Kassel-Wasser startet Informationskampagne

Essen im WC ernährt hunderttausende Ratten in Kassel

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Gilt als ziemlich intelligent und kann Krankheiten übertragen: die Ratte. Das Nagetier gehört zu den Mäuseartigen und ist sehr anpassungsfähig, wenn es um seine Umwelt geht.

Kassel. Laut Schätzungen von Experten leben in Deutschland 350 Millionen Ratten. Fast vier Ratten pro Einwohner. Etwa 800.000 der allesfressenden Nagetiere tummeln sich allein in Kassel.

Der Entwässerungsbetrieb Kassel-Wasser sagt jetzt mit der Kampagne „Don’t feed the rat – Keine Speisen ins WC“ Kassels Ratten den Kampf an. Denn Lebensmittel, die arglos ins Toilettenbecken geworfen und runtergespült werden, stellen ein erhebliches Problem dar.

Die Tiere leben in Erdlöchern, bewegen sich aber bequem über das 830 Kilometer lange Kanalrohrnetz der Stadt von Ort zu Ort. „Das ist die Rattenautobahn“, sagt Karsten Köhler von Kassel-Wasser. Besonders attraktiv sind die Rohre für Ratten auch deshalb, weil ihnen hier „alle drei Meter ein Imbiss“ bereitet werde: in Form von Lebensmitteln, die Menschen oberirdisch ins Klo kippen. 

Pro Tag, so schätzt Köhler, landen bis zu fünf Tonnen Lebensmittelrückstände aus Kasseler Haushalten im WC. Im Jahr filtert Kassel-Wasser bis zu 5000 Tonnen Feststoffe aus dem Abwasser. Geschätzt ein Viertel davon sind feste Essensreste.

Bei Kassel-Wasser sind 20 Kanalbetriebsarbeiter zur Schädlingsbekämpfung qualifiziert. Im Jahr werden 119 Einsatztage für die Schädlingsbekämpfung aufgewandt – unter Berücksichtigung des Tierschutzgesetzes, wonach ein Wirbeltier nur unter Vermeidung von Schmerzen getötet werden darf, so Köhler. Kassels Rattenpopulation wird in Schach gehalten, indem die Tiere durch todbringende Köder dezimiert werden. Diese Bemühungen würden jedoch durchkreuzt, wenn die Tiere auf der anderen Seite in der Kanalisation gefüttert werden.

Für die Bevölkerung sichtbar werden Ratten vor allem dann, wenn sie durch Bauarbeiten oder Erschütterungen des Erdreichs aus ihrer Unterwelt aufgescheucht werden.

Erst vor zwei Monaten hatten wir in unserer Zeitung von Ratten berichtet, die vermehrt in der Kasseler Innenstadt – sogar in einem Lebensmittelmarkt – aufgefallen waren.

Keine Essensreste ins Klo oder auf den Kompost

Speisereste über das WC zu entsorgen, ist das attraktivste Nahrungsangebot, das man Ratten (Rattus norvegicus – Wanderratte und Rattus rattus – Hausratte) machen kann. Das zu vermeidende Nahrungsangebot beinhalte auch das Füttern beziehungsweise Verstreuen von Futter an Vögel oder Eichhörnchen, sagt Karsten Köhler von Kassel-Waser und rät: Lieber im hängenden Futterhäuschen anbieten. Zugängliche Näpfe für Igel oder Katzen sind ebenso zu vermeiden. Gelbe Säcke, die längere Zeit zugängig gelagert werden, oder Komposthaufen, auf denen Nahrung entsorgt wird, lockten ebenfalls Nager an.

Kassel-Wasser bekämpft Ratten

Kassel-Wasser bekämpft Ratten und Schädlinge als Vorsorgemaßnahme und zum Gesundheitsschutz der eigenen Mitarbeiter. Der Grund: Ratten können Krankheiten übertragen. Die Rattenbekämpfung diene deshalb dem Ziel, einer Infektionsgefahr bei Einwirkung von Rattenurin auf verletzte Körperteile entgegenzuwirken. Kassel-Wasser versucht durch die Schädlingsbekämpfung das Krankheitsrisiko für die Mitarbeiter zu minimieren, so Sprecher Karsten Köhler. 

Grundsätzlich sind die Grundstückseigentümer bzw. -verantwortlichen für die Schädlingsbekämpfung auf den befallenen Grundstücken verantwortlich. Das Ordnungsamt koordiniert bei der Schädlingsbekämpfung: Kassel-Wasser, das Umwelt- und Gartenamt, Straßenbaulastträger im Bereich öffentlicher Straßen und Stadtreiniger auf den eigenen Grundstücken.

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