3D-Technik bei Planung und Bauarbeiten im Einsatz

Bauen nach Lego-Prinzip: Neues Wohnhaus für Studenten in Kassel

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Entsteht in Windeseile: Unter dem Namen „Variowohnen“ wird auf dem Martini-Areal ein Studentenwohnhaus im Fertigbausystem zusammengesetzt. Dank eingesetzter 3D-Technik ist die Montage sehr einfach.

Wer regelmäßig an der Kölnischen Straße in Kassel entlangkommt, kann auf dem früheren Martini-Areal einem Haus beim Wachsen zusehen. Die Bauweise ist besonders.

Direkt an der Straße entsteht unter dem Namen „Variowohnen“ ein Wohnhaus für 123 Studenten.Das Besondere: Es wird mittels moderner 3D-Technik geplant und gebaut und lässt sich nach Angaben des Bauherren so einfach zusammensetzen wie ein Lego-Bausatz.

„Wir brauchen für ein Stockwerk ein bis anderthalb Wochen“, sagt Bauherr Prof. Michael Eisfeld von Eisfeld Ingenieure aus Kassel. Der Rohbau solle schon Ende Oktober stehen. Die Bauarbeiten hätten bereits im Mai begonnen – allerdings sei die meiste Zeit für die aufwendige Gründung auf den Kellern der ehemaligen Brauerei verwendet worden. Erst vor drei Wochen seien die Arbeiten am Erdgeschoss gestartet.

Dass es so schnell auf der Baustelle vorangeht, liegt an der Bauweise. Zum einen setzt der Investor auf Fertigbauelemente der Firma Xella, die vor Ort nur noch zusammengefügt werden müssen. Zum anderen vereinfacht und beschleunigt die dreidimensionale Planung das Arbeiten auf der Baustelle. Was das bedeutet, demonstrierten Eisfeld und Xella-Geschäftsführer Dr. Michael Leicht gestern vor Ort.

Haus bauen mit Hilfe einer Mixed-Reality-Brille

Mittels einer Mixed-Reality-Brille, die virtuelle 3D-Projektionen in reale Umgebungen ermöglicht, lassen sich die einzelnen Arbeitsschritte vor Ort genau überblicken. So werden dem Träger der Brille etwa die geplanten Wände in die Baustelle projiziert. „So können Fehler und Probleme früher erkannt werden“, sagt Leicht. Einzelne Wandelemente sind nummeriert und müssen anhand der Projektionen nur noch platziert werden. „Das ist so einfach wie Lego“, sagt Leicht.

Für den Bauherren liegen die Vorteile in der Zeit- und Kostenersparnis. „Wir brauchen 30 Prozent weniger Zeit als beim herkömmlichen Bauen“, sagt Eisfeld. Für die Arbeit auf der Baustelle seien zudem weniger der raren Fachkräfte nötig. Für die Montage der Elemente anhand des 3D-Modells brauche es keine Maurer mehr.

Erläutert das System: Michael Van Tendeloo (Xella) bei der Präsentation der Mixed-Reality-Technik.

Eisfeld und Leicht sehen in diesem System die Zukunft. Es gebe zwar noch Vorbehalte unter Architekten und Baufirmen, die die zweidimensionale Planung gewohnt seien. „Aber wer weiter darauf setzt, hat künftig keine Chance mehr“, sagt Leicht.

Das Projekt Variowohnen ist aber noch aus einem weiteren Grund außergewöhnlich. So sollen die 41 Wohnungen, die für 2er-, 3er- und 4er-Wohngemeinschaften geeignet sind, variabel veränderbar seien. Wenn der Bedarf an Studentenwohnungen irgendwann sinkt, können die Wände innerhalb der Wohneinheiten aufgrund ihrer Leichtbauweise leicht verändert werden. „Dann können wir hier auch seniorengerechtes Wohnen oder Wohnen für Familien anbieten“, sagt Eisfeld. Zunächst sollen nun aber im Frühjahr 2020 erst mal Studenten einziehen. Die Warmmiete – inklusive aller Nebenkosten – liegt bei 280 Euro.

Das 8,4 Millionen Euro Bauprojekt wurde von Land und Bund mit 5,4 Millionen Euro gefördert.

Neben diesem wird aktuell noch ein weiteres Haus für Studenten gebaut. Insgesamt gibt es am Martini-Quartier neun Bauherren. 

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