Kassel: Noch 52 MEG-Klagen vor Arbeitsgericht

Kassel. Viele haben am Donnerstag mit großem Interesse auf das Arbeitsgericht Kassel geschaut. Denn dort sollte erstmals durch ein Urteil geklärt werden, ob die ehemaligen MEG-Mitarbeiter noch Geld an Insolvenzverwalter Dr. Fritz Westhelle zahlen müssen.

Doch daraus wurde nichts: Man schloss einen Vergleich.

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Mahnbescheide an MEG-Mitarbeiter: Insolvenzverwalter will 680.000 Euro

Zwar wollte die Insolvenzverwaltung ursprünglich rund 9000 Euro Lohnsteuer haben, zahlen muss der frühere Mitarbeiter von MEG-Boss Mehmet Göker nun 2000 Euro. Und da er nach eigenem Beteuern nichts hat, darf er die Summe in Monatsraten zu je 100 Euro abstottern.

Die Kanzlei Westhelle behielt sich vor, diesen Vergleich doch noch zu widerrufen. Bis zum 26. Mai hat man dazu Zeit. Ein mögliches Urteil könnte am 6. Juni verkündet werden.

Das Problem: Offenbar war die MEG-Buchhaltung so chaotisch, dass heute kaum jemand genau weiß, was, wer, wann verdiente und was ans Finanzamt abgeführt wurde. Und nach der Pleite waren die Aufhebungsverträge zwischen Mitarbeitern und der MEG oft nicht klar formuliert.

Mehmet E. Göker - einst mal schillernder Unternehmer

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Genau 116 Mahnbescheide hatte Westhelle an ehemalige MEGler verschickt. Er wollte damit Lonsteuern und Solidaritätszuschläge einfordern, die die MEG bezahlt hatte. 680.000 Euro sollten so in die Kasse fließen. Das Geld wäre den Gläubigern der MEG zugute gekommen.

Mehmet Göker vor dem Kasseler Amtsgericht

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Doch die EX-MEGler wehrten sich - eine Prozesslawine drohte das Arbeitsgericht zu überrollen. Inzwischen ist diese Lawine auf etwa die Hälfte geschrumpft. 55 Klagen wurden von der Insolvenzverwaltung Westhelle zurückgenommen.

In drei Verfahren vollstreckte Westhelle die Forderungen, zwei Ex-MEGler erkannten schließlich an, dass sie zu zahlen haben. Viermal wurde ein Vergleich geschlossen, und 52 Klagen laufen noch.

Göker fordert Lohnsteuer zurück

Nach der Razzia im Jahr 2007 und einer Bertriebsprüfung durch das Finanzamt war klar: Die MEGler waren ab da keine Selbständigen, sondern wurden behandelt wie normale Angestellte. Die MEG musste für sie Lohnsteuer entrichten.

Dem Vernehmen nach soll es sich um drei Millionen Euro gehandelt haben. Nur: Mehmet Göker wollte das Geld nicht verlieren. Vertraglich mussten sich deshalb viele MEGler verplichten, die Lohnsteuer an die MEG zurückzuzahlen.

Nach der Pleite ist Insolvenzverwalter Westhelle sozusagen „MEG-Boss“. Er treibt nun das Geld ein, um es der Insolvenzmasse zuzufügen. Damit werden dann die Gläubiger bedient, die noch Geld von der MEG bekommen. (tho)

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