Berühmter Förster in Kassel

Lobbyist für den Wald: Peter Wohlleben über das geheime Leben der Bäume

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Riesenandrang beim Signieren: Die meisten hatten ihre Bücher von Zuhause mitgebracht. Bestseller-Autor Peter Wohlleben inmitten einiger seiner Fans. 

Peter Wohlleben zeigte im Cineplex Capitol den neuen Film zu seinem Weltbestseller "Das Geheime Leben der Bäume". Seine Frau hat einen hohen Anteil am Erfolg des berühmten Försters. 

  • Peter Wohlleben präsentierte seinen neuen Kinofilm in Kassel.
  • Viele Fans strömten in das Kasseler Cineplex Capitol.
  • Seine Frau hatte ihn zum Schreiben seines späteren Weltbestsellers "Das Geheime Leben der Bäume" motiviert.

Peter Wohlleben, der wohl berühmteste Förster Deutschlands, vielleicht der Welt, war nach Kassel gekommen, und die Fans seiner Bücher strömten herbei: um ihn zu befragen, bestätigt, und motiviert zu werden, um mit ihm ins Gespräch zu kommen, über einen Ort, den er wie kein anderer ins Bewusstsein gerückt hat, den Wald. Am Samstag präsentierte Wohlleben im Cineplex Capitol den neuen Film zu seinem Weltbestseller „Das geheime Leben der Bäume“ von 2015.

Obwohl der Kinofilm die Umsetzung des bekannten Buchs in bewegte Bilder ist, verwoben mit einem dokumentarischen Porträt des unprätentiösen, sympathischen Autors Peter Wohlleben, folgten die Kinobesucher den Großaufnahmen und Zeitraffern von pflanzlichem Waldleben fasziniert. Es war ein kundiges Publikum, das vorwiegend funktionale Kleidung in Oliv trug, in dem aber jedes Alter zwischen fünf und 90 Jahren vertreten war. Die meisten kannten das Buch und hatten – zum Leidwesen von Buchhändler Lothar Röse, der im Kino-Foyer einen Büchertisch aufgebaut hatte – ihr Exemplar zum Signieren dabei. 

Peter Wohlleben begeistert Millionen Leser mit einer Reise durch den Wald

„Vor Jahren stieß ich in einem der alten Buchenwaldreservate meines Reviers auf eigenartig bemooste Steine.“ So märchenhaft beginnt das in Dutzende Sprachen übersetzte „Geheime Leben der Bäume“. Sehr persönlich geht es weiter: „Im Nachhinein ist mir klar, dass ich schon viele Male achtlos an ihnen vorübergegangen bin. Doch eines Tages blieb ich stehen und bückte mich“, schreibt der Mann, der nur zufällig zur Schriftstellerei gekommen war, und nimmt Millionen begeisterte Leser mit auf seine Reise durch den Wald

„Es war meine Frau“, so Wohlleben, die die Idee hatte, meine Waldführungen, die ich anbiete, zu verschriftlichen. „Sie ließ nicht locker und irgendwann tat ich ihr den Gefallen.“ Es war der Beginn einer unglaublichen Bewegung, die sich Lobbyarbeit für den alten, gewachsenen Wald auf die Fahnen geschrieben hat.

Peter Wohlleben ist Förster in der Eifel und Bestseller-Autor: Sein Buch „Das geheime Leben der Bäume“ wird auf der ganzen Welt gelesen und hat die Sicht auf die kommerzielle Forstwirtschaft vielerorts verändert. 

Vor seinem Erfolg als Autor hatte Wohlleben bereits Bücher zur Forstwirtschaft veröffentlicht. Kritische, nüchterne, bissige. Erst der märchenhafte Ton habe die Menschen berührt und sein Anliegen perfekt transportiert. Wohllebens Engagement (ein überwundener Burnout inklusive) gilt der Bewahrung alter Wälder und dem Kampf gegen konventionelle, extensive, häufig staatlich betriebene Holzwirtschaft. „Hört auf damit, Fichten aufzuforsten“, habe er sich kürzlich an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gewandt, erzählt er. Der Wald mache das seit dreihundert Millionen Jahren am besten selber.

Peter Wohlleben kritisiert den Klimawandel und Umweltkatastrophen

„Seid optimistisch“, motivierte er sein Publikum: „Die Natur macht das schon. Sie braucht uns nicht. Wir brauchen sie.“ Dabei ist er weit davon entfernt, Klimawandel und Umweltkatastrophen schön zu reden. Unvermittelt sagt er: „Das Insektensterben ist ganz ganz furchtbar“ und findet dafür nicht ein Wort des Trostes.

Vielleicht ist ja dies ein kleiner Hoffnungsschimmer: Nicht nur der Verleiher Constantin-Film hat sich verpflichtet mit der Internetsuchmaschine Ecosia pro Kinobesucher einen Baum zu pflanzen. Cineplex-Capitol-Chef Wolfgang Schäfer legt je einen zweiten drauf. So sind in Kassel rund 1000 Bäume zusammengekommen.

Peter Wohlleben beantwortete nach der Filmvorführung viele Fragen - eine Auswahl:

Wie gehen Sie mit den zum Teil aufgeregten Reaktionen einiger Kritiker um, die ihnen „wilde Spekulationen“ vorwerfen?

Ich gehe lächelnd damit um und finde es nur schade. Ich will doch niemandem was wegnehmen. Ich bin ja kein Wissenschaftler, aber ich schaue Wissenschaftlern oft genug über die Schulter. Und das ist spannend. Im Moment wird erforscht, ob Bäume sehen können – nicht nur hell und dunkel wahrnehmen – und es spricht Einiges dafür. 

Vermenschlichen Sie Bäume? 

Ich benutze in meinen Büchern und jetzt auch im Film eine metaphorische Sprache, um die Menschen nicht zu langweilen und für das Thema zu interessieren. Es scheint ja zu funktionieren. Wenn ich schreibe, Bäume stillen gleichsam ihre Nachfahren, um zu verdeutlichen, dass sie jüngere Bäume in der Nähe mit Nährstoffen versorgen, dann ist das ja nur im übertragenen Sinne zu verstehen.  Ich schreibe so, damit Forschung verstanden wird. Sind die Emotionen raus, werden die Texte nicht mehr gerne gelesen. Dann sind sie wie Bedienungsanleitungen. Sie kritisieren ein vom Menschen gesteuertes Pflanzen. Im Wald sollten die Bäume wachsen, die sich natürlicherweise durchsetzen. 

Wie ist das mit Stadtbäumen? 

Städte sind für Bäume Wüsten. Während sich im Wald am besten heimische Gewächse durchsetzen, auch weil sie mit den Bakterien im Boden besser harmonieren, muss man in der Stadt den Klimawandel berücksichtigen und auf hitzeresistentere Bäume zurückgreifen, Elsbeere etwa. Übrigens ist es erwiesen, dass Bäume in der Stadt die Lebenserwartung der Bewohner steigern. Wir sollten umdenken und vom Pflanzen in einer Reihe abkommen. In Holland ist man dabei, in Städten sogenannte „Tiny forests“ zu pflanzen. Also Baumgruppen. Für solche Überlegungen muss man Bäume erst mal als vollwertige Lebewesen sehen. 

Von Christina Hein

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