Auktion

Autos sichergestellt und versteigert: Ordnungsamt nahm 6000 Euro ein

Gute Laune bei der Auktion: Nachdem die Personalien der Mitbieter aufgenommen wurden, konnte die Versteigerung der ordnungswidrig abgestellten und beschlagnahmten Fahrzeuge im Industriepark Waldau beginnen. Fotos: Mennecke

Kassel. Neugierig schauen die potentiellen Käufer durch die Scheiben der Autos, die teils durch die Witterung stark mitgenommen sind. Mit dem Handy am Ohr werden kurze Telefonate geführt, Preise abgestimmt und Kaufentscheidungen getroffen.

Das Ordnungsamt hat zum zweiten Mal ordnungswidrig abgestellte und beschlagnahmte Autos versteigert. Was die Käufer nicht wissen: Wieviel Kilometer die Wagen gefahren haben, was sich im Fahrzeuginnen- und Kofferraum verbirgt und ob das Auto überhaupt läuft. Es regnet bereits seit Stunden, die Parkplätze im Industriegebiet Waldau sind rar. Die Laune der Autoliebhaber und Verkäufer, viele offenbar Südländer, senkt das nicht, obwohl erstmal Schlange stehen angesagt ist. „Das lohnt sich heute“, sagt ein Mechaniker. Bei der Anmeldung zur Auktion müssen sich die Interessenten mittels Personalausweis ausweisen und ihre Meldeadresse angeben, erst dann gibt es die Bieterkarte.

Nur Bares zählt

Einfach ignoriert: Eine „Aufforderung zum Entfernen eines Fahrzeugs“ wurden vom Fahrzeughalter ebenso ignoriert wie das Knöllchen, der Besitzer konnte nicht ausfindig gemacht werden. Das Gesetz schreibt damit die Versteigerung des Fahrzeugs vor.

Wer den Zuschlag erhält muss zudem viel Bargeld griffbereit haben. Im Anschluss muss sofort gezahlt werden, Banknoten werden nur bis 100 Euro entgegen genommen. Wer nicht sofort zahlen oder das Fahrzeug nicht am selben Tag ordnungsgemäß abtransportieren kann, ist direkt raus. Doch diese Auflagen stören offenbar nicht, für die meisten ist es wohl nicht die erste Auktion.

Nach dem „Papierkram“, wie ihn einige Teilnehmer bezeichnen, geht es weiter in eine große Halle nebenan. Acht Autos stehen in schummrigem Licht aufgereiht, die potentiellen Bieter nehmen die Fahrzeuge genau unter die Lupe. Schäden an der Abgasanlage, Durchrostung und eine grobe Schätzung der Laufleistung gehört dazu. Die Blicke und Griffe an die Karosserie sind gezielt.

Autos für den Export

Dann beginnt die Auktion. Als Klassiker wird ein Mercedes Benz 300 TD angepriesen. Startgebot 465 Euro. Bei dem mit Baujahr 1993 in die Jahre gekommenen Mercedes ist die Reaktion verhalten. Vom Startgebot 465 Euro sind die Bieter abgeschreckt. Ein Mann überwindet sich dann doch und nimmt das Auto. Die weiteren Fahrzeuge verkaufen sich schneller, die Gebote gehen teils über 1000 Euro.

Ein gewerblicher Verkäufer erklärt, wofür er seine ersteigerten Autos verwendet. „Das sind alles Exportfahrzeuge, eins geht direkt nach Afrika, das andere schlachten wir aus. Die Preise in Deutschland sind für Ersatzteile viel zu niedrig,“ erzählt der Mann: „Dafür war der Kaufpreis zu hoch.“

Zufrieden ist die Stadt. „Wir haben heute über 6000 Euro erzielt“, sagt Kathy Käferstein, Abteilungsleiterin der Kasseler Verkehrsüberwachung. Nur zwei Autos haben keinen neuen Besitzer gefunden und gehen an die Kasseler Berufsfeuerwehr, die damit die Unfallrettung mittels Schere und Spreizer üben kann.

Von Konstantin Mennecke

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