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Gilt bald auch in Kasseler Schwimmbädern oben ohne?

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Von: Matthias Lohr

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Sprung in die neue Freibad-Saison: Ein Besucher des Kasseler Auebads stürzt sich in die Tiefe. (Archivbild)
Sprung in die neue Freibad-Saison: Ein Besucher des Kasseler Auebads stürzt sich in die Tiefe. (Archivbild) © Andreas Fischer

Am Wochenende startet vielerorts die Freibad-Saison. Passend dazu wird über weibliche Brüste diskutiert. Denn nicht nur in Göttingen ist jetzt oben ohne für alle möglich.

Kassel – In Göttinger Schwimmbädern gilt ab dem Wochenende zeitweise „oben ohne“ für alle. Samstags und sonntags muss dann kein Badegast mehr Oberbekleidung tragen. Die neue Regel soll bis zum 31. August getestet werden, entschied der Sportausschuss der Stadt.

Damit macht Göttingen nun deutschlandweit Schlagzeilen und liegt im Trend. So dürfen Frauen seit vorigem Jahr etwa an der Isar in München oben ohne baden. In den Bädern der bayerischen Landeshauptstadt gilt das immerhin fürs Sonnen. Ob Frauen auch ohne Oberkörperbekleidung baden gehen dürfen, liegt im Ermessensspielraum der jeweiligen Bademeister. Wie sieht es damit in der Region Kassel aus?

In den heimischen Bädern wie dem Baunataler Aquapark wird all das vorerst nicht erlaubt sein. So sagt Baunatals Stadtsprecherin Susanne Bräutigam: „Im Moment ist das bei uns nicht geplant.“ Auch in Fuldatal-Ihringshausen, wo die Freibad-Saison am 7. Mai startet, sagt Fachbereichsleiter Martin Knopp: „Darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht.“ Meist steht in den Schwimmbadregeln, dass das Baden „aus hygienischen Gründen nur in üblicher Badekleidung“ gestattet ist. Und üblich ist bislang für Frauen eben ein Bikini oder Badeanzug.

Oben ohne baden in Göttingen: Auslöser war die Klage einer Trans-Person

Auslöser für die Entscheidung der Göttinger Verantwortlichen war der Fall einer Trans-Person im August vorigen Jahres im Badeparadies Eiswiese. Sie ordnet sich keinem Geschlecht zu, hatte im Solebecken ihr Oberteil ausgezogen, wurde vom Bademeister hinausgeworfen und erhielt sogar Hausverbot. Anschließend beschwerte sich die Person beim städtischen Tochterunternehmen Göttinger Sport und Freizeit GmbH, das unter anderem die Eiswiese und drei Freibäder betreibt, und schloss sich dem Bündnis „Gleiche Brust für alle“ an. Die Berliner „taz“ zitiert sie mit dem Satz: „Ich will nicht, dass Körper gegen den Willen der Person sexualisiert werden.“

Derartige Fälle sind in Fuldatal und Baunatal bislang nicht vorgekommen – auch nicht in den Kasseler Schwimmbädern, wie ein Sprecher der Städtischen Werke mitteilt.

Im Lohfeldener Freibad kann es schon mal vorkommen, dass eine Besucherin oben ohne ins Becken steigt. „Der Bademeister bittet sie dann, ihre Brüste zu bedecken“, sagt Fachbereichsleiter Thorsten Bürgel. Er selbst hat sich mit der Göttinger Oben-ohne-Erlaubnis noch nicht beschäftigt, wie er sagt. Ausgeschlossen hält er so etwas in Lohfelden aber nicht: „Ich bin ein offener Mensch und könnte mir vorstellen, dass der Gemeindevorstand das Thema diskutiert. Hierbei wäre allerdings der Jugendschutz unbedingt zu beachten.“ Vermutlich wird man auch in Nordhessen gespannt sein, wie der Test in Göttingen ausfällt. 

Kassel: Freibäder ab 1. Mai offen

Nach zwei Jahren mit unterschiedlichen Corona-Einschränkungen machen die Freibäder am Wochenende wieder ohne Vorgaben auf. Man muss also kein Zeitfenster mehr buchen, braucht keinen Test und auch keine Maske. Wobei die zum Beispiel in der Schlange vor dem Pommesstand durchaus noch gern gesehen wird, wie Kassels Bäderleiter Jens Herbst sagt. Verpflichtend ist das aber nicht.

Wer es gar nicht erwarten kann mit dem Start in die Freibadsaison, kann bereits am Samstag, 30. April, loslegen. Weil am Wochenende im Hallenbereich des Auebades Schwimmwettkämpfe stattfinden, öffnen die Städtischen Werke den Außenbereich schon einen Tag früher. Überall sonst beginnt die Freibadsaison am 1. Mai. Da haben sich unter anderem die Mitglieder der Fördervereine von Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe für neun Uhr zum Anschwimmen verabredet. Auch wenn die Außentemperaturen noch recht frisch sein werden: Das Wasser ist auf angenehme 24 Grad vorgeheizt.

Trotz steigender Energiepreise: Eintritt in Kassels Freibädern bleibt stabil

Trotz gestiegener Energiepreise biete man den Service so wie in früheren Jahren an, sagt Bäderleiter Jens Herbst. Das Freibad in Wilhelmshöhe, das Auebad sowie das Hallenbad Süd mit seiner ab dem 1. Mai geöffneten Liegewiese werden mit Fernwärme versorgt. Hier sind die Preissprünge nicht so hoch wie beim Gas. Lediglich das Freibad Harleshausen, das sich am Ortsrand des Stadtteils ohne Fernwärmeanschluss befindet, wird mit Gas versorgt. Die Eintrittspreise für die Bäder bleiben nach Angaben der Städtischen Werke unverändert. Die in der Coronazeit eingeführte Online-Buchung habe sich bewährt und werde fortgesetzt. Wer sich sein Ticket im Voraus bucht, spart 20 Prozent.

Für Vielschwimmer gibt es in Harleshausen und Bad Wilhelmshöhe wieder Saisonkarten. Sie sind an der Kasse der Freibäder für 90 Euro erhältlich, ermäßigt kosten sie 50 Euro. Der Einzeleintritt kostet 3,50 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, das Abendschwimmen ab 17 Uhr kostet 2 Euro.

Bis Ende August dauert die Freibadsaison auf alle Fälle. Wenn das Wetter mitspielt, ist eine Verlängerung durchaus möglich.(Matthias Lohr und Thomas Siemon)

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