Song über Halit Yozgat und den NSU

Gedenken an NSU-Opfer: Rapper Pimf macht aus Kassel die „Halitstadt“

Mit seinem Song „Halitstadt“ hat Rapper Pimf Halit Yozgat und den anderen Opfern des NSU ein musikalisches Denkmal gesetzt. Das Stück ist auch Protest gegen anhaltenden Rassismus.

Kassel – Wenn Pimf von seinem Geburtsort Hofgeismar nach Kassel fährt, kommt er jedes Mal an der Holländischen Straße 82 vorbei, dem Ort, an dem Halit Yozgat am 6. April 2006 durch den Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) erschossen wurde. „Ich bin nie daran vorbeigefahren, ohne dass ich nicht daran gedacht habe“, sagt der 27-Jährige, der als Rapper Karriere gemacht hat.

Zum zehnten Jahrestag der NSU-Selbstenttarnung hat er einen Song veröffentlicht, der Halit Yozgat und den anderen neun Opfern des NSU ein musikalisches Denkmal setzt. „Halitstadt“ beginnt mit einem Sample von Ismail Yozgat, der bei einer Demo einen Monat nach dem Mord an seinem Sohn mahnt, dass es kein weiteres Opfer geben darf. Dann rappt Pimf: „Sie reden von Döner-Morden und Clan-Kriegen. / Neun Menschen, die im Sarg liegen. / Du kannst die Hälfte der Taten auf den Staat schieben.“

Rapper Pimf beschäftigt sich mit dem NSU - Düsterer Song ist bemerkenswert politisch

Der düstere Song ist schon deshalb bemerkenswert, weil deutscher Hip-Hop nur selten politisch ist. Pimf, der Anfang des Jahres nach Hamburg gezogen ist, beschäftigt die Mordserie immer noch: „Es ist wichtig, dass man sich mit den Opfern solidarisiert, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Struktureller Rassismus ist immer noch eines der größten Probleme.“

Das Cover zu „Halitstadt“ von Rapper Pimf zeigt eine Szene aus der Holländischen Straße, wo Halit Yozgat am 6. April 2006 von Neonazis erschossen wurde.

Auch der Verfassungsschützer Andreas Temme, der 2006 am Tatort war und wie der Musiker aus Hofgeismar kommt, wird in „Halitstadt“ erwähnt. Wenn Pimf in Hamburg erzählt, dass er bei Kassel aufgewachsen ist, wird er nicht nur auf den NSU angesprochen, sondern auch auf den Mord an Walter Lübcke, Jana aus Kassel und „Querdenker“.

Weitere interessante Nachrichten aus der Stadt gibt es in unserem kostenlosen Kassel-Newsletter.

Pimf könnte erwidern, dass die Stadt angemessen auf die Morde reagiert hat – auch wenn die Holländische Straße nicht nach Halit Yozgat benannt wird. Dafür heißt Kassel nun „Halitstadt“. (Matthias Lohr)

Zehn Jahre danach spricht die Journalistin Annette Ramelsberger im Interview über den NSU: „Der Staat hat die Opfer allein gelassen“. Mehr als 94.000 Menschen haben die Petition zur Freigabe der NSU-Akten unterschrieben. Dennoch weigert sich das hessische Innenministerium die Dokumente offenzulegen.

Rubriklistenbild: © nh

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.