Prozess vor dem Landgericht Kassel

Mercedes fährt in Kasseler Juweliergeschäft - Inhaber berichtet bei Prozess: „Als ob ein Gasrohr platzt“

Der Tatort: So sah das Juweliergeschäft am 2. Juli 2019 aus, nachdem der Mercedes in das Schaufenster aus Panzerglas gefahren war. Archivfoto: Pia Malmus
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Der Tatort: So sah das Juweliergeschäft am 2. Juli 2019 aus, nachdem der Mercedes in das Schaufenster aus Panzerglas gefahren war. (Archivfoto)

Wegen des versuchten Raubüberfalls auf ein Juweliergeschäft in Kassel müssen sich zwei Männer und eine Frau vor dem Landgericht Kassel verantworten. Der Besitzer sagte als Zeuge aus.

Kassel - Es habe so einen Schlag gegeben, dass er dachte, ein Gasrohr könne geplatzt sein, schilderte Maximilian Schmidt, Geschäftsführer des Juweliers Hermann Schmidt, am Freitag vor dem Kasseler Landgericht. Der 39-jährige Geschäftsführer befand sich am 2. Juli 2019 gegen 14 Uhr in der Küche im Untergeschoss, als Räuber versuchten, mit einem schwarzen Mercedes die Panzerglascheibe seines Juweliergeschäfts zu durchbrechen.

Als Schmidt nach dem Schlag hoch in den Verkaufsraum eilte, war der Mercedes schon wieder verschwunden. Er sah nur, dass die Schaufensterscheibe sowie Glasvitrinen im Laden in der Innenstadt von Kassel beschädigt waren. Geistesgegenwärtig habe er sofort das Rollgitter vor dem Geschäft runtergelassen, sagte Schmidt vor der zehnten Strafkammer.

Raubüberfall auf Juwelier in Kassel: Geschäftsführer befindet sich im Laden

Dort müssen sich zwei 24-jährige Männer, ein Deutscher und ein Litauer, sowie eine 25-jährige Frau aus Litauen für den spektakulären Raubversuch in der Innenstadt von Kassel verantworten. Zwei weitere Täter, die offenbar den Raub geplant haben, befinden sich auf der Flucht.

Er vermute, dass es den Tätern um Rolex-Uhren im Wert von 150.000 bis 200.000 Euro gegangen sei, die damals im Schaufenster ausgestellt waren. Insgesamt habe sich Ware im Wert von rund einer Million Euro in dem Laden befunden, so Schmidt.

Maximilian Schmidt, Geschäftsführer von Juwelier Hermann Schmidt. (Archivfoto)

Zum Glück seien während der Tat in dem Verkaufsraum weder Kunden noch Mitarbeiter gewesen, die von Glassplittern verletzt hätten werden können, so Schmidt. Natürlich seien alle nach der Tat zunächst geschockt gewesen, aber im Endeffekt sei es abgesehen von dem entstandenen Sachschaden in Höhe von rund 500.000 Euro alles glimpflich ausgegangen.

Landgericht Kassel: Zeuge schildert Ablauf des geplanten Raubüberfalls

Ein Mann, der an dem Nachmittag auf der Königsstraße unterwegs war, schilderte dem Gericht, was er von dem Raubversuch auf das Juweliergeschäft in Kassel mitbekam. Der dunkle Mercedes habe plötzlich neben ihm auf der Oberen Königsstraße (in Höhe der Buchhandlung Thalia) gehalten. Dann habe er beobachtet, wie die Personen in dem Auto Masken über ihr Gesicht zogen. Anschließend sei das Auto beschleunigt worden und mit aufheulendem Motor in das Schaufenster des Juweliers gefahren.

„Die haben richtig Gas gegeben und waren locker mit 30 bis 40 km/h unterwegs“, so der Zeuge. Nachdem er zunächst kurz in Schockstarre verfallen sei, habe er sich im Eingang von Thalia in Sicherheit gebracht. Die Passanten auf der Königsstraße in Kassel seien ziemlich panisch geworden, hätten sich ebenfalls in Eingänge gerettet und geschrien. Kurze Zeit später habe der Mercedes zurückgesetzt und sei dann in Richtung Königsplatz weggefahren.

Täter flüchten nach versuchtem Raubüberfall auf Juwelier in Kassel - Zeugin „fassungslos“

Auf der Flucht fuhren die Täter auch von der falschen Seite in die Einbahnstraße Seidenes Strümpfchen in Kassel. Dort kam ihnen eine 68-jährige Frau aus Kaufungen mit ihrem Auto entgegen. Beide Autos standen sich gegenüber. „Die haben Terror mit Licht- und Autohupe gemacht“, schilderte die Zeugin. Sie sei aber nicht weggefahren.

„Ich dachte erst, das sind Jugendliche, die auf dicke Hose machen.“ Erst als die Personen mit dem Mercedes an ihr durch die enge Straße vorbeigeschossen seien – dabei flogen Pflastersteine und Bauzäune fielen um – habe sie gesehen, dass die Insassen Masken trugen. „Ich war fassungslos“, so die Zeugin. Der Prozess vor dem Landgericht wird am Mittwoch, 17. Februar, fortgesetzt. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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