Nur im Bergpark ist Feuerwerk tabu

Silvester: Böllerverbot in Kassel? - Stadt appelliert an die Vernunft

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Unverzichtbare Tradition oder verzichtbare Umweltbelastung? Unser Foto zeigt das Silvesterfeuerwerk im vergangenen Jahr in Kassel. Der Blick geht vom Weinberg hinunter auf Frankfurter Straße und Südstadt. 

In einigen Städten wurden Feuerwerk-Verbotszonen eingerichtet - in Kassel darf zum Jahreswechsel noch geböllert werden. Aber: Die Stadt richtet sich mit einem Appell an die Bürger.

  • Keine Feuerwerk-Verbotszonen in Kassels Innenstadt
  • Apell der Stadt, der MHK und der Polizei: Böllerei einschränken
  • Silvester-Feuerwerk im Bergpark Wilhelmshöhe tabu

Zum Jahreswechsel 2019/2020 darf privates Silvesterfeuerwerk in und um Kassel wie gewohnt gezündet werden.

Andere Städte wie Berlin und Köln haben bereits Feuerwerk-Verbotszonen im Stadtgebiet eingerichtet. In Kassel ist zwar auch diesmal das Böllern im Bergpark Wilhelmshöhe tabu, nicht aber in der Innenstadt.

In der Silvesternacht steigt nach Angaben der Stadt Kassel wegen des Feuerwerks die Feinstaubbelastung deutlich an. Aber nicht nur sie: Markante Erhöhungen seien auch beim Schwefeldioxid und beim Stickstoffdioxid zu beobachten. Wie lange diese Belastungen anhalten, hänge von der Witterung ab. 

Nur im Bergpark Wilhelmshöhe ist Feuerwerk tabu

Das Silvesterfeuerwerk ist für viele Menschen eine schöne Tradition. Die Knallerei hat wegen der Belastungen für die Umwelt aber auch ihre Schattenseite: Laut Umweltbundesamtes wird in einer Silvesternacht so viel Feinstaub in die Luft geblasen, wie sie 15 Prozent des jährlichen Auto- und Lastwagenverkehrs erzeugen.

Während in Kassel im kommenden Jahr noch einmal über ein Verbot des Silvester-Feuerwerks nachgedacht werden soll, haben andere Städte – etwa Landshut – bereits ein privates Böllerverbot erlassen oder – wie Berlin, Köln und Düsseldorf – zumindest im bestimmten Bereichen die Knallerei untersagt.

Auch in Kassel gibt es seit Jahren so eine Einschränkung für einen bestimmten Bereich: Zum Schutz des UNESCO-Welterbes ist im Bergpark Wilhelmshöhe das Zünden von Feuerwerk nicht gestattet.

Silvester: Mit diesen Tipps überstehen Tiere das Feuerwerk

Feuerwerke und laute Böller an Silvester bedeuten für Tiere viel Stress. Mit einigen Tipps kann man seinem Hund und seiner Katze den Jahreswechsel entspannter machen.

Wenn in der Silvesternacht Raketen in den Himmel aufsteigen, dann erfreuen sich nicht alle daran. Tiere fürchten sich vor Feuerwerk: Manche verkriechen sich, andere werden panisch. Auch das Tierheim Beuern gibt Tipps zu Silvester und rät zu böllerfreiem Silvesterfest.

Der Appell von MHK und Polizei in Kassel

Wie Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK) und Polizei erklären, setze man damit auf die bewährten Vorjahreskonzepte. Durch den gemeinsamen Appell an die Vernunft der Menschen, die den Jahreswechsel vor der Kulisse des Herkules feierten, sowie die polizeiliche Präsenz in der Silvesternacht seien zuletzt die Schäden an historischen Gebäuden durch Feuerwerk, Sachbeschädigungen im Park und Müll-Hinterlassenschaften nahezu ausgeblieben – im Gegensatz zu früheren Zeiten.

Die MHK-Sprecherin Lena Pralle und der Polizeioberrat Henning Hinn, der Leiter des zuständigen Polizeireviers Süd-West, appellieren deshalb erneut an die Besucher des Bergparks, sich so verantwortungsvoll wie zuletzt zu verhalten.

Das heißt: auf Feuerwerk, vor allem in der Nähe der historischen Gebäude, zu verzichten und Müll wieder mit nach Hause zu nehmen.

Böllern an Silvester verbieten: In Kassel schwer umsetzbar?

Ob die Knallerei auch in künftigen Silvesternächten erlaubt sein wird, ist noch zu klären. „Für 2020 ist die systematische Aufarbeitung des Themas geplant“, kündigt Stadtsprecher Claas Michaelis an.

Für die Kommune sei es schwierig, das Silvester-Feuerwerk zu verbieten. Generell sei es für festgelegte Zeiten erlaubt. Zur Beschränkung des Feuerwerks auf ausgewiesene Straßen und Plätze, um damit besondere Bauten und Bereiche (etwa Kirchen und Fachwerk) an anderen Orten zu schützen, fehlten die rechtlichen Voraussetzungen.

Zwar werde auch in Kassel der Tagesmittelwert für Feinstaub am Neujahrstag überschritten, jedoch würden die Grenzwerte über das Jahr hinweg eingehalten.

Michaelis: „Ein Verbot aus Sicht der Luftreinhaltung ist somit ebenfalls schwer umsetzbar.“ Vor diesem Hintergrund plane die Stadt Kassel derzeit kein Verbot des Silvester-Feuerwerks.

Umwelthilfe fordert Böllerverbot

Man prüfe andere Möglichkeiten wie eine Initiative zur freiwilligen Reduzierung der Feuerwerksmenge und eine Warnung des Gesundheitsamtes an vorgeschädigte Menschen (etwa Asthmatiker).

Nach Angaben des Umwelt- und Gartenamtes macht Feinstaub vor allem Menschen mit Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schaffen. Die Stadt appelliert deshalb, die Zahl der Feuerwerkskörper pro Erwachsenem zu reduzieren.

Weniger Feuerwerk spare Geld, diene der Gesundheit, Sicherheit sowie dem Luft-, Brand- und Umweltschutz. Die Stadt Kassel prüft einen Antrag auf Böllerverbot zu Silvester. Grund dafür gibt der Antrag der Deutschen Umwelthilfe (DUH): Die DUH fordert Kassel und 97 weitere Städte auf, privates Silvesterfeuerwerk zu untersagen.

Sie schrieb alle Städte an, die im Jahresmittel mit über 20 Mikrogramm Feinstaubpartikeln pro Kubikmeter Luft belastet sind. 2018 lag in Kassel der Wert bei 23,5 Mikrogramm. Der EU-Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm.

Das denken die Kassler übers Böllern:

Die Schwierigkeiten eines Verbots von Silvester-Feuerwerk

Feuerwerke seien nur schwer zu verbieten, betont die Stadt Kassel. Auf kommunaler Ebene ließen sie sich für Privatpersonen nur dann einschränken, wenn gesetzliche Ausschlussgründe erfüllt seien, also etwa nahe brandempfindlicher Gebäude sowie in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Kliniken, Kinder- und Altersheimen sowie Reet- und Fachwerkhäusern.

„Demzufolge ist eine sprengstoffrechtliche Beschränkung zum Abbrennen von Feuerwerken auf extra dafür ausgewiesene Straßen und Plätze – sei es nun an Silvester oder überhaupt – seitens der Stadt nicht zu realisieren.“

Durch Abbrennverbote für bestimmte Bereiche im Stadtgebiet ließen sich zwar Feuerwerke auf einzelne Gebiete beschränken. Eine solche Regelung ergebe aber nur Sinn, so betont die Stadt, wenn deren Einhaltung in der Silvesternacht auch entsprechend überwacht und durchgesetzt werde.

350.000 Euro angezündet? Feuerwerk und Böller belasten auch die Geldbörse

Aus Zeitgründen sei aber für dieses Silvester eine Bewertung nicht mehr möglich gewesen, heißt es in einer Antwort des Magistrats auf Anfrage von SPD und Grünen. Zum Jahreswechsel werden in Kassel nach städtischen Schätzungen Feuerwerkskörper im Wert von etwa 350.000 Euro gezündet.

In der Silvesternacht 2018/2019 schnellte die Feinstaubmenge durch die Böllerei am Messpunkt Rathauskreuzung auf 745 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – das war das 30-fache des Normalniveaus und der zweithöchste Silvester-Wert in Hessen

Die Alternative

Als Alternative für den Wegfall des Feuerwerks ist auch in der Stadt Kassel die Organisation einer zentralen Licht- und Lasershow denkbar.

Wie Kassel Marketing auf eine Anfrage der Stadtverordnetenfraktionen von SPD und Grünen mitteilt, würde eine solche Show Kosten in Höhe von zwischen 5.000 und 10.000 Euro verursachen – je nach Umfang und Infrastruktur.

Silvester in Kassel 2018

Silvester 18/19;Lichtmalerei mit einem Bengalischen Feuer vor der Orangerie in Kassel am 31.12.2018Foto: Christian Hedler
 © HNA/Hedler
Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick auf Schloss Wilhelmshöhe und den (nicht beleuchteten) HerkulesFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick vom Weinberg auf die Frankfurter Strasse und die Kasseler SüdstadtFoto: Christian Hedler
 © HNA/Hedler
Silvester 18/19;Feuerwehr und Polizei vor dem "Night Time" in der Fünffensterstrasse in Kassel am 31.12.2018Foto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in KasselFoto: Christian Hedler
 © HNA/Hedler
Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick auf die Verwaltung der K+S AG und Schloss WilhelmshöheFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick auf Schloss WilhelmshöheFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick auf die Verwaltung der K+S AG und Schloss WilhelmshöheFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 auf dem Weinberg und an der Grimmwelt in KasselFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick auf Schloss WilhelmshöheFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 auf dem Weinberg und an der Grimmwelt in KasselFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 auf dem Weinberg und an der Grimmwelt in KasselFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Moulin Rouge Silvesterparty mit 20er-Jahre-Motto am 31.12.2018 im Gleis 1 in KasselFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick auf Schloss WilhelmshöheFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 auf dem Weinberg und an der Grimmwelt in KasselFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Jahreswechsel am 31.12.2018 an der Grimmwelt in Kassel; Blick auf die Markuskirche in der Richard-Wagner-StrasseFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Moulin Rouge Silvesterparty mit 20er-Jahre-Motto am 31.12.2018 im Gleis 1 in KasselFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Lange Schlange vor dem Club A.R.M. in Kassel am 31.12.2018Foto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Zelt des Zirkus Flic Flac am 31.12.2018 auf dem Friedrichsplatz in KasselFoto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Lange Schlange vor dem Club A.R.M. in Kassel am 31.12.2018Foto: Christian Hedler
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Silvester 18/19;Feuerwehr und Polizei vor dem "Night Time" in der Fünffensterstrasse in Kassel am 31.12.2018Foto: Christian Hedler
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