Mehr Wasserzufluss gegen Austrocknung

Naturschutzgebiet trocknet aus: Rettungsaktion für  Dönche

Kassel. Ein Gutachter soll jetzt klären, warum das Naturschutzgebiet Dönche austrocknet und wie das durch ausreichende Wasserzuflüsse zu verhindern wäre. Einen entsprechenden Beschluss hat der Stadtverordneten-Auschuss für Umwelt und Energie einstimmig dem Stadtparlament zur Annahme empfohlen.

Es ist davon auszugehen, dass der Beschluss in der Sitzung am 18. März so gefasst wird. Dann kann der Magistrat mit Hilfe des Gutachters prüfen lassen, wie die Dönche durch mehr Wasser vor einer sommerlichen Austrocknung zu schützen ist.

Anwohner und Landwirte beobachten seit Jahren, dass Feuchtgebiete und Biotope austrocknen, weil weniger Wasser in dasgrößte innerstädtische Naturschutzgebiet Deutschlands läuft. Auch in der Oberen Naturschutzbehörde des Kasseler Regierungspräsidiums ist das Problem seit zehn Jahren bekannt.

Dass weniger Wasser in Dönche- sowie Krebsbach fließt, gilt in der Behörde als problematisch, weil es dort schützenswerte Lebensraumtypen wie bachbegleitende Auenfelder gibt.

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Naturschutzgebiet Dönche trocknet aus

Über die Ursache der Austrockung wird gerätselt. Veränderungen in den alten Stollen der stillgelegten Zeche Marie könnten eine Rolle spielen. Auch der Klimawandel mit regenarmen Sommern könnte ein Grund sein. Oder auch die Wasserverteilung in einem Sandfangbecken an der Konrad-Adenauer-Straße. Dort fließt ein Teil des Wassers in den Mühlbach, der das Naturschutzgebiet Heisebachtal mit Wasser versorgt, der andere Teil fließt in den Dönchebach.

In der Ausschusssitzung berichtete Stadtbaurat und Umweltdezernent Christof Nolda (Grüne), dass bisher die Wasserstände in Dönche- sowie Krebsbach von der Stadt nicht kontrolliert und dokumentiert würden. Deshalb gibt es keine belastbaren Zahlen zu den Beobachtungen. Einig sind sich Fachleute darüber, dass an Dönchebach und Krebsbach ein komplexes Ökosystem hängt.

Die Bachufer sind Lebensraum für bedrohte Tierarten, die Gewässer speisen zudem zahlreiche Tümpel und Feuchtgebiete. So sind auch zwei der drei vom Krebsbach gespeisten Lehrteiche im Freilandlabor Dönche der Uni Kassel oft schon im Mai ausgetrocknet.

Bevor man über Schritte gegen die Austrocknung der Dönche an einem Runden Tisch diskutiert, soll eine Untersuchung her. Dabei soll auch geprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, dem Dönchebach durch Umleitung anderer Zuflüsse aus dem Habichtswald mehr Wasser zuzuführen und damit die Dönche zu retten.

Impressionen vom Naturschutzgebiet Dönche

Naturschutzgebiet Dönche
Die Kasseler Dönche steht möglicherweise vor einschneidenden Veränderungen: Feuchtgebiete und Biotope trocknen aus, weil weniger Wasser in das größte innerstädtische Naturschutzgebiet Deutschlands läuft. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Geschützte Arten wie der Kammmolch drohen daher zu verschwinden, sagt die Kasseler Grünenfraktion. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Das Thema ist allerdings umstritten, denn bisher fehlen Untersuchungen. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Bisher gibt es nur Beobachtungen, dass die beiden wichtigen Bäche, der Dönchebach und der Krebsbach, von Jahr zu Jahr immer weniger Wasser führen. © HNA
Naturschutzgebiet Dönche
Die Ursache bleibt allerdings rätselhaft. Es gibt Theorien, dass beispielsweise geologische Veränderungen im Habichtswald die Wassermenge drastisch sinken lassen, auch der Klimawandel könne ein Grund sein. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Einig sind sich die Fachleute, dass an den Zuflüssen von Dönchebach und Krebsbach ein komplexes Ökosystem hängt. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Die Bachufer sind selbst Lebensraum für bedrohte Tierarten, die Gewässer speisen auch zahlreiche Tümpel und Biotope. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Die Dönche gilt mit 1,73 Quadratkilometern als das größte straßenfreie innerstädtische Naturschutzgebiet Deutschlands. © HNA
Naturschutzgebiet Dönche
Als FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitat) unterliegt es besonderen EU-Schutzbestimmungen. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Das Gebiet liegt zwischen den Stadtteilen Süsterfeld/ Helleböhn, Niederzwehren, Oberzwehren, Nordshausen und Brasselsberg. © HNA-Archiv
Naturschutzgebiet Dönche
Die Dönche mit ihrer Weitläufigkeit, durchzogen von zahlreichen Spazier- und Wanderwegen, wird gerne für ausgedehnte Spaziergänge genutzt. © HNA-Archiv

Stichwort: Die Dönche

Die Dönche gilt mit 1,73 Quadratkilometern als das größte straßenfreie innerstädtische Naturschutzgebiet Deutschlands. Als FFH-Gebiet (Flora, Fauna, Habitat) unterliegt es besonderen Schutzbestimmungen der Europäischen Union.

Die Dönche, die nur an den Rändern bebaut ist, grenzt an die fünf Kasseler Stadtteile Süsterfeld-Helleböhn, Oberzwehren, Nordshausen, Brasselsberg und Bad Wilhelmshöhe.

Von Jörg Steinbach

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