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Für den Frieden – und Worte gegen die Kritiker: Hunderte beim Ostermarsch in Kassel

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Von: Florian Hagemann

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Zogen durch die Innenstadt von Kassel: Die Teilnehmer des Ostermarsches gingen zum Rathaus.
Zogen durch die Innenstadt von Kassel: Die Teilnehmer des Ostermarsches gingen zum Rathaus. © Dieter Schachtschneider

Hunderte Teilnehmer demonstrierten beim Ostermarsch in Kassel für den Frieden - und thematisierten auch die Kritik an der Veranstaltung.

Kassel - Als sich die Menge in Kassel vom Obelisken trillerpfeifend Richtung Rathaus aufmachte, fragte ein Passant am Ende der Treppenstraße, ob die Demonstrierenden da oben denn wieder gegen Corona seien, woraufhin ihn ein anderer belehrte: „Nein, die sind gegen Krieg.“

Was durchaus auch erkennbar war bei Transparenten wie: „Frieden statt Aufrüstung“, „Wer Frieden will, liefert keine Waffen“ und „Waffen sind das Problem“. Und wer es bis zum Rathaus immer noch nicht mitbekommen haben sollte, der bekam es lautstark zu hören. Dort skandierten einige: „Noch mehr Rüstung, noch mehr Waffen – werden keinen Frieden schaffen.“ Nein, es ging nicht um Corona.

Ostermarsch: Hunderte demonstrieren in Kassel für den Frieden

Der Ostermarsch befasste sich einmal mehr mit dem Frieden, aber selten zuvor hatte er schon im Vorfeld eine solch hohe Aufmerksamkeit bekommen. Angesichts des Krieges in der Ukraine hatte es Kritik am Aufruf zu der Veranstaltung gegeben, weil er, wie der Grünen-Bundestagsabgeordnete Boris Mijatovic befand, „unverständliche, irreführende und sogar verantwortungslose Aussagen“ enthalten habe. Dabei bezog sich Mijatovic auch auf die Formierung, dass es zu „verheerenden Fehlern auf beiden Seiten“ gekommen sei.

Die Kritik sollte nicht ohne Widerspruch bleiben. Rolf Wekeck, der Sprecher des Kasseler Friedensforums, machte zu Beginn der Kundgebung am Rathaus deutlich: „Das Kasseler Friedensforum verurteilt den Überfall der russischen Regierung auf das Schärfste. Was muss man noch sagen, um diese eindeutige Stellung zu beziehen und nicht immer Blauäugigkeit oder Ähnliches vorgeworfen zu bekommen?“

Kassel: Redner thematisieren die bundesweite Kritik an den Ostermärschen

Auch der Hauptredner nahm die bundesweite Kritik an den Ostermärschen auf. Der einstige Bundestagsabgeordnete Michael Müller, heute Vorsitzender der Naturfreunde, sagte: „Es ist eine Krise des Gehirns, wie heute manche über die Friedensbewegung und vor allem über die Ostermärsche reden.“ So hatte der FDP-Politiker Alexander Graf Lambsdorff die Teilnehmer der Ostermärsche jüngst als fünfte Kolonne Putins bezeichnet. Müller nannte Lambsdorffs Aussagen eine bodenlose Unverschämtheit. Für Müller war es nicht zu viel Friedens- und Entspannungspolitik, die in die Krise geführt habe, sondern zu wenig.

Müller spannte letztlich noch den Bogen zu seiner größten Sorge, wie er es ausdrückte: dem Klimawandel. „Wer in dieser Welt nicht die Anstrengungen der Völker konzentriert auf den Klimaschutz, der versagt fundamental vor der Geschichte. Deshalb sagen wir nein zu einer Militarisierung der Welt und ja zu einer friedlichen Kooperation.“

Ostermarsch in Kassel - deutliche Kritik auch an der Nato und den USA

Insgesamt nahmen an dem Ostermarsch mehrere hundert Menschen teil, Rolf Wekeck sprach von rund 1000. Viele hatten sich auch schon am Obelisken versammelt. Dort hatte der Schauspieler und Friedensaktivist Rolf Becker gesprochen. Der 87-Jährige war schwer zu verstehen, allerdings war seine Kritik auch an der Nato und den USA nicht zu überhören. (Florian Hagemann)

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