Auch Pfiffe gelten als Belästigung

Catcalls in Kassel: Das haben Kreidezeichnungen mit Sexismus zu tun

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Will sensibilisieren: Laura Winter hat das Projekt „Catcalls in Kassel“ ins Leben gerufen. Das Ankreiden der anzüglichen Kommentare soll auch andere auf Alltagssexismus aufmerksam machen.

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie Kreidezeichnungen von Kindern. Wer aber anfängt zu lesen, der entdeckt die ernsten Botschaften hinter den Schriftzügen auf Kassels Straßen.

In der vergangenen Woche waren sie unter anderem am Botanischen Garten, am Ottoneum und am Landesmuseum zu lesen. „Beweg deinen heißen Knackarsch für mich, Goldlöckchen“ – haben zwei Männer einer Elfjährigen am Kulturbahnhof hinterhergerufen. Sie habe Angst bekommen und sei über die rote Ampel gelaufen. Für lange Zeit habe sie die Stelle gemieden, schreibt sie Laura Winter.

Winter hat das Projekt Catcalls Kassel ins Leben gerufen, um auf diese Form von Alltagssexsismus aufmerksam zu machen. „Wenn einem jemand auf der Straße hinterherpfeift, wird das oft ignoriert oder gar nicht wahrgenommen, weil es einfach zu oft passiert und fast schon alltäglich ist. Aber das ist es nicht“, sagt die 25-Jährige.

Was tun bei Belästigung?

Solche Sprüche einfach zu ignorieren, würde diese Form von Alltagssexismus aber nur weiter unterstützen. Sich dagegen zu wehren, könne allerdings schnell auch gefährlich werden. Auf der Plattform Instagram ruft sie deshalb unter @catcallsofkassel dazu auf, ihr anzügliche Sprüche, die in der Öffentlichkeit in Kassel gefallen sind, zu melden. Wer also auf der Straße „gecatcalled“ wird, wie sie es nennt, kann ihr über das Soziale Netzwerk eine Nachricht schreiben – mit dem Wortlaut und dem Ort, an dem es passiert ist.

Winter schreibt dann mit Kreide an den jeweiligen Orten die „Catcalls“ auf die Straße und fotografiert sie für Instagram. Denn Kreide sei dann doch schneller weg, als man denke. Bislang bekommt

Winter viele positive Reaktionen auf das Projekt und, was ihr am wichtigsten ist, Zustimmung, dass solche Sprüche nicht alltäglich sind.

Zuletzt hat Winter ein Catcall erreicht, bei dem eine Frau am Landesmuseum von mehreren Jugendlichen belästigt wurde. „Setz dich zu uns, ich wärme dich“, soll einer der Jugendlichen gesagt haben. Ein zweiter habe ergänzt: „Ja, mit deinem Schwanz.“ Das hat Winter jetzt mit Kreide festgehalten.

Sexismus stoppen

In der vergangenen Woche hat sie auf die Straße unterhalb des Botanischen Gartens geschrieben „Die da gehört mir.“ Dazu schreibt sie den Hashtag #stopptbelästigung.

Aufmerksam geworden auf die Catcall-Bewegung ist die 25-Jährige in ihrer Heimat München. Ursprünglich kommt die Bewegung aber aus den USA. Mittlerweile gibt es sie aber auch in vielen deutschen Städten.

Über den Winter wird es auf dem Instagram-Account aufgrund des Wetters ein bisschen ruhiger. Deshalb plant Laura Winter schon weiter. Sie will im Frühjahr eine gemeinsame Aktion mit allen Instagram-Followern starten und an einem Tag gemeinsam Catcalls ankreiden. Damit Alltagssexismus auch in Kassel nicht zu oft ignoriert wird.

Der Begriff

Als „Catcalls“ werden sexuell anzügliche, unangemessene, unanständige und unhöfliche Kommentare von Männern gegenüber Frauen in der Öffentlichkeit bezeichnet. Sie dienen dazu, die Aufmerksamkeit von Frauen zu gewinnen und stellen oft einen Versuch dar, eine Frau für ein sexuelles Abenteuer zu gewinnen. Gleichzeitig beinhalten Catcalls aber auch ein Machtgefälle oder sind zumindest oftmals so zu verstehen.

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