Kasselerin und ihr Mann sind wütend und enttäuscht

Fahrstuhl defekt: Rollstuhlfahrerin eine Gefangene in ihrer eigenen Wohnung - seit sechs Wochen

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Fühlt sich eingesperrt: Elfriede Dilcher kann ihre Wohnung seit Wochen nicht mehr verlassen, weil der Aufzug defekt ist. Ihr Mann Helmut pflegt die 86-Jährige.

Weil der Fahrstuhl in ihrem Haus seit sechs Wochen defekt ist, ist die 86-jährige Elfriede Dilcher, die an den Rollstuhl gefesselt ist, in ihrer Wohnung gefangen.  

Helmut Dilcher ist wütend und verzweifelt. Gemeinsam mit seiner Frau Elfriede lebt der 89-Jährige im fünften Halbstockwerk der Meißnerstraße 9 im Kasseler Stadtteil Süsterfeld-Helleböhn. Seit knapp sechs Wochen funktioniert der Fahrstuhl in dem von der GWH Wohnungsbaugesellschaft verwalteten Haus nicht mehr. Elfriede Dilcher hat die Wohnung seither nicht mehr verlassen, wie hna.de* berichtet.

Die 86-Jährige ist nach einem Schlaganfall an den Rollstuhl gefesselt. Gehen kann sie keinen Schritt mehr alleine. „Ich fühle mich wie in einem Gefängnis“, sagt sie. „Meine Frau ist todkrank. Ohne Fahrstuhl kann sie das Haus nicht mehr verlassen, kann keine Arzttermine wahrnehmen oder an die frische Luft“, sagt Dilcher. Ihr sei kürzlich ein Zahn abgebrochen, zum Zahnarzt habe sie bislang aber nicht gehen können. „Ich krieg sie das Treppenhaus doch nicht alleine runter.“ Seine Frau litte sehr unter der Situation, sei oft traurig und depressiv.

40 Stufen muss der 89-jährige Helmut Dilcher bewältigen wenn er Besorgungen macht

Der Fahrstuhl ist seit Wochen defekt - nichts passiert, nur ein Hinweisschild wurde aufgehängt.

Auch er selbst gehe nur noch aus dem Haus, um die nötigsten Einkäufe zu erledigen, sagt Helmut Dilcher. Denn auch die Kraft in den Beinen des 89-Jährigen, der seine Frau alleine pflegt, lässt nach. Die 40 Stufen runter und wieder rauf schafft er nur unter großer Anstrengung.

Warum der Fahrstuhl nicht mehr funktioniert und wie lange er noch außer Betrieb sein wird, das wusste Dilcher bis vor zwei Tagen nicht. „Der Aufzug wurde einfach stillgelegt, ohne Mitteilung an uns Mieter“, sagt er. Lediglich ein Zettel mit der Aufschrift „Aufzug außer Betrieb“ klebt seit dem 2. September an der Fahrstuhltür.

Anrufe des verzweifelten 89-Jährigen bei der Wohnungsbaugesellschaft liefen ins Leere

Der 89-Jährige ist enttäuscht. „So geht man mit Menschen doch nicht um“, empört er sich über das Verhalten der GWH. Mehrfach habe er dort telefonisch um Auskunft gebeten, bislang ohne jeden Erfolg. „Ich bin immer nur rumgereicht worden. Eine Antwort habe ich nirgends bekommen“, beklagt er.

Deshalb wandte er sich an die HNA – auch wenn ihm das unangenehm sei, so der 89-Jährige. Aber in drei Wochen müsse seine Frau in eine Rehabilitationseinrichtung gebracht werden. Und er wisse nicht, wie er sie und ihre Sachen dorthin bekommen soll. Der ehemalige Prüfmeister will nicht als Querulant gelten. „Ich habe so etwas noch nie getan, mich nie beschwert“, sagt er. Erlebt habe er so etwas aber auch nie.

Wohnungsbaugesellschaft: Ersatzteil schwer zu besorgen - Wartezeit noch mehrere Wochen

Die GWH räumte am Dienstag auf Anfrage ein, dass der Fahrstuhl seit Anfang September außer Betrieb ist. Die Steuerung sei defekt, die Lieferfristen für das Ersatzteil leider lang, sagt Geschäftsstellenleiter Henry Jäger. Es handle sich bei dem Aufzug um ein spezielles Modell, für das Ersatzteile nur schwer zu bekommen seien. Das Teil werde voraussichtlich noch weitere vier Wochen auf sich warten lassen. 

Dass Helmut Dilcher Kontakt zur GWH aufgenommen habe, sei ihm nicht bekannt, sagt Jäger. Er kündigte an, dem Ehepaar jede Hilfe zukommen zu lassen, die nötig sei. „Wenn nötig, organisieren wir einen Hol- und Bringdienst“, verspricht der Geschäftsstellenleiter.

Wohnungsbaugesellschaft  bietet Kostenübernahme für Hol- und Bringdienst an

Auch ein Rundschreiben an die Mieter des Hauses werde nachgeholt. Am Mittwoch dann lag endlich ein solches Schreiben im Briefkasten der Dilchers. Auch einen Anruf der GWH gab es, berichtet Helmut Dilcher, verbunden mit dem Angebot, die Kosten für den Hol- und Bringdienst zu übernehmen, wenn etwa ein Arztbesuch nötig ist.

Das sei zwar ein Anfang, so Dilcher am Donnerstag. Doch das Problem bestehe ja nicht nur in einem Krankentransport seiner Frau. „Wir müssen doch unseren Alltag bewältigen“, sagt er sorgenvoll.

*hna.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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