Fördergelder für Uni Kassel

Neue Rad-Professur in Kassel: „Auch E-Scooter werden erforscht“

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Ein Mann fährt mit seinem Fahrrad auf einem mit einem Verkehrsschild gekennzeichneten Radweg.

Die Universität Kassel hat sich erfolgreich um die Rad-Professur beworben. Im Interview sprachen wir mit Prof. Carsten Sommer über Ziele und Inhalte des Vorhabens.

  • Die Universität Kassel hat sich erfolgreich um die bundesweit neuartige Rad-Professur beworben.
  • Neben dem Radverkehr werden auch E-Scooter und der Fußverkehr in Kassel (Nordhessen) erforscht.
  • Prof. Carsten Sommer hat die Bewerbung aus Kassel (Nordhessen) initiiert und spricht im Interview über Ziele und Inhalte des Vorhabens.

Die Universität Kassel hatte sich als eine von sieben Hochschulen erfolgreich um eine bundesweit neuartige Rad-Professur beworben. Über Ziele und Inhalte des Vorhabens sprachen wir mit Prof. Carsten Sommer.

Am Donnerstag wurde im Bundesverkehrsministerium der Startschuss gegeben. Zwei Millionen Euro fließen in den nächsten fünf Jahren nach Kassel, um die Forschung in dem Bereich voranzutreiben. Der Leiter des Fachgebiets Verkehrsplanung und Verkehrssysteme. Prof. Carsten Sommer, hatte die Kasseler Bewerbung initiiert.

Rad-Professur Kassel: Auch Verkehrsmittel wie E-Scooter werden erforscht

Sie haben gestern den Förderbescheid in Berlin von CSU-Verkehrsminister Andreas Scheuer erhalten. Wie haben Sie als Förderer nachhaltiger Verkehrsentwicklung der Begegnung entgegengesehen?

Mein Gefühl war erst mal gut. Ich kann im Verkehrsministerium positive Entwicklungen erkennen. Dass das Ministerium durch die Einrichtung von Stiftungsprofessuren den Radverkehr in den Fokus nimmt, ist da nur ein Aspekt. Auch die Initiative zur Erhöhung von Anwohnerparkgebühren und das Anheben der Bußgelder für das Parken auf Radstreifen und Gehwegen sind begrüßenswert.

Was hat Ihrer Meinung nach den Erfolg der Kasseler Bewerbung ausgemacht?

Wir haben uns breit aufgestellt. Unser Konzept umfasst nicht bloß Radverkehr, sondern auch Nahmobilität. Die Nahmobilität meint zum einen den Fußverkehr. 20 Prozent aller Wege legen wir zu Fuß zurück. Aber auch Verkehrsmittel wie E-Scooter und Segways werden erforscht. Zu deren Nutzen für den Verkehr gibt es große Wissenslücken. Sollten sie tatsächlich nur eine Alternative zum Fußverkehr sein, wäre damit nichts gewonnen. Zudem wurde unsere Bewerbung von 34 externen Institutionen unterstützt. Darunter sind Firmen, Kommunen, die Polizei und sogar das Land Mecklenburg-Vorpommern.

Kassel bekommt neue Rad-Professur: Universität erforscht Radverkehr und E-Scooter

Was für ein Interesse hat Mecklenburg-Vorpommern an einer Kasseler Rad-Professur?

Das liegt daran, dass wir uns bei der Forschung nicht nur auf den urbanen Radverkehr konzentrieren wollen, sondern auch das Radwegenetz im ländlichen Raum im Blick haben. Dort gibt es – abgesehen von touristisch relevanten Routen – große Defizite. Entsprechend ist dort der Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen rückläufig. Hinzu kommt, dass der Nahverkehr auf dem Land oft unattraktiv ist.

Wie viel Geld kommt der Kasseler Lehre zum Radverkehr zu Gute?

Vom Bund erhalten wir in den nächsten fünf Jahren 1,4 Millionen Euro. Hinzu kommt eine halbe Million vom Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) und vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), die uns projektbezogen für die Untersuchung der Schnittstellen zwischen Rad und ÖPNV unterstützen. So können wir neben der Professur zwei Mitarbeiter und eine halbe Sekretariatsstelle finanzieren.

Wann soll der Kasseler Rad-Professor seine Arbeit aufnehmen?

So schnell wie möglich. Allerdings ist das Berufungsverfahren sehr aufwendig. Dafür geht vermutlich ein Jahr ins Land. Die Suche nach einer geeigneten Person wird sicher nicht leicht. Erstens gibt es bislang keine Rad-Professuren in Deutschland und zweitens suchen nun sieben deutsche Hochschulen gleichzeitig nach den besten Köpfen. In den Niederlanden gibt es bereits ein Institut für Radverkehr. Dorthin werden wir auf jeden Fall Kontakt aufnehmen.

Kassel: Radinfrastruktur könnte von neuer Rad-Professur profitieren - auch E-Scooter sind Bestandteil

Welche persönliche Radleidenschaft muss der Kandidat mitbringen?

In einer Ausschreibung dürfen solche Vorgaben natürlich nicht gemacht werden. Aber viele, die in diesem Feld forschen, sitzen selber gerne auf dem Fahrrad.

Was muss man in Kassel studieren, um mit der Forschung zum Radverkehr in Berührung zu kommen?

Alle Studierende des Fachbereichs Bau- und Umweltingenieurwesen werden es mit der neuen Professur zu tun bekommen. Zudem planen wir derzeit einen neuen Master-Studiengang „Mobilität, Verkehr und Infrastruktur“.

Kann die Radinfrastruktur der Stadt von der neuen Professur profitieren?

Das hoffe ich und davon gehe ich auch aus. Die Uni Kassel pflegt eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt und der Region. Es gab bereits viele Forschungsprojekte, die vor Ort in der Praxis umgesetzt wurden.

Sehen Sie Kassel beim Thema Radverkehr auf einem guten Weg?

Das angekündigte Investitionsprogramm ist ein gutes Zeichen. Ob das versprochene Geld tatsächlich voll dem Radverkehr zu Gute kommt, ließe sich leicht mit einem von uns entwickelten Verfahren auswerten. Mit diesem ist es möglich, die Kosten verursachungsgerecht den einzelnen Verkehrsmitteln zuzuordnen.

Rad-Professur in Kassel: Universität erhält Fördergeld

Die Universität Kassel ist eine von sieben Hochschulen, die Fördergeld für eine Rad-Professur erhalten.*

"Wir werden nicht locker lassen", sagten die Radentscheid-Initiatoren. Der Radentscheid lässt nicht locker, was die Umsetzung und den kontinuierlichen Ausbau der Infrastruktur für Radler betrifft.*

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