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Im Einsatz gestorben: Rolf Liebscher war mehr als 40 Jahre Notarzt in Kassel

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Als Notarzt zu arbeiten, war für ihn eine Berufung: Rolf Liebscher bei einem Brand in der Ihringshäuser Straße im Jahr 2014.

Rolf Liebscher war mehr als 40 Jahre Notarzt in Kassel. Am 30. April ist er unerwartet gestorben – bei einem Einsatz.

  • Der Notarzt Rolf Liebscher aus Kassel ist tot. 
  • Er war mehr als 40 Jahre lang im Dienst.
  • Er starb bei einem Einsatz als Notarzt.

Er war immer freundlich. Dass er mal schlechte Laune hatte, daran kann sich niemand erinnern. Das hört man nicht nur einmal, wenn man nach Rolf Liebscher fragt. „Ich glaube, er konnte gar nicht böse sein, und auch aus der Fassung hat ihn eigentlich nichts gebracht“, sagt ein ehemaliger Kollege.

Wenn der Notarzt zu einem Einsatz kam, dann musste trotz oftmals gebotener Eile noch Zeit sein für ein kurzes „Hallo“, ein freundliches Wort oder einen aufmunternden Händedruck – ein Markenzeichen von Rolf Liebscher.

Notarzt aus Kassel ist tot: Rolf Liebscher war bei seiner Familie für gute Laune zuständig

Auch zuhause bei seiner Familie war der 72-jährige Kasseler für die gute Laune zuständig. „Wenn die Stimmung schlecht war, musste er nur einen seiner Scherze machen, schon haben alle wieder gelacht“, erinnert sich seine Frau. Die gehen auch seinen beiden Kindern jetzt immer wieder durch den Kopf. Die „gute Seele“ der Familie kümmerte sich seit seinem Ruhestand um die Einkäufe und den Haushalt. 

Wenn nur jemand erwähnte, dass er Hunger auf etwas Bestimmtes habe, dann stand genau das am nächsten Tag auf dem Tisch. Auch zuhause erzählte Liebscher manchmal von seinen Einsätzen. Vor allem Liebschers Tochter hatte großes Interesse. Auch sie studiert Medizin.

Dr. Rolf Liebscher

Für den 72-Jährigen war sein Beruf eine Berufung. Bis zu seinem Ruhestand 2012 hat der Mediziner als Chefarzt in einer Bad Wildunger Rehaklinik gearbeitet. Sein Herz schlug allerdings seit mehr als vierzig Jahren vor allem für eins: nämlich für den Rettungsdienst. In Kassel war Liebscher der am längsten tätige Notarzt. Erst am Klinikum, seit 35 Jahren dann am Notarztstandort Elisabeth-Krankenhaus.

Rolf Liebscher aus Kassel ist tot: Er arbeitete auch in seiner Freizeit als Notarzt

Auch als Chefarzt ließ er es sich nicht nehmen, regelmäßig Notarzteinsätze zu fahren. Es machte ihm einfach Spaß. Auch wenn jemand bei den Liebschers zuhause anrief, dann war es keine Frage: Er ist hingefahren und hat sich gekümmert. „Anfänglich habe ich mich damit schwergetan“, sagt Monika Liebscher. Er habe immer gesagt, man solle stets daran denken, wie es wäre, wenn der Patient ein Angehöriger sei.

Neben der Tätigkeit im Notarzt-Standort stand Liebscher auch in seiner Freizeit immer für die Feuerwehr Kassel als zusätzlicher Notarzt zur Verfügung. Das heißt, dass er alarmiert wurde, wenn kein anderer Notarzt mehr verfügbar war. Auch das für ihn eine Selbstverständlichkeit.

Kassel: Notarzt Rolf Liebscher hat seine Menschlichkeit nie verloren

Seine Menschlichkeit hat sich Rolf Liebscher über all die Jahre erhalten. Er hat sich um seine Patienten gesorgt, erzählen Kollegen, die viele Jahre mit ihm zusammengearbeitet haben. Oft habe er nach ein paar Tagen immer noch mal nachgefragt, wie es dem einen oder anderen denn gehe, den er im Rettungsdienst behandelt hatte. Er sei ein zuverlässiger Kollege und immer für seine Patienten da gewesen. Auch wenn er schlechte Nachrichten überbringen musste, dann hatte Liebscher auch dafür ein empfindsames Gespür. Sein Umgang mit Menschen zeichnete ihn aus.

Im Rettungsdienst sah Liebscher den Sinn der Medizin – nämlich Menschen helfen zu können, einfach noch unmittelbarer. Die Wirkungen seiner Arbeit waren dort für ihn sofort spürbar.

Liebscher war in allen Lebenslagen ein Optimist. „Wahrscheinlich hätte er es am wenigsten für möglich gehalten, dass in diesem Moment so etwas passieren kann“, sagt seine Frau. Rolf Liebscher ist am 30. April unerwartet gestorben – bei einem Einsatz als Notarzt.

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