„Lernen heißt selber denken“

Noch 60 Tage bis zu den Abi-Prüfungen: Tipps für die Vorbereitung

Die Abiturprüfungen stehen bevor: In zwei Monaten beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen. 
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Die Abiturprüfungen stehen bevor: In zwei Monaten beginnen die schriftlichen Abiturprüfungen in Hessen. 

Die heiße Phase der Abiturvorbereitungen hat begonnen. Am 19. März – also genau in zwei Monaten – starten die schriftlichen Prüfungen.

  • In zwei Monaten beginnen die Abi-Prüfungen.
  • Rund 1500 Schüler in Kassel legen das Abitur ab.
  • Experte gibt Tipps für die Vorbereitung.

Fast 1500 Schüler in Kassel schreiben ihr Abitur. Wir haben mit dem Kasseler Prüfungscoach Dr. Timo Nolle darüber gesprochen, wie sich Schüler optimal darauf vorbereiten und was Eltern dafür tun können.

Noch 60 Tage bis zum Abi. Was sollten die Schüler nun tun?

Eine optimale Prüfungsvorbereitung – egal, ob für das Abitur oder eine Uniklausur – besteht aus drei Aspekten: Erstens muss der Stoff gelernt und verstanden werden. Wobei Verstehen meint, nicht alles nur auswendig zu lernen.

Es bringt nichts, immer nur Matheaufgaben zu lösen, wenn ich nicht verstehe, was ich da tue. Im zweiten Schritt muss das Erlernte durch Prüfungstraining angewandt werden. Und die dritte Säule ist die Arbeit an der mentalen Stärke und Selbstregulation. Also wie reagiere ich, wenn ich etwas nicht weiß. Es ist wichtig, den Umgang mit Angst zu lernen.

Welcher Schritt kommt am Anfang des Lernens?

Am Anfang sollten die Schüler eine Mindmap, also eine visuelle Lernlandkarte, erstellen. So verschaffen sie sich einen Überblick darüber, welche Themen sie schon beherrschen und wo sie noch Nachholbedarf haben. Dann wird ermittelt, welche Fakten und Fachbegriffe auswendig gelernt werden müssen und wo es darum geht, Zusammenhänge zu verstehen.

So gehen doch aber vermutlich die wenigsten vor.

Viele schreiben einfach eine Zusammenfassung ihres Unterrichtsstoffes, den sie über die Jahre vermittelt bekommen haben. Diese Inhalte versuchen sie dann – ähnlich wie bei einem USB-Stick – in ihr Gehirn zu übertragen. Das funktioniert aber nicht. Unser Gehirn arbeitet anders. Wir können kein fremdes Wissen kopieren. Lernen heißt, selber denken zu lernen.

Was bedeutet das?

Ich will, dass mal an einem Beispiel deutlich machen: Wer als Ortsfremder drei verschiedene Passanten nach dem Weg fragt, wird drei unterschiedliche Beschreibungen erhalten, die aber alle zum Ziel führen. Jeder hat seine eigene Landkarte mit unterschiedlichen Orientierungspunkten im Kopf. Die innere Landkarte eines anderen Menschen zu übernehmen funktioniert nicht. Ich muss sie mir selber erwandern.

Wenn ich die Inhalte gelernt und verstanden habe, käme nach Ihrem Schema das Prüfungstraining. Wie sieht das aus?

Es geht darum, prüfungsähnliche Aufgaben zu lösen. Entweder geht man alte Haus- oder Prüfungsaufgaben durch oder stellt sich in Lerngruppen gegenseitig Aufgaben. Durch das Lösen von realistischen Aufgaben bekomme ich Routine und baue Selbstbewusstsein auf. Dann merkt man, dass man was weiß.

Was kann man tun, um sich zu beruhigen und was können Lehrer tun?

In der Prüfung ist es wichtig, dass man mit leichten Aufgaben anfängt und sich nicht an einer Aufgabe festbeißt, die man vermeintlich nicht lösen kann. Viele Schüler haben so große Angst, dass sie ihr Wissen nicht abrufen können. In meinen Coaching-Fortbildungen für Lehrer und Psychologen vermittele ich Techniken zur Selbstberuhigung, damit diese wiederum den Schülern helfen können. Das sind etwa Atem- und Klopftechniken und mentale Bilder, die auch Leistungssportler oder Musiker nutzen. Zudem ist die Arbeit an den Glaubenssätzen wichtig. Wer von sich glaubt, er kann kein Mathe, der fühlt sich Mathe gegenüber zwangsläufig hilflos. Dann kann es hilfreich sein zu überlegen, wer einem das eingeredet hat und seit wann man das glaubt.

Wie können Betroffene am Selbstbewusstsein arbeiten?

Das ist individuell unterschiedlich. Allgemein hilft es sich klarzumachen, wie viele Prüfungen man in seinem Leben schon absolviert hat. Anteilsmäßig machen die Abiprüfungen nur wenige Prozent aus. Nützlich sind auch Kraftbilder, mit denen man sich gut fühlt. Das kann eine Erinnerung an einen schönen Ort in der Natur oder ein Erfolgserlebnis sein. Profi-Sportler nutzen Musik und Rituale, um sich gezielt in Stimmung zu bringen.

Welche Rolle spielt der Leistungsdruck?

Innerer Druck entsteht, wenn Leistung und Selbstwertgefühl gekoppelt werden. Das geht schon in der Grundschule los. Im Prüfungscoaching erarbeite ich mit den Betroffenen Kraftsätze, um das wieder zu trennen. Zum Beispiel: Auch wenn ich die Prüfung verhaue, gehe ich meinen Weg. Oder: Ab jetzt mache ich von meinem Recht Gebrauch, nicht perfekt sein zu müssen. Solche Sätze müssen aber individuell zugeschnitten sein und zur Person passen. Die gibt’s nicht von der Stange.

Welche Rolle spielen die Eltern?

Viele Eltern stehen ebenfalls unter Druck, weil sie ihr elterliches Selbstwertgefühl an die Leistung ihrer Kinder knüpfen. Sie befürchten, als schlechte Eltern zu gelten, wenn ihre Kinder in der Schule keine guten Leistungen erbringen. Viele übertragen ihre eigenen schlechten Schulerfahrungen auf die Kinder. Eltern sollten ihre Kinder motivieren und zu ihnen stehen, egal, mit welcher Note sie nach Hause kommen.

Video: Die 11 lustigsten und peinlichsten Abisprüche

Service: Dr. Timo Nolle bietet am 28. Januar, 18 Uhr, für seine Fortbildung „Prüfungscoaching“ einen kostenlosen Infoabend für Lehrer, Psychologen und Berater an. Ort: Systemisches Institut Mitte, Sickingenstraße 10b. Anmeldung:info@timo-nolle.de

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