Übermittlung ist nur online möglich

„Wir Alten werden abgehängt“: Ärger über neues Verfahren zur Wasserzählerablesung

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QR-Code soll mit Smartphone eingelesen werden: Dann werden die Kunden zu einer Eingabemaske geleitet, um ihre Zählerstände einzugeben.

Burckhard Strube ist eigentlich ein ausgeglichener Zeitgenosse. Doch nun ist der 75-Jährige Kasseler sauer. Grund ist ein Schreiben der Städtischen Werke zur Ablesung der Wasserzähler. 

Den Brief der Städtischen Werke, die im Auftrag von Kasselwasser die Ablesung der Wasserzähler organisieren, erhalten derzeit 50.000 Hauseigentümer in Kassel und Vellmar mit der Bitte, zum Jahresende den Zählerstand zu übermitteln. Das Problem: Es wird nur die Übermittlung auf dem Online-Weg mit QR-Code oder Web-Passwort angeboten.

Ältere Bewohner könnten mit QR-Codes und Web-Passwörtern nichts anfangen 

„Für die jungen Leute mag das ja eine Selbstverständlichkeit sein. Aber wir Alten werden abgehängt“, sagt Strube. Mit QR-Codes und Web-Passwörtern könnten er, aber auch viele andere ältere Bewohner seines Hauses, nichts anfangen. Die hätten das Schreiben einfach beiseitegelegt, weil sie oft nicht mal ein Smartphone oder Computer besäßen.

Strube hat das nicht getan. Er hat zum Hörer gegriffen und sich bei Kasselwasser beschwert. „Man kann die Online-Übermittlung ja anbieten, aber muss dies auch auf dem schriftlichen oder telefonischen Weg ermöglichen“, findet der Rentner.

Stadt Kassel: Übermittlung der Zählerstände auch per Post oder telefonisch möglich

Sein Anruf bei Kasselwasser hat ihn nicht zufriedengestellt. Zwar habe man ihm angeboten, den Zählerstand auch telefonisch übermitteln zu können, aber es habe am anderen Ende des Telefons kein Problembewusstsein gegeben. „Die sitzen da auf einem sehr hohen Ross und tun so, als ob jeder alles kann und hat und macht.“ Als Gebührenzahler habe er ein Recht darauf, einen gewissen Service erwarten zu können.

„Aber die wollen mittlerweile alle sparen: am Papier, an Briefmarken und am Personal für die Ablesung. Wir sollen das jetzt alles selbst machen. Das ist schon eine komische Sache, die sich da einschleift.“

Auf HNA-Anfrage teilt die Stadt mit, dass die Zählerstände – obwohl darauf nicht verwiesen wird – auch per Post oder telefonisch übermittelt werden können. Anschrift und Telefonnummer könnten die Adressaten im Adressfeld des Anschreibens finden. 

Schriftliche oder telefonische Angaben haben längere Bearbeitungszeit zur Folge

Schriftliche oder telefonische Angaben müssten manuell erfasst werden, was eine deutlich längere Bearbeitungszeit zur Folge habe. Deshalb werde angestrebt, dass möglichst viele Zählerstände über den Online-Weg übermittelt werden. Zudem sei es bei 50.000 Stichtagsablesungen nicht möglich, diese durch Ablesepersonal erledigen zu lassen.

Der Brief der Städtischen Werke ist wegen der von Kasselwasser geplanten Gebührenreform zum 1. Januar verschickt worden. Deshalb sollen alle Kalt- und gegebenenfalls Warmwasserzähler am 31. Dezember abgelesen und die Daten bis 6. Januar übermittelt werden. Auf der Basis wird eine Schlussrechnung erstellt. Wie die HNA berichtete, werden die Gebühren zum Jahresbeginn erhöht.

Übermittlung per Brief oder Telefon: Städtische Werke Netz + Service GmbH, Königstor 3-13, 34117 Kassel oder telefonisch 0561/ 57 45 29 79

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