Stillgelegtes Schiff dient Studenten als schwimmende Lernplattform

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Übungen am Wasser: Feodora Strehlau (vorn) und Lotta Bröckelmann lernen für ihr Landschaftsarchitekturstudium den Umgang mit dem Zeichenstift.

Kassel. Sonnendeck statt stickiger Hörsaal: Studenten der Uni Kassel und der Kunsthochschule nutzen den Ausflugsdampfer „Stadt Kassel“ als schwimmende Lernplattform.

Mindestens bis 1. Oktober soll das von der studentischen Initiative „Im-Port//Ex-Port“ angemietete Schiff in den Diensten von Kunst, Wissenschaft und Lehre stehen. Bis dahin läuft der Mietvertrag mit der Kasseler Personenschifffahrtsgesellschaft Söllner, die das Boot eigentlich schon dieses Jahr verkaufen wollte. Inzwischen gibt es sogar Überlegungen von Seiten der Uni, das Schiff zu übernehmen.

Feodora Strehlau und Lotta Bröckelmann sitzen auf der Kaimauer an der Schlagd und lassen die Beine baumeln. Vor den Studentinnen der Landschaftsarchitektur wiegt sich das Schiff „Stadt Kassel“ sanft in den Fulda-Wellen. Was nach Urlaubsatmosphäre aussieht, ist Teil ihres Studiums. Gerade besuchen sie mit 20 weiteren Studenten ein Zeichenseminar, bei dem sie das Schiff aus verschiedenen Perspektiven zeichnen sollen.

Das Zeichenseminar ist nur ein Ausschnitt der vielfältigen Aktivitäten, die auf dem 150 Personen fassenden Dampfer stattfinden. Im Angebot sind Vorträge, Workshops, Diskussionen und Ausstellungen, die häufig verschiedene Fachrichtungen ansprechen. Auch Kongresse haben seit dem Start des Projektes im April schon auf dem Wasser stattgefunden. Thematische Klammer bildet die Idee des Austauschs: Im-Port// Ex-Port.

Initiatoren des Projektes sind die Studenten Andre May, Lessano Negussie und Nicolai Kudielka. Sie wollten es nicht hinnehmen, dass das Kasseler Schiff nach 40 Jahren in den Diensten der Personenschifffahrt den Kasseler Hafen verlässt. Unter Leitung ihrer Professorin Heike Klussmann von der Forschungsgruppe „Bau Kunst Erfinden“ haben sie das Programm zusammengestellt. Klussmann will es als offenes Angebot verstanden wissen, an dem sich jeder beteiligen könne. Die Schotten seien offen. So finde jeden Mittwoch, ab 20 Uhr, und Samstag, ab 21 Uhr, ein Clubabend statt, bei dem die Gäste locker ins Gespräch kommen können.

Während der documenta soll das Schiff zudem zur Kontaktbörse zwischen Hochschule, Stadtbewohnern und internationalen Gästen werden. „Im-Port//Ex-Port“ ist Teil des Stadtprogramms zur documenta. Finanziert wird das Projekt von der Uni sowie durch Stiftungen und Sponsoren. Auf die Frage, ob es leicht gewesen sei, den Schiffseigner von der Idee zu überzeugen sagt Initiator Negussie: „Irgendwann ist der Funke übergesprungen.“ Karola Söllner von der Personenschifffahrt Söllner ist auch zufrieden mit ihren Mietern: „Die bringen was auf die Beine.“ www.importexportkassel.de

Von Bastian Ludwig

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