Sie fuhren damals abgasfrei

O-Busse mit Elektroantrieb: So war es einst in Harleshausen und Kirchditmold

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Gleich geht es um die Kurve: Auf der Linie 10 fuhren (ab 1954) bis in die 1960-er Jahre O-Busse mit Strom aus der Oberleitung durch Kassel. Die Aufnahme entstand in Kirchditmold an der Kreuzung Teichstraße/Mergellstraße. 

Bis 1962 fuhren in Kassel O-Busse mit Elektroantrieb und Energie aus der Oberleitung. Daran erinnert eine Ausstellung, die am Wochenende eröffnet wird.

Sie haben Kirchditmold und Harleshausen mit dem Bahnhof Wilhelmshöhe verbunden, fuhren abgasfrei und waren vor über 60 Jahren schon Vorreiter einer klimaschonenden Mobilität. Jetzt wird den O-Bussen, die wie eine Straßenbahn ihre Energie aus einer Oberleitung abzapfen, eine eigene Ausstellung gewidmet.

Der Verkehr hielt sich noch in Grenzen: Dieser O-Bus war auf der Todenhäuser Straße unterwegs. Dahinter kann man einen VW Käfer erkennen.

Bis 1962 waren die Busse auf einer eigenen Linie im Kasseler Westen unterwegs. Mitglieder des Bürgervereins Harleshausen sowie des Heimat- und Bürgervereins Kirchditmold haben die Ausstellung auf die Beine gestellt. Am kommenden Wochenende wird sie eröffnet. 

„Wir haben nach etwas Verbindendem zwischen unseren Stadtteilen gesucht“, sagt Carsten Höhre, der Vorsitzende des Bürgervereins Harleshausen. Da boten sich die bei vielen schon in Vergessenheit geratenen O-Busse an. Mit Unterstützung des Henschelmuseums wurde die Ausstellung vorbereitet.

Der Start für die O-Buslinie war schwierig. Kassel glich nach der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 zumindest im Zentrum einer Ruinenlandschaft. In den westlichen Stadtteilen sah es nicht ganz so schlimm aus. Am 12. Juli 1944 gingen die ersten O-Busse in Betrieb. Sie fuhren über die Zentgrafenstraße durch Harleshausen bis zur Rasenallee. Die Busse hatten Anschluss an die damalige Straßenbahnlinie 14, die zwischen der Hessenschanze und der Eisenschmiede verkehrte. 

Haltestelle Kirche Kirchditmold: Hier fährt heute die Straßenbahn.

Drei O-Busse mit Fahrgestellen von Henschel und Aufbauten von Credé waren auf der Strecke mit den weiteren Haltestellen Riedelstraße, Harleshäuser Straße, Wolfhager Straße, Wilhelmshöher Weg, Ahnatalstraße und Seebergstraße unterwegs.

In Kassel produziert: Das Werbeplakat zeigt einen O-Bus von Henschel.

Bei einem Bombenangriff im Februar 1945 wurde das Busdepot an der Zentgrafenstraße zerstört. 1947 hat die KVG den Betrieb zwischen Kirchditmold und Harleshausen wieder aufgenommen. Ab November 1949 kam dann eine Erweiterung Richtung Wilhelmshöhe hinzu. Die Busse fuhren über die Mergellstraße in Kirchditmold bis zur Kunoldstraße und zur Baunsbergstraße und ab 1953 auch zum Bahnhof Wilhelmshöhe.

Ein großer Vorteil der O-Busse war, dass sie leise und ohne Abgase fuhren. Trotzdem kam 1962 das Aus. Der Aufwand für eine einzige Linie mit Strom aus der Oberleitung sei zu groß, begründete das damals die KVG. Die O-Busse wurden durch Dieselfahrzeuge ersetzt.

Ausstellung startet am Samstag

Vier der Ausstellungsmacher: Hans-Dieter Budig (von links), Heinz-Hermann Scholling, Reinhold Heinemeyer und Carsten Höhre. 

Die gemeinsame Ausstellung des Bürgervereins Harleshausen sowie des Heimat- und Bürgervereins Kirchditmold wird am Samstag, 17. August, 14 Uhr, in der Erlöserkirche, Karlshafener Str. 4, eröffnet. Zugesagt hat Kassels Verkehrsdezernent Dirk Stochla. 

Die Ausstellung ist am Samstag bis 18 Uhr zu sehen und am Sonntag, 18. August, von 11 bis 16 Uhr. Danach wandert die Ausstellung mit vielen Bildern von O-Bussen, aktuellen Fotos und Infotafeln mit dem Streckenverlauf nach Kirchditmold. Dort wird sie ab Samstag, 6. September, 11 bis 18 Uhr im Gemeindehaus der Kirche Kirchditmold, Schanzenstr. 1, zu sehen sein. Am Sonntag, 7. September, ist sie von 12 bis 18 Uhr geöffnet.

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