Richterin: Milde erst bei Therapiebeginn

Haftstrafe: Frau stahl Schmuck, um Heroin kaufen zu können

Kassel. „Ich kann Ihnen keine Bewährung geben, solange Sie nicht konkret mit einer Entzugstherapie beginnen“, sagte Amtsrichterin Focke zu der 28-jährigen Angeklagten, die am Freitag wegen gewerbsmäßigen Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten verurteilt wurde.

Weil die junge Kasselerin mit den strohblonden Haaren wegen des Diebstahls bereits seit Mai vergangenen Jahres in Untersuchungshaft saß, konnte sie gestern doch das Gericht als freie Frau verlassen. Dennoch war ihr in der kurzen Verhandlung die Verzweiflung über die eigene Drogensucht ins Gesicht geschrieben.

Weil sie rückhaltslos alles gestand, konnte sogar auf die Anhörung von vier Zeugen verzichtet werden. Seit 13 Jahren spritze sie sich Heroin, gestand sie, und habe große Ängste vor den Entzugserscheinungen, wenn mal kein Stoff da war. Finanziert hat die mehrfach vorbestrafte Frau ihren Drogenkonsum bislang vorwiegend mit Prostitution.

Im Mai 2015 wohnte sie wieder einmal bei einem Mann, der wohl Freier und Freund gleichzeitig war. Täglich habe er ihr 30 Euro gegeben, das reichte für so viel Heroin, um den Entzug zu mildern.

An diesem Maitag aber nicht, weil sie keinen Sex haben wollte. Am frühen Morgen sei der Entzug so stark gewesen, dass sie die Schlüssel für das Kasseler Antiquitäten-Geschäfts des Mannes an sich genommen habe. Sie habe gewusst, dass in dem Laden eine Schatulle mit Schmuckstücken war, die ihr Freier/Freund für eine Kundin verkaufen sollte.

10.000 Euro Schaden

Sie schlich in den Laden, klaute den Schmuck im Wert von rund 10.000 Euro und vertickerte ihn für vermutlich 2000 Euro weiter, genau wusste sie das nicht mehr. Für das Geld kaufte sie neue Drogen.

Eine Therapie hatte sie vor zwei Jahren begonnen, wurde aber nach drei Wochen wegen eines Rückfalls herausgeworfen. Die Staatsanwaltschaft vermochte angesichts einer endlosen Drogenkarriere mit mehreren Straftaten keine gute Sozialprognose auf ein künftige straffreies Leben stellen und sah keine Chance für eine Bewährungsstrafe.

Die hatte Verteidiger Marcus Mauermann für seine Mandantin gefordert, die jetzt die Bereitschaft zeige, sich in ein Substitutionsprogramm zu begeben. Mauermann sah eine reele Chance auf ein drogenkonsumfreies Leben für die Mutter eines fünfjährigen Kindes. Doch der Richterin reichte das nicht: Der Entzug müsse erst konkret werden, ehe über eine Bewährungsstrafe geredet werden könne. 

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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