Party mit 20.000 Gästen?

Paar wollte Hochzeit in Orangerie in Kassel feiern - doch jetzt ist dort ein Elektrofestival geplant

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Sind derzeit ratlos: Nikolaos Marios Demertzidis und sein Ehemann Alexander Demertzidis vor der Orangerie. Dort wollten die beiden am 31. Mai 2020 ihre Hochzeit feiern.

Für Nikolaos und Alexander Demertzidis wird die Hochzeit eine Zitterpartie – wegen des gebuchten Feierortes. Sie haben gegen eine Insolvenz und ein Elektrofestival zu kämpfen.

  • Ein Paar aus Kassel bangt um ihre Hochzeit in der Orangerie.
  • Am Tag der kirchlichen Hochzeit findet ein Elektrofestival mit 20.000 Besuchern statt.
  • Das Paar wartet immer noch auf eine Antwort der Betreiber der Orangerie, ob die Veranstaltung stattfindet.

Es sollte eigentlich der schönste Tag in ihrem Leben werden: Doch statt Vorfreude auf ihre Hochzeit empfinden Nikolaos Demertzidis und sein Ehemann Alexander vor allem Unwohlsein, wenn sie auf den geplanten Termin blicken. Das Kasseler Paar wollte am 31. Mai 2020 in der Orangerie seine kirchliche Hochzeit feiern. Doch daraus wird nun eine Zitterpartie.

Das hat zwei Gründe: Zum einen hat der Betreiber der Orangerie Insolvenz angemeldet. Bislang ist unklar, wer den Betrieb übernehmen wird und ob die bereits gebuchten Veranstaltungen stattfinden können. Zum anderen steht nun fest, dass am Tag ihrer geplanten Hochzeit vor der Orangerie ein Elektrofestival gefeiert.

Hochzeit in Kassel mit 20.000 Festivalbesuchern?

Beides haben Nikolaos und Alexander Demertzidis aus der Zeitung erfahren. „Aus meiner Sicht ist eine Hochzeitsfeier mit 20.000 Festivalbesuchern in unmittelbarer Nähe kaum auszurichten“, sagt Alexander Demertzidis. 

Man kenne das ja von anderen Großveranstaltungen in der Karlsaue. Viele würden die Toiletten der Gastronomie nutzen. Verhindern, dass jemand in den Saal oder auf die Terrasse komme, könne man ja auch schlecht. Hinzu komme, dass ihre Gäste dann keine Parkplätze fänden – von der Lautstärke ganz zu schweigen.

Ersatztermin kommt für das Paar aus Kassel nicht infrage

Ein Alternativtermin kommt für das Paar, das seit dem 15. Februar 2015 zusammen ist, nicht infrage. Ihre standesamtliche Hochzeit haben sie am 30. Mai 2018 gefeiert. 

Die kirchliche Trauung sollte eigentlich zwei Jahre später am selben Tag stattfinden. Da der Termin schon vergeben war, entschieden sich die Demertzidis für den Tag danach, also den Pfingstsonntag.

Paar aus Kassel hat sich im Internet kennengelernt

Kennengelernt hat sich das Paar über das Internet. Nikolaos Demertzidis (27) stammt aus Braunschweig, Alexander Demertzidis (30) aus der Nähe von Frankenberg. Mittlerweile wohnen sie zusammen in Kassel.

Anfang 2019 hatten die beiden den Veranstaltungsort für die Hochzeit reserviert. Für die Ausrichtung der Feier haben sie in den vergangenen Jahren gespart: „Mal eben haben wir das Geld auch nicht.“ 

Orangerie in Kassel: Bereits 100 Gäste eingeladen

Mittlerweile sind Save-the-Date-Karten an die 100 Gäste verschickt, mit dem Pfarrer ist der Ablauf der Trauung in der Kreuzkirche schon besprochen. Eine Anzahlung von 1500 Euro musste das Paar für die Orangerie bereits leisten.

Ob sie das Geld wegen des laufenden Insolvenzverfahrens zurückbekommen würden, ist fraglich. Seit Wochen wartet das Ehepaar Demertzidis auf eine Antwort des insolventen Betreibers, ob die Veranstaltung stattfinden kann, bemüht sich um Klärung – vergebens. 

Kassel: Mitarbeiter der Orangerie geben keine Auskunft

Immer wieder wurden sie von Mitarbeitern der Orangerie auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet, an dem man dann hoffentlich Auskunft geben könne. „Wir haben jetzt erst mal beschlossen, abzuwarten, in der Hoffnung, dass sich Betreiber oder Insolvenzverwalter bei uns melden“, sagt Nikolaos Demertzidis.

Auf HNA-Anfrage heißt es von Insolvenzverwalter Carsten Koch: Man bemühe sich schnellstmöglich um eine Lösung, könne aber aktuell noch nichts sagen. Das geplante Elektrofestival habe mit dem Insolvenzverfahren allerdings nichts zu tun.

Museumslandschaft Hessen Kassel hat Elektrofestival genehmigt

Von der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) hieß es auf Anfrage, dass man von Buchungen in der Orangerie keine Kenntnis und lediglich die Veranstaltung des Elektrofestivals auf der Karlswiese genehmigt habe. Auch bei Kassel Marketing verwies man darauf, dass Veranstaltungen in der Orangerie Sache des Betreibers seien.

Nikolaos und Alexander Demertzidis hatten sich für die Location in der Karlsaue entschieden, weil sie bei der Planung absolut sichergehen wollten: „Wir haben gedacht, bei einem großen Betreiber, der schon zahlreiche ähnliche Events ausgerichtet hat, kann nichts schiefgehen.“

Kassel: Konditionen des Vertrags könnten sich ändern

Das Ehepaar hat sich jetzt bei einem Anwalt informiert. Ihnen sei gesagt worden, dass der bereits abgeschlossene Vertrag bestehen bleibe, sich aber die Konditionen mit einem neuen Betreiber möglicherweise ändern könnten. 

Würde das Ehepaar stornieren, würden dafür Kosten fällig. Aktuell wären das 20 Prozent des Auftragswertes und die Saalmiete. „Ich rechne mit 1800 bis 2000 Euro“, sagt Nikolaos Demertzidis. 

Kassel: Stornierung der Location wird teuer

Je näher der Termin rückt, desto höher werden die Stornierungskosten. Eine Stornierung würde allerdings nicht nur viel Geld bedeuten, sondern auch, dass das Paar keine Location hat, in der es feiern kann.

Wie es weitergehen soll, wissen die beiden selbst nicht: „Wir hängen völlig in der Luft.“ Freunde und Bekannte würden schon nachfragen. „Aber ohne eine Location können wir auch keine Einladungen verschicken“, sagt Nikolaos Demertzidis. „Es ist zum Verzweifeln.“

Von Kathrin Meyer

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