Streit um einen Übergang über die Ahne

Neuer Radweg endet im Nichts

Hier enden Radtouren und Spaziergänge: Auf den Bleichwiesen (Wesertor) wurde 2012 ein neuer Rad- und Fußweg angelegt. Dieser endet bisher in einer Sackgasse. Links fließt die Ahne (auch Ahna genannt), die bei der Hafenbrücke in die Fulda mündet.

Kassel. Wer auf dem neuen Rad- und Fußweg auf den Bleichwiesen im Wesertor unterwegs ist, wird enttäuscht. Denn der im Frühjahr 2012 parallel zur Fulda angelegte Weg endet in einer Sackgasse. Was fehlt, ist ein Übergang über das Flüsschen Ahne.

Der Brückenschlag fällt nicht leicht, denn Stadt und Regierungspräsidium (RP) ringen seit Monaten um eine Lösung. Es ist ein Streit um DIN- und Rechtsnormen sowie den Natur- und Hochwasserschutz.

Für 1,7 Mio. Euro hat die Stadt die Bleichwiesen am Fuldaufer neu gestaltet und für Naherholung zugänglich gemacht. In diesem Jahr sollte das von der EU geförderte Projekt vollendet werden. Dazu soll der Weg an der Fulda über die Ahne fortgesetzt werden. Dadurch würde auch, so die Vision, eine landschaftlich schönere Variante des Fulda-Radwegs R1 entstehen, der von der Hafenbrücke weiter in Richtung Wolfsanger führt.

Aber die Planungen für einen Ahne-Übergang gestalteten sich schwieriger als gedacht. Hier eine Chronologie:

Erster Anlauf: Zunächst war ein Brückenbau geplant, sagt Regula-Maria Ohlmeier, Leiterin des Umwelt- und Gartenamts. Dies lehnte das RP ab. Der Eingriff in die Natur sei zu groß, und aus Hochwasserschutzgründen sei ein massives Bauwerk im Überschwemmungsgebiet nicht zulässig.

Zweiter Anlauf: Das RP schlug vor, Trittsteine in das flache Flussbett zu legen, sodass Fußgänger trockenen Fußes auf die andere Seite gelangen können. Dies lehnte die Stadt ab, da dies für Radfahrer und Personen mit Kinderwagen ein Problem sei.

Dritter Anlauf: Dann kam die Idee auf, einen knapp über der Wasseroberfläche liegenden Steg aus Beton zu bauen. Gegen diese Variante, die mit 105.000 Euro günstiger ist als eine Brücke, hatte auch das RP nichts einzuwenden – aber nur grundsätzlich nicht.

Vierter Anlauf: Denn die Stadt bestand aus Sicherheitsgründen darauf, am Steg ein 1,20 Meter hohes, DIN-Norm- und rechtskonformes Geländer anzubringen, dessen Streben so eng stehen, dass kein Kinderkopf durchpasst. Dies wiederum sieht das RP kritisch, denn bei Hochwasser dürfe nichts den Rückfluss behindern. Deshalb bot die Stadt an, ein Geländer anzubringen, das bei Hochwasser umgelegt werden kann.

Ende offen: Noch läuft die Prüfung beim RP. Aber dessen Sprecher Michael Conrad sagte: „Bei Hochwasser müsste das Geländer innerhalb von 30 Minuten umgeklappt werden, dies ist kaum möglich.“ Zudem sei das RP schon viele Kompromisse eingegangen. Anfangs sei die Naturschutzbehörde strikt gegen einen Radweg auf den Bleichwiesen gewesen. Das Geländer müsse für Schwemmgut durchlässig und niedriger sein. Ein Warnschild könne Radfahrer darauf hinweisen.

Ohlmeier ist optimistisch, dass beide Seiten sich einigen. Dann, so hofft sie, werde der Steg noch dieses Jahr gebaut.

Von Bastian Ludwig

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