CDU will Fläche vorm Hauptbahnhof attraktiver machen – und hat damit keinen Erfolg

Unattraktiv? Dierichs-Platz in der Kritik

Der Rainer-Dierichs-Platz am Kulturbahnhof: Seine Weitläufigkeit wird heute oft als unangenehm empfunden. Foto: Fischer

Kassel. Wie modern darf ein städtischer Platz sein? Um diese Frage rankte sich jetzt die Diskussion im Stadtentwicklungsausschuss. Hauptdarsteller: der Rainer-Dierichs-Platz direkt vorm Hauptbahnhof. Seine großzügig-flächige Auslegung sorgt bei Bürgern immer wieder für Kritik – ebenso bei der CDU.

„Der Platz könnte attraktiver sein“, führte CDU-Stadtverordneter Dr. Jörg Westerburg per Antrag ins Feld – und hatte damit überhaupt keinen Erfolg. Mit großer Mehrheit wurde sein Anliegen, die Fläche wenigstens mit einigen Grünpflanzen oder einer passenden Möblierung adäquat zu verschönern, abgelehnt.

Vor allem FDP-Fraktionsvorsitzender Frank Oberbrunner brach für die weitläufig angelegte und blassgrün gehaltene Fläche eine Lanze. „Dieser Platz ist gut. Er ist dynamisch und cool. Platz haben heißt Platz sehen“, schwärmte Oberbrunner. „Wir haben den Mut gehabt, ihn so zu gestalten, wie er ist. Nun sollten wir auch dazu stehen.“

„Wir sollten ihn aushalten“

Mehr Informationen über Rainer Dierichs hier im RegioWiki

Der Liberale erntete Zuspruch bei SPD und Grünen – auch wenn sie nicht ganz so emotional argumentierten. „Wir haben den neuen Rainer-Dierichs-Platz noch nicht lange. Wir haben uns für ihn entschieden, und wir sollten ihn einfach mal eine Weile aushalten“, sagte SPD-Stadtverordneter Wolfgang Rudolph auch mit Blick auf die ursprünglich mitgedachte Funktion des Platzes als Freifläche für Großveranstaltungen.

„Nur hat es bislang nicht viele Veranstaltungen auf diesem Platz gegeben“, räumte Dieter Beig von den Grünen ein. Aber auch er zeigte sich grundsätzlich vom modernen Charme des Platzes überzeugt. „Wir müssen eben mal sehen, was dort eigentlich für Großveranstaltungen denkbar sind.“ Immerhin stünde jetzt die documenta 13 vor der Tür.

Nicht zuletzt erwies sich Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) nicht als Freund übereilter Pläne: „Die Entscheidungsfindung für den Rainer-Dierichs-Platz war ein komplizierter und engagiert geführter Prozess. Viel Wissen und Sachverstand flossen hier ein. Der Platz hat also Qualität. Und er ist noch viel zu jung, um ihn gleich wieder zu verändern.“ So solle der Platz tatsächlich erst einmal seine Vorzüge als Veranstaltungsfläche unter Beweis stellen.

Jörg Westerburg wies darauf hin, dass es der CDU nicht um eine komplette Umgestaltung ginge, sondern eher um eine behutsame Attraktivierung mit wenigen Elementen, die das Gesamtensemble und den Platzcharakter nicht beeinträchtigten.

Dennoch: Vor allem die FDP blieb hart. „Wie soll das den aussehen? Putzig? Etwa mit viel Grünzeug? Das nimmt dem Platz doch seinen ganzen Stil“, frotzelte Oberbrunner.

Von Boris Naumann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.