Ausgerottete Arten stehen im Mittelpunkt

Gejagt, getötet, gegessen: Sonderschau zum Artensterben - Naturkundemuseum will aufrütteln

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Wurde vor 500 Jahren ausgerottet: Der Riesenmoa lebte auf Neuseeland und wurde schätzungsweise bis zu 270 Kilo schwer. Der flugunfähige Vogel wurde von den Maori bejagt.

Diese Ausstellung will aufrütteln: Am heutigen Samstag öffnet die Sonderausstellung „Tot wie ein Dodo“ zum Thema Artensterben im Naturkundemuseum Kassel.  

Bei der neuen Sonderschau wird den Besuchern des Naturkundemuseums in ebenso eindrucksvoller wie erschreckender Weise vor Augen geführt, was der Mensch angerichtet hat. Ausstellungsmacher und Museumsleiter Dr. Kai Füldner hat seine Schau weniger klassisch museal ausgerichtet, sondern auf die Emotionen und das Gewissen der Besucher gezielt.

„Diese Ausstellung macht sicher nachdenklicher als unsere letzte Sonderschau zu Gifttieren. Ich bin gespannt, wie gut das bei den Besuchern ankommt“, sagt Füldner. Für die Konzeption hat sich das Museumsteam noch stärker ins Zeug gelegt als sonst. Mehr als 100.000 Euro wurden in die Szenarien mit Nachbildungen ausgestorbener Tierarten investiert.

Ausstellung des Naturkundemuseums geht später auf Wanderschaft

Diesen Aufwand hat das Museum betrieben, da es sich um eine in Kassel entworfene Wanderausstellung handelt, die nach der hiesigen Premiere in den Senckenbergmuseen Dresden und Görlitz zu sehen sein wird. Weitere Stationen sind in Planung.

Die Ausstellung spannt einen Bogen von bereits ausgestorbenen Spezies bis hin zu aktuell bedrohten Tierarten. Bereits im Eingangsbereich wird dem Besucher deutlich gemacht, wie der Mensch die Tiere verdrängt hat. Auf einem Monitor ist grafisch animiert dargestellt, wie wir uns über die Jahrtausende über die Erde ausgebreitet haben. „Wir sind die invasivste Art der Welt“, sagt Kulturdezernentin Susanne Völker bei der Vorstellung der Schau. Dies sei ein aktuelles Thema mit gesellschaftlicher Relevanz.

Um die Entwicklung darzustellen, greift die Ausstellung auf Beispiele zurück, die sich erst in den vergangenen Jahrhunderten abspielten. „Sicher hat der Mensch auch etwas mit dem Aussterben des Mammuts zu tun, aber so weit blicken wir nicht zurück“, so Füldner.

Der Mensch und das Artensterben: Der Dodo starb weniger als 100 Jahre nach seiner Entdeckung aus

So begegnen die Besucher etwa dem Riesenmoa, einer Art großem Strauß, der bis vor 500 Jahren in Neuseeland lebte. Er wurde durch die Maori bejagt und ausgerottet. Ähnlich erging es dem Dodo auf Mauritius. Der letzte der ebenfalls flugunfähigen Vögel wurde um 1690 gesichtet. Seefahrer hatten die Tiere bejagt und gegessen. Der Dodo starb weniger als 100 Jahre nach seiner Entdeckung aus. Im Naturkundemuseum ist neben zwei Nachbildungen auch ein Gipsabguss seines Schädelknochens zu sehen.

Gigantische Ausmaße hatte die Stellersche Sehkuh, die im nördlichen Pazifik lebte. „Sie wurde bis zu neun Meter lang und 2,50 Meter breit“, sagt Füldner.

Erschreckend: Nachbildungen eines Breitmaulnashorns und eines Wildhüters. Die Tiere werden wegen ihres Horns gejagt. Es dient als Trophäe und es wird für den asiatischen Raum zu Potenzmitteln verarbeitet.

Das letzte Tier wurde vermutlich 1786 getötet. Die Kasseler haben eine Nachbildung bauen lassen, von der wegen ihrer Größe nur der Kopfteil in Kassel zu sehen ist. Andere Museen mit mehr Platz werden die komplette Seekuh ausstellen.

Sterben auch Nashorn, Eisbär und Co. aus?

Der letzte Teil der Schau widmet sich der Gegenwart, wo anhand von Präparaten und Nachbildungen ein ähnlich drohendes Schicksal für Nashorn, Eisbär und Tiger thematisiert wird.

Ganz zum Schluss dürfen die Besucher dann noch abstimmen, ob sie diese Ausstellung zu Verhaltensänderungen bewegt oder nicht.

Sonderschau zum Artensterben im Naturkundemuseum Kassel

Sonderschau zum Artensterben im Naturkundemuseum Kassel
 © Dieter Schachtschneider
Sonderschau zum Artensterben im Naturkundemuseum Kassel
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Sonderschau zum Artensterben im Naturkundemuseum Kassel
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