Kassel

Schläger zu Haft verurteilt: Pistolenangriff nicht nachgewiesen

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Ein Mann sollte wegen eines Pistolenangriffes verurteilt werden. Die Tat konnte ihm jedoch nicht nachgewiesen werden. (Symbolbild) 

Ein Mann wurde wegen verschiedenster Anklagen verurteilt. Seine schwerste Straftat konnte ihm jedoch nicht nachgewiesen werden.  

Kassel – Wegen Diebstahls und Körperverletzung hat das Amtsgericht einen vielfach vorbestraften 21-jährigen Mann aus Kassel zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Er hatte aus der Umkleide eines Fitnessstudios an der Wolfhager Straße eine Geldbörse geklaut und an der Friedrich-Ebert-Straße zwei junge Partygänger mit Faustschlägen verletzt.

Die schwerste Straftat, für die er vor Amtsrichter Fehling und seinen Schöffen angeklagt war, konnte ihm allerdings nicht nachgewiesen werden. Er sollte im Philippinenhöfer Weg in der Nordstadt einen 25-Jährigen mit einer Gaspistole aus nächster Nähe dreimal ins Gesicht geschossen und schwer verletzt haben.

Kassel: Pistolenangriff nicht nachgewiesen

Der Geschädigte, der aus dem Gefängnis in den Zeugenstand geführt worden war, hatte allerdings völlig widersprüchliche Aussagen gemacht. Zum Zeitpunkt der Tat war er bis zu völligen Hilflosigkeit betrunken. Auch die anderen am Montag gehörten Zeugen konnten nicht zur Aufklärung des Geschehens beitragen, sodass Staatsanwältin Völker ebenso wie Verteidiger Michael Schenk hierfür Freispruch forderten. 

Dem folgte das Gericht. In die Entscheidung von Amtsrichter Fehling floss auch eine frühere Verurteilung zu zwei Jahren auf Bewährung wegen Diebstahls, Betruges und gefährlicher Körperverletzung ein. Die neuen Taten hatte der junge Mann, der gegenwärtig bei seiner Mutter in Gießen lebt, unter laufender Bewährung begangen. In den Aussagen der beiden Mitarbeiter der Jugendgerichtshilfe wurde die ganze Hilflosigkeit der Sozialarbeiter im Umgang mit dem jungen Mann spürbar, der als Sohn äthiopischer Eltern in Bonn geboren wurde.

Kassel: Drogen und Alkohol im Spiel 

Bis zum 14. Lebensjahr verlief das Leben des im Gericht nicht unsympatisch und intelligent wirkenden jungen Mannes ganz normal. Die Ehe war allerdings schon früher wegen häuslicher Gewalt des Vaters gescheitert. Seit der Trennung bringt die Mutter ihre drei Kinder alleine durch.

Der 21-Jährige wurde etwa ab dem 15. Lebensjahr stark abhängig von Alkohol und Drogen, beging zahlreiche Straftaten um sich Geld für die Drogen zu beschaffen. Meist unter Alkohol zeigte er zudem hohe Aggressivität und Gewaltbereitschaft. Entzugstherapien in Wabern und Böddiger scheiterten meist, die vielen Hilfsangebote der Jugendhilfe schlug er aus. 

Selbst vor Gericht schwindelte er noch über einen angeblichen Schulbesuch mit Ziel Fachabitur in Wiesbaden. Mit dem Verfahren vom Montag ist erst ein Anfang künftiger Gerichtstermine gemacht: Drei Prozesse wegen Drogendelikten sind in Kassel anhängig, einer wegen Diebstahls in Gießen, zwei weitere wegen gefährlicher Körperverletzung in Darmstadt. Wie schrieb ein Sozialarbeiter in seinem Gutachten über den jungen Mann: „Diese Entwicklung macht uns hilflos.“

Auch anderswo in Kassel wurde Gewalt angewendet. Bewaffnete Männer haben am 8. November einen Mann beim Geldabheben in einer Bankfiliale überfallen. Jetzt veröffentlicht die Kripo Bilder der Überwachungskamera.

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