Zweite Auflage im nächsten Jahr

Kassel radelt: In Zukunft zwei feste Reparaturstationen fürs Rad in der Stadt

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Mit Schwung durch die Kurve: Auf der ersten Etappe Richtung Waldau.

Bei der Premiere von „Kassel radelt“ waren mehrere Tausend Menschen unterwegs. In Zukunft kann in Kassel an zwei Stationen das Rad auch von unterwegs repariert werden. 

Aktualisiert am 23.09.19 - Die Stadt Kassel kündigt an, zwei Rad-Servicestationen aufzustellen. Radfahrende können dort nach Auskunft der Stadt Kassel kostenlos Schraubendreher, Reifenheber und diverse Schlüsselsätze für schnelle und kleine Reparaturen nutzen.

Weiterhin sind die Stationen mit Luftpumpen mit Universaladapter ausgerüstet und es gibt die Möglichkeit, das Rad während der Reparatur an der Säule aufzuhängen. Auch Fahrer von Kinderwagen und Rollstühlen können an den Servicestationen ihre Reifen aufpumpen, ebenfalls soll es möglich sein, über QR-Codes Anleitungen für bestimmte Reparaturen zu erhalten. 

Nach Auskunft der Stadt Kassel sollen die Servicestationen an stark frequentierten Fahrradbereichen platziert werden. Die erste Station wird im Bereich Wilhelmsstraße/Ecke Ständeplatz stehen, der zweite Standort wird laut Claas Michaelis, Pressesprecher der Stadt Kassel, zeitnah festgelegt. 

Bei "Kassel radelt" waren die Stationen bereits am Auestadion und an der Zentgrafenstraße im Einsatz. 

Der Start

Oktoberfeststimmung am Auestadion. Gut, es waren jetzt nicht ganz so viele Menschen wie bei der Münchner Wiesn. Für die Einstimmung sorgte sowohl die HNA-Aufwärmaktion „06dreißig“ als auch die Kasseler Drum&Brass Band. Die schickte etwa 500 Teilnehmer mit dem Kirmeshit „Ja, wir san mit’m Radl da“ auf die Strecke. 

Vorn dabei Oberbürgermeister Christian Geselle und Verkehrsdezernent Dirk Stochla (beide SPD) sowie die Radbeauftragte Anne Grimm. Dass in einer Großstadt 30 Kilometer Straße nicht für ein Rennen, sondern für eine Radtour abgesperrt würden, sei nach seinen Informationen bundesweit einmalig, sagt Stochla.

Die Stationen

Die meisten Radler hielten sich an die Empfehlung, die Strecke über Waldau und Bettenhausen anzugehen. Es ging aber auch andersherum. Jedenfalls war an den Raststationen von Sandershaus über das Sudhaus und das Landhaus Meister schon bald einiges los. Auch in der Fortsetzung nutzten Kasseler Vereine die Gelegenheit, sich zu präsentieren. 

Freie Fahrt auf der Friedrich-Ebert-Straße: Hier kamen gestern Tausende von Radlern vorbei. Die mussten gut auf die Straßenbahnschienen aufpassen. Es kam zu mehreren Stürzen mit Schürfwunden, ein Mann musste zur Behandlung in Krankenhaus gebracht werden. 

So hatte der Spielverein 06 an der Zentgrafenstraße ebenfalls eine Station mit Service für Kassels Radfahrer eingerichtet. Hier half der Vereinsvorsitzende Rolf Hedderich am Stempeltisch mit. Wer beim Gewinnspiel mitmachen wollten, konnte Stempel sammeln. Hauptpreis: ein E-Bike.

Die Sportpromis

Der Kasseler Magistrat war ebenso am Start wie der Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels (SPD) und Landtagsvizepräsidentin Karin Müller (Grüne). 1000 Sattelschoner lagen bereit. Für die hatte der frühere KSV-Torjäger Thorsten Bauer als Chef der Kasseler Barmer-Geschäftsstelle gesorgt. Ehrensache, dass er mitgeradelt ist. 

Entspannt: Radler auf der Zentgrafenstraße.

Als Zuschauer war Marathon-Ikone Winfried Aufenanger dabei. An der Friedrich-Ebert-Straße beobachtete er das Geschehen. Nach einer Erkältung mit hohem Fieber, die ihn ausgerechnet zum Kassel-Marathon umgehauen hat, ist er wieder fit und hat als erfahrener Veranstalter wertvolle Tipps für „Kassel radelt“ gegeben.

Das Familienfest

Irgendwann muss man sich auch mal ausruhen. Neben den Rastplätzen an der Strecke bot das Familienfest neben der Spitzhacke am Fulda-Ufer dazu Gelegenheit. Hier, wie an allen anderen Haltepunkten gab es mobile Fahrradständer und jede Menge Helfer. Insgesamt waren gestern 400 im Einsatz.

Die Reaktionen

Es gab gestern mehrere Stürze, die ambulant versorgt wurden. Ein Mann, der in Wolfsanger in die Straßenbahnschienen gekommen war, musste im Krankenhaus behandelt werden. Wer ansonsten bei „Kassel radelt“ dabei war, hat das größtenteils genossen. Es gibt aber auch Kritiker. Einige waren gestern mit Transparenten vor Ort, darunter der VCD, der ADFC und eine Gruppe von „Fridays for Future“. Viele Aktivisten des Kasseler Radentscheids sind ebenfalls unzufrieden. Einer von ihnen ist Takis Keldenich. 

Stempel sammeln: Klaus und Helga Arend (von links) mit Rolf Hedderich vom Spielverein 06.

Er hat seinen Unmut so formuliert: „Ich fände dieses Event wunderschön, wenn es quasi on top zu einer guten und konsequenten Förderung des Radverkehrs in Kassel stattfinden würde“, sagt er. Die Lage sei aber leider nach wie vor desaströs. Während andere hessische Städte wie Darmstadt und Frankfurt zumindest in irgendeiner Form entgegenkommend auf die Radentscheide reagiert hätten, werde das Thema in Kassel ausgesessen.

Das wollen die Verantwortlichen im Kasseler Rathaus natürlich so nicht stehen lassen. Man habe sich zum Beispiel vorgenommen, deutlich mehr Öffentlichkeitsarbeit für den Radverkehr in der Stadt zu machen, sagt Oberbürgermeister Christian Geselle. „Kassel radelt“ wertet er als einen Erfolg und ein Zeichen dafür, dass sich bei diesem Thema etwas tut. Man sei entschlossen, die Mobilitätswende voranzubringen.

Der Blick nach vorn

Es wird im kommenden Jahr eine zweite Auflage von „Kassel radelt“ geben, das sagte der Oberbürgermeister zu.

Das fiel positiv auf

1. Das Wetter:Besser geht es nicht. Bei strahlendem Sonnenschein machte das Radeln gleich noch mehr Spaß. Das Rasten natürlich auch.

2. Die Helfer: Ganz viele freundliche Streckenpsosten standen am Wegesrand. Und grüßten immer wieder die vorbeikommenden Radler. Andersrum ging es ebenfalls sehr freundlich zu.

3. Die Vereine: An mehreren Stationen der Rundstrecke nutzten Kasseler Vereine die Gelegenheit, sich zu präsentiern. Vom Torwandschießen über die Bewirtschaftung einer Raststation. Das kam ebenso gut an wie der Einsatz der Sanitäter.

Das fiel negativ auf

1. Straßenbahnschienen: So schön es ist, die Straße zum Radfahren zu haben, manchmal wird das auch zum Problem. Wo Straßenbahnschienen liegen, kann es gefährlich werden. Also lieber auf dem Radstreifen bleiben.

2.  Fest am Fuldaufer: Das hätte man auch an einem der Rastplätze machen können. Von einem Familienfest ohne Umweg haben alle mehr.

3. Die Teilnehmerzahl: Kann niemand so genau nennen. Beim Marathon hat man Anmeldungen. Bei „Kassel radelt“ stieg jeder ein und aus, wie er wollte. Schön individuell, aber nur mit großem Aufwand zählbar.

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