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Zukunftsfähigkeit: Kassel liegt landesweit zurück

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Von: Bastian Ludwig

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Altes Kassel, neues Kassel: Im Vordergrund das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) am Hauptbahnhof, das für Innovationskraft sorgt. Dahinter die alte Arbeitsagentur, die leer steht. Die Arbeitslosenquote hatte sich sehr gut entwickelt. Aktuell liegt sie bei 7,9 Prozent, 2005 noch bei 19 Prozent.
Altes Kassel, neues Kassel: Im Vordergrund das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) am Hauptbahnhof, das für Innovationskraft sorgt. Dahinter die alte Arbeitsagentur, die leer steht. Die Arbeitslosenquote hatte sich sehr gut entwickelt. Aktuell liegt sie bei 7,9 Prozent, 2005 noch bei 19 Prozent. © Pia Malmus

Alle drei Jahre untersucht ein Forschungsinstitut die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit von Städten und Landkreisen. Kassel liegt im Ranking deutlich hinten.

Kassel – Die Zukunftsaussichten der Stadt Kassel sind eher durchschnittlich. Dies geht aus dem Zukunftsatlas 2022 des Forschungs- und Beratungsinstitutes Prognos hervor, der jüngst vorgestellt wurde. Bei der Analyse, in der 400 kreisfreie Städte und Gemeinden anhand von 29 Indikatoren untersucht worden sind, landete Kassel auf Platz 180.

Damit liegt Kassel teilweise deutlich hinter den weiteren hessischen Großstädten Darmstadt (Platz 7), Frankfurt (20), Wiesbaden (35) und Offenbach (178). Besser schnitt auch der Landkreis Kassel (117) ab, der deutschlandweit zu den größten Aufsteigern gehört.

Studie über Zukunftsfähigkeit: Forschende rechnen mit „leichten Chancen“ für Kassel

Prognos untersucht alle drei Jahre die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit aller kreisfreien Städte und Kreise. Bei der Untersuchung werden 29 Indikatoren analysiert, die aus statistischen Daten abgeleitet werden. Dazu zählen etwa Wohlstand und soziale Lage, Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft, demografische Entwicklung und Arbeitsmarktlage.

Die Forscher rechnen der Stadt Kassel „leichte Chancen“ aus, was ihre Zukunftsfähigkeit angeht. Damit überwiegen die Chancen zumindest gegenüber den Risiken. So landet Kassel leicht oberhalb des Mittelfeldes. Andere Großstädte und Metropolräume profitieren offensichtlich stärker von der Verflechtung von Großstadt und Umland, die laut den Studienautoren eine wichtige Rolle für die Zukunftsaussichten spielt.

Studie: Kassel gehört zu den Top-Wachstumsregionen

Kassel gehört aber zu den 52 Top-Wachstumsregionen, die in der Studie identifiziert wurden. In diesen Regionen sind sowohl die Anzahl der Beschäftigten in den Zukunftsbranchen besonders stark gestiegen als auch der Anteil der Zukunftsbranchen an der Gesamtbeschäftigung der Region.

Pluspunkte sammelt Kassel auch bei der Demografie. Dort liegt Kassel auf Rang 29. Ein verhältnismäßig hoher Anteil von jungen Erwachsenen (18- bis 29-Jährige) an der Bevölkerung ist sicher vor allem ein Verdienst der stark gewachsenen Universität. Auch die Geburtenrate spielt eine Rolle. Ebenfalls solide präsentiert sich der Kasseler Arbeitsmarkt. Dabei spielen eine niedrige Arbeitslosenquote, eine hohe Arbeitsplatzdichte, die Akademikerquote und Ähnliches eine Rolle. Dies beschert der Stadt Platz 35. Insgesamt wird Kassel aktuell eine „mittlere Standortstärke“ attestiert.

Bei der dynamischen Entwicklung – also den Zukunftsaussichten – reicht es mit Rang 159 immerhin für eine Platzierung oberhalb der Mitte. Im Jahr 2011 wurde Kassel in einer anderen Studie von der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft als „dynamischste Stadt Deutschlands“ geadelt. In den Folgejahren rutschte die nordhessische Großstadt in dieser Untersuchung zwar ab, blieb aber weiter unter den Top 20 der Großstädte.

Kassel schneidet bei Wettbewerb und Innovation schlecht ab

Schlecht schneidet Kassel im Sektor Wettbewerb und Innovation ab. Trotz gewachsener Uni, Gründerzentrum Science Park und Fraunhofer-Institut reicht es nur für Platz 270 von 400. In dem Bereich sind unter anderem die Zahl der angemeldeten Patente, die Zahl der Gründungen, das Personal in Forschung und Entwicklung, die Investitionen der Wirtschaft und das Bruttoinlandsprodukt je Beschäftigtem relevant.

Noch dramatischer sieht es im Bereich „Wohlstand und soziale Lage aus“: Mit Platz 374 gehört Kassel zu den Schlusslichtern in Deutschland. Dazu trägt vor allem ein hoher Anteil von Transferleistungsempfängern (etwa Hartz IV) bei, die in der Stadt leben. Tendenziell ist deren Anteil in Großstädten höher als auf dem Land. Auch die Kaufkraft der Kasseler ist unterdurchschnittlich.

Studie über Zukunftsfähigkeit: Die Spitzen und das Schlusslicht

Die besten Zukunftschancen haben der Kreis München (1), die Stadt Erlangen (2) und die Stadt München (3). Schlusslicht sind die Kreise Prignitz, Stendal und Mansfeld-Südharz. (Bastian Ludwig)

Bei einem bundesweiten Ranking eines Reiseveranstalters zählt Kassel immerhin zu den umweltfreundlichsten Städten Deutschlands.

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