Doktorand untersucht auch die Fulda

Abfallatlas: Schwimmendem Müll auf der Spur

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Überrascht von der Müllmenge in und an der Fulda: Marco Breitbarth (Mitte) sammelte mit Unterstützung der Uni-Mitarbeiter Niro Akbary (links) und Viktoria Scheff sowie einiger Mitglieder des Kurhessischen Anglervereins Müll. In der Universität wird er sortiert und dokumentiert.

Kassel. Der Wohlstandsmüll in den Weltmeeren könnte einen Güterzug füllen, der eineinhalb Mal so lang wäre wie die Strecke von der Erde zum Mond. Mit diesem Vergleich hat das Umweltbundesamt jüngst auf die Verschmutzung der Ozeane, vor allem mit Plastikmüll, hingewiesen.

Dieser Müll wird nur zu einem Fünftel auf hoher See entsorgt. Bis zu 80 Prozent des Unrats haben am Ufer und in den Flüssen ihre Reise in die Meere angetreten. Auch die Fulda ist eine Quelle dieses vagabundierenden Mülls. Das hat der Kasseler Doktorand Marco Breitbarth festgestellt.

Dreijährige Forschung

Der wissenschaftliche Mitarbeiter und Spezialist für Abfalltechnik am Fachbereich Bau- und Umweltingenieurwesen sammelt im Rahmen einer auf drei Jahre angelegten Forschungsarbeit Daten über die Vermüllung der Flüsse in Deutschland. Ziel ist die Erstellung eines Abfallatlas für die Fließgewässer.

„Ich bin überrascht, wie viel Müll an der Fulda liegt“, sagte Breitbarth, als er am Wochenende mit dem Kurhessischen Anglerverein zwischen Neuer Mühle und Bergshäuser Brücke im Rahmen des jährlichen Großreinemachens in Kassel Abfälle am Ufer und im Wasser aufspürte. „Plastikflaschen sind ganz stark vertreten“, erklärte Breitbarth.

Das gebe zu der Überlegung Anlass, ob man ein Pfand auf solche Behälter erheben sollte, die bisher noch pfandfrei sind. Das gelte beispielsweise auch für Lackdosen. Andererseits müsse man sich fragen, ob die Rücknahme von Altreifen künftig kostenlos erfolgen sollte.

Noch mehr als wild entsorgte Flaschen, Farbeimer, Lackdosen oder Altreifen beschäftigt den Wissenschaftler der unsichtbare Abfall, so genannte Mikro-Kunststoffe, die von Fischen über die Nahrung aufgenommen werden und möglicherweise Gesundheitsschäden auslösen können.

Eine Konzentration solcher Mikro-Kunststoffe habe er unmittelbar am Einlauf der Kläranlage gemessen, sagte Breitbarth. Quellen dieser Verschmutzung seien beispielsweise Hygieneartikel, Zahnpasta und Kosmetika, die winzige Kunststoffteilchen enthalten und von einer Kläranlage nicht ausgefiltert werden.

Breitbarth will mit seiner Doktorarbeit nicht nur den Ist-Zustand an den Flüssen, sondern auch Auswege aus der Müllflut aufzeigen. Wie das funktionieren könnte, sei an einer Uferpromenade in Köln zu besichtigen. Dort sei bei Wind das Verpackungsmaterial einer Döner-Bude in den Fluss geweht.

Diese Vermüllung habe man mit dem Bau eines engmaschigen Zauns an der Promenade gestoppt. Wichtig sei auch, die Entsorgung von Abfall zu regeln, der sich in den Rechen von Wasserkraftwerken wie der Neuen Mühle ansammele. (pdi)

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