Jeder parkt für 22 Euro

Kassel nimmt pro Einwohner die meisten Parkgebühren in Hessen ein

Kassel. Unter den hessischen Städten hat Frankfurt mit 10,7 Millionen Euro im vergangenen Jahr die meisten Gebühren an seinen Parkscheinautomaten eingenommen. Kassel rangiert mit 4,2 Mio. Euro Parkgebühren auf Platz zwei.

Umgerechnet auf die Einwohner liegt die nordhessische Großstadt jedoch weit vorn. Jeder Kasseler hat 2011 nämlich für 22 Euro geparkt. Frankfurt hat pro Kopf 15 Euro Parkgebühren eingenommen, Wiesbaden neun Euro und Darmstadt sogar nur sechs Euro. Diese Zahlen hat die Nachrichtenagentur dapd recherchiert. Dabei sind die Parkgebühren in Kassel nicht einmal besonders hoch. Am meisten kostet das Parken unmittelbar im Zentrum mit einem Euro pro Stunde. Zum Vergleich: Frankfurt und Wiesbaden verlangen in ihren Innenstädten das Doppelte an den Parkscheinautomaten.

Die aktuellen Gebühren in Kassel gelten seit 1996 im Zentrum und im Rest der Innenstadt noch fünf Jahre länger. Dort kostet die Stunde sogar nur 50 Cent. In der Friedrich-Ebert-Straße kann dank Brötchentaste eine halbe Stunde kostenlos geparkt werden.

Für Autofahrer ärgerlich ist jedoch, dass sie stets passend zahlen müssen. In vielen anderen Städten passen die Automaten die Parkzeit an das eingeworfene Geld an. In Kassel nicht. Die Folge: Weil kürzer geparkt wird, als der Parkschein gültig ist, kassiert die Stadt teils mehrfach für denselben Zeitraum.

Dass die Stadt den Autofahrern dabei nicht entgegenkommt, wird mit dem gleichen Argument abgewiesen, mit dem das SMS-Parken auf den Karlsplatz und die Brötchentaste auf die Friedrich-Ebert-Straße beschränkt bleiben: Angesichts der angespannten Haushaltslage schaut die Stadt auf jeden Cent. Flexible Parkgebühren könnten jährlich 400 000 Euro kosten, ist die Befürchtung.

Stadt schaut auf Haushalt

„Alle Fachämter sind gefordert, das Maximum an Einnahmen zu realisieren“, hatte Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel (SPD) kürzlich gesagt, als eine Ausweitung des SMS-Parkens im Gespräch war. Der Vergleich mit den anderen Städten zeigt allerdings, dass parkende Autofahrer in Kassel bereits einen besonders großen Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten.

Zu diesen Einnahmen kamen 2011 noch fast 1,75 Mio. Euro, die aufgrund von 192.539 Parkverstößen kassiert wurden. Das Geld ist nicht zweckgebunden, etwa für den Erhalt der Straßen, sondern fließt in den allgemeinen Etat und senkt das Defizit. Auf diese Einnahmen will die Stadt nicht verzichten.

Von Marcus Janz

Rubriklistenbild: © HNA

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