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Naturpark Kassel: Endlich Skilift und legale Trails für Mountainbike-Fans

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Von: Bastian Ludwig

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Vertritt die Mountainbiker: Thorsten Juraschka ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kassel in der Deutschen Mountainbike Initiative (DIMB).
Vertritt die Mountainbiker: Thorsten Juraschka ist Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kassel in der Deutschen Mountainbike Initiative (DIMB). © Bastian Ludwig

Im Naturpark Kassel entsteht im Habichtswald ein Paradies für Mountainbike-Begeisterte – zwölf Jahre hat es von der Idee bis zur Umsetzung gedauert.

Kassel – Nach jahrelangen Debatten eröffnet im Frühjahr der Mountainbike-Trailpark Kassel im Habichtswald. Betrieben wird er vom Naturpark. Der Skilift am Hohen Gras wird außerhalb der Schneesaison künftig Mountainbiker den Berg hochziehen. Wir sprachen mit Thorsten Juraschka, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Kassel der Deutschen Initiative Mountainbike (DIMB), über das das neue Freizeitangebot.

Ist der Mountainbike-Trailpark im Habichtswald ein Gewinn für Kassel?

Auf jeden Fall. Auch wenn die Umsetzung lange gedauert hat. Die Idee dazu entstand bereits vor zwölf Jahren. Bei der Entwicklung derartiger Angebote für Mountainbiker ist Kassel im Bundesvergleich spät dran. Weil der Trailpark in einem Staatsforst entsteht, ist er aber schon eine Besonderheit. Von dem Projekt können viele profitieren: nicht nur Hessen-Forst und Naturpark, sondern auch die Gastronomie im Habichtswald. Sobald der Trailpark im Frühjahr eröffnet ist, sollten die Mountainbiker ihn auch annehmen.

Kassel: Mountainbike-Trails im Habichtswald

Haben Sie Zweifel daran?

Eigentlich nicht. Aber dafür muss noch einiges getan werden. Die Jugendlichen müssen noch in das Projekt eingebunden werden. Dies ist bislang noch nicht ausreichend gelungen. Zudem braucht es Werbung für das neue Angebot. Aber mit Hessen-Forst und Naturpark Habichtswald sind zwei starke Partner für den Trailpark verantwortlich. Das macht mir Hoffnung. Es gibt inzwischen eine gute und offene Kommunikation. Früher sprachen die Beteiligten nur übereinander, heute wird miteinander gesprochen.

Was steht auf dem Spiel?

Hessen-Forst hat dem Trailpark nur zugestimmt, weil sich die Förster davon eine Lenkung der Besucher versprechen. Das Fahren auf illegal angelegten Trails im Bereich des Bergparks und den besonders sensiblen Osthängen – vom Ahnegraben bis zum Hirzstein – soll unterbunden werden. Zunächst für fünf Jahre hat Hessen-Forst seine Zustimmung erteilt. In dieser Zeit soll die Entwicklung beobachtet werden. Vom Ergebnis hängt der Fortbestand ab. Jetzt ist es an den Bikern, das Angebot anzunehmen.

Habichtswald Kassel: Trailpark mit „hoher Qualität“ und Schlepplift

Ist dies attraktiv genug?

Leider wird einer der geplanten Trails im Bereich des Schleppliftes, der wegen des starken Gefälles sehr reizvoll und technisch anspruchsvoll gewesen wäre, wegen Naturschutzbedenken nicht umgesetzt. Nichtsdestotrotz wird der Trailpark eine hohe Qualität haben.

Dafür sorgt der erfahrene und gute Streckenbauer Patric Dreher, der im Harz bereits erfolgreich den Racepark Schulenberg betreibt. Sicherlich ist der Trailpark Kassel deutlich kleiner, aber er bietet Ausbaupotenzial. Dies sollte auch genutzt werden, damit er dauerhaft attraktiv bleibt.

Trailpark Kassel: Mountainbike-Trails mit Hessen-Forst diskutiert

Was fehlt Ihnen?

Wie gesagt, der jetzt entstehende Trailpark ist ein guter Anfang. Wenn in den nächsten Jahren noch ein paar technisch anspruchsvolle Trails mit Steinfeldern, steilen Hängen und Sprüngen hinzukommen, wäre das gut. Was ebenso fehlt, ist eine Abfahrtsmöglichkeit ins Tal.

Bislang enden die geplanten offiziellen Trails an der Talstation des Liftes und am Parkplatz Roter Stollen. Das ist noch nicht zu Ende gedacht. Die Biker müssen ja wieder ins Tal gelangen. Deshalb haben wir Hessen-Forst Singletrails vorgeschlagen, die neben Forststraßen bis ins Druseltal führen.

Naturpark Kassel: Hessen-Forst könnte überregionale Chance verkennen

Naturpark und Hessen-Forst wollen vor allem ein Angebot für die lokale Szene schaffen und nicht überregional Fahrer in den Habichtswald locken.

Das kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Warum will man nicht überregional attraktiv sein und Kooperationen mit Mountainbike-Regionen wie dem Sauerland eingehen? Allein in der Region Kassel gibt es sicher 2000 aktive Fahrer. In Bad Arolsen und Gudensberg gibt es Vereinsstrecken.

In der Pandemie hat sich der Sport entwickelt. Es sind viele Corona-Trails entstanden. Der Trailpark ist eine Chance, den Bau illegaler Strecken zu reduzieren.

Kassel Habichtswald: Für Wanderer und Mountainbikes attraktiv

Wie reagieren Sie auf Mountainbiker, die abseits der offiziellen Trails im Wald unterwegs sind?

Wenn ein Trail angelegt wurde, ist es für den Hobbyfahrer nicht erkennbar, ob dieser legal oder illegal gebaut wurde. Deshalb halte ich das Hessische Waldgesetz auch für fortschrittlich. Es besagt, dass das Fahren überall dort erlaubt ist, wo ein Weg erkennbar ist – außer es gibt ein entsprechendes Verbotsschild.

Erleben Sie im Wald häufig Konflikte?

Das hat deutlich abgenommen. Früher sollten die Biker einfach nur aus dem Wald verdrängt werden. Heute führe ich viele freundliche Gespräche mit Wanderern, wenn ich mit meinem Mountainbike im Wald unterwegs bin. (Bastian Ludwig)

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