Kommunen bleiben auf Kosten sitzen

Kassel rechnet mit 1000 Flüchtlingen bis Jahresende

Kassel. Stadt und Kreis Kassel werden bis zum Jahresende mehr neue Flüchtlinge aufnehmen als zunächst erwartet. Die Stadt richtet sich darauf ein, dass 2015 fast 1000 neue Asylbewerber nach Kassel kommen.

Das ist ein Drittel mehr als Ende 2014 angekündigt. Auch der Landkreis, der sich auf 700 Neuzuweisungen eingestellt hatte, rechnet jetzt mit mehr als 1000 neuen Flüchtlingen bis zum Jahresende.

Das setzt die Kommunen unter Druck, ausreichend Unterkünfte für die Menschen zu finden. Wie berichtet, eröffnet in der Graf-Haeseler-Kaserne in Niederzwehren nächste Woche ein neues Wohnheim mit 195 Plätzen. Die Stadt sucht aber bereits nach einer weiteren Großunterkunft. Bis zum Jahresende werde man etwa 200 weitere Plätze benötigen, sagt Sozialamtsleiterin Ute Pähns. Der Landkreis verhandelt zusätzlich zu den bestehenden 14 Gemeinschaftsunterkünften derzeit über fünf weitere Standorte. „Damit kommen wir dann nach derzeitigem Stand bis zum Jahresende“, sagt Kreissprecher Harald Kühlborn.

Mit den steigenden Flüchtlingszahlen steigt auch die finanzielle Belastung der Kommunen. Die Stadt geht davon aus, dass sie auf 2,1 Millionen Euro der Kosten sitzen bleibt. Der Landkreis geht von einem Defizit von 3,5 Mio. Euro aus. Das Land erstattet für die Unterbringung und Versorgung der Asylbewerber nur eine Pauschale – in der Stadt sind es 562 Euro im Monat. Die tatsächlichen Kosten liegen aber bei etwa 800 Euro.

„Es ist eine Frechheit, wenn Sozialminister Grüttner die unzureichenden Pauschalen mit der Begründung verteidigt, dass sie das Kostenbewusstsein der Kommunen schärften“, sagt Christian Geselle, neuer Sozialdezernent und künftiger Kämmerer der Stadt Kassel. „Bei der Versorgung von Menschen darf das Sparen nicht im Vordergrund stehen.“ Zuletzt lebten in der Stadt 850 Asylbewerber, im Landkreis 1110.

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Rubriklistenbild: © dpa

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