Platz 19 auf der Großstadt-Stalker-Statistik

Städtevergleich: Kassel liegt bei den Stalking-Fällen im Durchschnitt

Kassel. Kassel liegt mit 45 Anzeigen pro 1000 Einwohner wegen Stalkings auf Platz 19 und damit im mittleren Bereich einer Statistik, die für 50 deutsche Großstädte durchgeführt wurde. Auf Platz 1 liegt Köln (142), die wenigsten Anzeigen wegen Nachstellung gibt es in Nürnberg (16).

Ständiger Schatten: Beim Stalker verfolgen oder belästigen andere Personen. In Kassel passiert dies im Vergleich der Großstädte durchschnittlich oft.

Für den Stalking-Experten Professor Hans-Georg Voß ist das Ergebnis der Analyse wenig überraschend. „Die Anzahl der Stalking-Fälle ist strukturabhängig“, erklärt der Leiter der Arbeitsgruppe Stalking an der Technischen Universität Hamburg. „In Nürnberg zum Beispiel herrscht Kleinstadtflair: Das Gefühl, dass jeder jeden kennt, sorgt im Vergleich zu Köln allgemein für eine niedrige Kriminalitätsrate.“ Der Fachmann betont aber, dass auch „Faktoren wie Einkommen und Scheidungsrate“ Einfluss auf die Häufigkeit von Stalking-Fällen haben. „Wo weniger geschieden wird, gibt es zumeist auch weniger Stalking.“ Denn das Motiv der Stalker sei fast immer enttäuschte Liebe. „Der Täter will die andere Person entweder zurückgewinnen oder sich an ihr rächen“, sagt Voß.

Die Daten, die vom Lifestylemagazin "Men's Health" erhoben wurden, beziehen sich auf das Jahr 2010 und stammen vom jeweiligen Polizeipräsidium der befragten Städte.

Hintergrund

Unter Stalking wird das willentliche und wiederholte (beharrliche) Verfolgen oder Belästigen einer Person verstanden, deren physische oder psychische Unversehrtheit dadurch unmittelbar, mittelbar oder langfristig bedroht und geschädigt werden kann. Stalking ist in vielen Staaten ein Straftatbestand und Thema kriminologischer und psychologischer Untersuchungen.

Stalking wurde als neuer Tatbestand mit dem Paragrafen § 238 ins Strafgesetzbuch eingefügt. Überschrieben ist der Paragraf mit „Nachstellung“. Der englische Begriff "stalking" ist der Jägersprache entnommen und bedeutet das Heranpirschen an die zu erlegende Beute. Aber auch die deutsche Wortwahl erweckt Assoziationen zur Jagd. Wie zahlreiche gerichtliche Entscheidungen zeigen, spielt das Stalking nicht nur im Strafrecht, sondern auch in anderen Rechtsbereichen – wie z.B. dem Arbeitsrecht, aber auch dem Sozialrecht - eine Rolle. (wd)

Die Ergebnisse im Detail

 1. Köln 142,7 2. Leverkusen 112,1 3. Rostock 99,8 4. Magdeburg 73,3 5. Bochum 66,2 6. Berlin 62,5 7. Wiesbaden 61,3 8. Osnabrück 60,5 9. Aachen 52,6 10. Wuppertal 52,4 11. Dortmund 51,6 12. Herne 50,7 13. Krefeld 49,3 14. Bremen 48,8 15. Bonn 48,1 16. Mülheim (Ruhr) 47,8 17. Saarbrücken 45,5 18. Ludwigshafen (Rhein) 45,3 19. Kassel 45,2 20. Kiel 44,5 21. Braunschweig 44,1 21. Leipzig 44,1 23. Hannover 43,2 24. Essen 43,0 25. Hamburg 42,6 26. Hamm (Westfalen) 41,8 27. Chemnitz 41,1 28. Dresden 39,8 29. Münster (Westfalen) 39,6 30. Mannheim 39,4 31. Halle (Saale) 37,9 32. Düsseldorf 37,5 33. Duisburg 37,0 34. Lübeck 34,8 35. Solingen 34,8 36. Mönchengladbach 34,5 37. Oldenburg (Oldenburg) 33,5 38. Frankfurt (Main) 32,6 39. Stuttgart 30,3 40. Gelsenkirchen 28,5 41. Oberhausen 28,5 42. Augsburg 26,6 43. Freiburg (Breisgau) 26,6 44. München 23,5 45. Karlsruhe 22,9 46. Bielefeld 21,4 47. Mainz 21,2 48. Hagen 21,0 49. Nürnberg 15,7 (für Erfurt liegen keine Daten vor).

Rubriklistenbild: © Pixolo

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