihr letzter großer Fall abgeschlossen: Richter geht in den Ruhestand und der Goldhändler in den Knast. Viele der Einbrecher und Diebe, denen D. Diebesgut abkaufte, sind ebenfalls verurteilt und verbüßen lange Haftstrafen.

Schuss wirkte sich strafmildernd aus 

Goldhändler Yavuz D. hatte die Angewohnheit, Schmuck und große Summen Bargeld im Auto aufzubewahren. Dies wusste ein 38-jähriger Armenier aus Schleswig-Holstein, der dem Kasseler im Februar 2018 vor dessen Wohnung auflauerte, ihn in den Kopf schoss und mit Schmuck und 45 000 Euro Bargeld floh. Wegen versuchten Mordes war der Armenier zu elf Jahren Gefängnis verurteilt worden. D. hatte die schwere Verletzung überlebt, bis heute leidet er unter den Folgen. In seinem eigenen Urteil wirkte sich dies strafmildernd aus.

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