Zukunftspläne

Markthalle im Umbruch: Reaktionen auf die neuen Pläne fallen unterschiedlich aus

Zeiten des Umbruchs: Die Stadt Kassel will die Markthalle an einen Investor vergeben. 
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Zeiten des Umbruchs: Die Stadt Kassel will die Markthalle an einen Investor vergeben. 

Die Standbetreiber der Kasseler Markthalle haben sich die neuen Zukunftspläne für den Marstall angehört. Die Reaktionen fallen sehr unterschiedlich aus.

  • Die Kasseler Markthalle soll umgebaut werden.
  • Die Standbetreiber reagieren auf die neuen Pläne sehr unterschiedlich.
  • Architekt: Das Marstallgebäude ist schlecht ausgenutzt.

Was die Standbetreiber der Kasseler Markthalle am Dienstag über die Zukunftspläne für den Marstall hörten, müssen viele von ihnen erst mal sacken lassen. Das Interesse war jedenfalls groß an der Info-Veranstaltung, zu der die Stadt in den Magistratssaal des Rathauses eingeladen hatte. Die Öffentlichkeit war dabei nicht zugelassen – man wolle in dieser sensiblen Phase zunächst vertraulich mit jenen reden, die es betrifft, hatten Oberbürgermeister Christian Geselle und die Investoren vom Architekturbüro Sprengwerk im Vorfeld mitgeteilt.

Wie hat sich dieses Treffen nun auf die allgemeine Stimmung ausgewirkt und auf die Bereitschaft, an solchen Plänen mitzuwirken? Die Beurteilungen fallen unterschiedlich aus, je nachdem, wen man fragt. Die Pläne hatten im Vorfeld bereits für viele Diskussionen gesorgt. Bei neuralgischen Punkten wie dem vorgesehenen Abbau bestehender Parkplätze oder bei den künftigen Anliefermöglichkeiten vom Graben her sei auch Unmut laut geworden, berichten Teilnehmer. 

Markthalle: Viele skeptische Blicke bei der Präsentation über die Zukunftspläne

Insgesamt habe es bei der Präsentation „sehr viele skeptische Blicke gegeben“, so eine Zuhörerin: „Aber was jeder für sein eigenes Geschäft denkt, ist natürlich schwer zu beurteilen.“

Für Anfang kommender Woche sei ein Treffen der Markthändler geplant, um über das Gehörte zu diskutieren, berichtete Manfred Opfermann vom Obst- und Gemüsehandel Birkenhof. Er hatte einen grundsätzlich positiven Eindruck von der Veranstaltung, die nach seiner Wahrnehmung „relativ entspannt“ verlaufen sei.

Die Stadt und die Planer hätten ihre Vorschläge „positiv rübergebracht“, sagte Opfermann: „Es wurde nichts abgeschmettert und es wurde uns signalisiert, dass man über alles reden könnte“. Wie es nun sinnvoll weitergehen könne, müsse man sehen. Für die Markthändler sei sein Eindruck: „Wir haben die Tür nicht zugemacht.“

Falls Pläne realisiert werden: Metzger will mit seinem Betrieb aus der Markthalle aussteigen

Metzgermeister Kurt Hain sieht die Sache völlig anders. Was die Investoren vorhätten, „das ist geldgesteuert und hat mit uns Marktbeschickern nicht mehr viel zu tun“, kritisiert Hain. Er selbst werde mit seinem Betrieb „aussteigen“, wenn die Pläne verwirklicht würden. Er setze weiterhin auf das Konzept, das die Marktbeschicker selbst eingereicht hatten: „Davon müssen wir die Stadtverordneten überzeugen.“

Wetterfest: Über der Freifläche am Graben wollen die Planer ein Glasdach spannen.

Beate Schröder, die in der Markthalle das Bistro Zum Käpt’n, den Fischhandel Apel und einen weiteren Stand betreibt, hat die Veranstaltung vonseiten der Einladenden als „ziemlich dominant“ erlebt, wie sie sagt. Die Planungen für die Zukunft des Marstalls seien als alternativlos dargestellt worden, die Ausführungen von Oberbürgermeister Christian Geselle habe sie so verstanden, „dass wir als Händler abhängig sind von rechtlichen und politischen Dingen, die wir nicht beeinflussen können“. 

Neue Pläne für die Markthalle: Es gab auch positive Reaktionen

Ob sie auch unter neuen Vorzeichen in der Markthalle tätig bleiben wolle, das könne sie sich nach momentaner Lage der Dinge „noch nicht so richtig vorstellen“, sagte sie.

Einen „Lichtblick“ hat Beate Schröder der Veranstaltung allerdings auch entnommen – nämlich die Zuversicht, dass eine Umbauphase „uns nicht drei Jahre lang beeinträchtigen wird“. Zu diesem Punkt habe der Abend Aufklärung und eine schlüssige Perspektive geliefert.

Für die Konzeptbewerber betonte Sprengwerk-Gesellschafter Michael Majcen, der Abend sei nur der Auftakt für einen weiteren, detaillierten Austausch mit den Marktbeschickern gewesen. „Wir laden jetzt alle ein, das Konzept mit uns weiterzuentwickeln“. Sprengwerk wolle kurzfristig auch zu Einzelgesprächen einladen, bei denen Markthändler ihren konkreten Standflächenbedarf mitteilen und sich individuell informieren können.

Von der Info-Veranstaltung am Dienstagabend zog Majcen gestern ein positives Fazit: „Wir sind – wenn auch nicht bei allen – auf offene Ohren gestoßen“.

Architekt: Das Marstallgebäude ist schlecht ausgenutzt

Das historische Marstallgebäude ist nach Ansicht von Michael Majcen (Sprengwerk Architekten) schlecht ausgenutzt. Es habe ein „deutlich größeres Potenzial“ als nur den Marktbetrieb, sagte der Planer im Gespräch mit der HNA. Eine bessere Mieter-Auslastung im Gebäude komme nicht zuletzt den Marktbeschickern zugute. Mit Blick auf die nötigen Investitionen, die Sprengwerk auf etwa 15 Millionen Euro schätzt, bleibe jener Anteil überschaubar, der durch die Pachtbeträge der Händler erwirtschaftet werden müsse. Dies sind die Kernpunkte des Sprengwerk-Konzepts:

Der Marktbetrieb soll künftig nur noch auf der oberen Ebene stattfinden. Das schaffe Synergien und sei auch sinnvoll mit Blick auf die Kundschaft, sagte Majcen. Durch eine gläserne Überdachung der Freifläche am Graben soll dafür oben mehr Platz geschaffen werden.

Das Glasdach soll zur Straße Graben hin auf einem Neubau aufsitzen, der die Lücke in der Häuserzeile schließt. In dem Gebäude will Sprengwerk unten eine größere Restaurantfläche für den Marktbetrieb schaffen. Darüber sollen Büros sowie neun Mietwohnungen entstehen.

Die untere Etage soll zu Kultur- und Konzertfläche ausgebaut werden

Die bisherige untere Etage wollen die Investoren baulich vom Marktbetrieb trennen und dort eine Kultur- und Konzertfläche auf 1600 Quadratmetern schaffen. Als ein Nutzer sei Markus Knierim vorgesehen, der mit seinem Theaterstübchen eine Vielzahl hochklassiger Jazzkonzerte in Kassel veranstaltet und dafür weiteren Raumbedarf habe. Doch auch andere Kultur-Events, Privat- und Firmenfeiern sowie kleinere Messen könnten dort laut Majcen stattfinden und von Beschickern in der Markthalle bewirtet werden.

Die oberste Etage des Marstalls ist vom Stadtarchiv derzeit nur etwa zu einem Drittel belegt. Dort stellen sich die Investoren eine komplette gewerbliche Nutzung mit Büroflächen vor. Majcen: „So eine Lösung gefällt uns derzeit besser als Hotelzimmer.“

Die Freifläche an der Tränkepforte soll nach den Vorstellungen von Sprengwerk zum „grünen Hof“ werden, auf dem laut Majcen etwa Weinfeste, Floh- und Sondermärkte stattfinden können. Auf der bisherigen Autoparkfläche solle es neben zahlreichen Fahrrad-Abstellplätzen Stell- und Ladeplätze für etwa acht Elektroautos geben.

Bauarbeiten für neue Markthalle sollen im Dach- und Kellergeschoss 2021 beginnen

Falls die Investoren den Zuschlag bekommen, wollen sie laut Majcen das laufende Jahr für Planungen nutzen. Ab 2021 werde dann zunächst im Dach- und im Kellergeschoss mit Bauarbeiten angefangen. In einem nächsten Bauabschnitt kämen dann der Neubau am Graben samt dem Glasdach, als letztes wäre die untere Markthallen-Ebene an der Reihe. Die Fertigstellung sei für „allerspätestens Ende 2023“ anvisiert.

SPD macht Weg frei für Bürgerversammlung 

In der Debatte um die Zukunft der Markthalle will die SPD -Fraktion im Rathaus den Weg für eine Bürgerversammlung freimachen. Den Wunsch nach einer solchen Veranstaltung haben die Fraktionen von CDU, Kasseler Linken sowie FDP, Freie Wähler und Piraten auf die Tagesordnung der nächsten Stadtparlamentssitzung am 27. Januar gesetzt. 

Der SPD-Fraktionsvorsitzende Patrick Hartmann.

SPD-Fraktionschef Patrick Hartmann sagte, er habe seiner Fraktion empfohlen, dem Antrag zuzustimmen: „Wir werden uns dem nicht entgegenstellen.“ Beim Thema Markthalle habe der Magistrat bisher intensiv um Zustimmung geworben für ein Betriebskonzept, das sich „im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben eines Bieterverfahrens“ als das beste herausgestellt habe. „Jede Veranstaltung, die dazu beiträgt, für noch mehr Transparenz zu sorgen, trägt die SPD mit“, sagte Hartmann.

Bei der Bürgerversammlung soll es allein um Informationen gehen

Er machte aber zugleich deutlich, dass es in einer Bürgerversammlung nicht darum gehen könne, die Ergebnisse des bisherigen Verfahrens zu verwerfen und verschiedene Planungen zur Zukunft der Markthalle ganz neu und unabhängig davon zu diskutieren. 

Bei einer Bürgerversammlung könne es allein um Information gehen. Eine Vorstellung von Konzepten sei in diesem Rahmen nur insoweit möglich, als dadurch „das abgeschlossene Bieterverfahren nicht gefährdet wird“. Wenn eine Bürgerversammlung beschlossen wird, müsste diese innerhalb von 14 Tagen nach der Stadtverordnetensitzung anberaumt werden.

Von Axel Schwarz

In Kassel ist der Streit um die Zukunft der Markthalle eskaliert: Geschäftsführer Andreas Mannsbarth wirft einem Beschicker Bespitzelung vor.

Die Bürgerversammlung zur Markthalle Kassel drohte aus dem Ruder zu laufen: Besucher konnten Fragen und Bedenken zu den Markthallen-Plänen der Stadt Kassel anbringen.

Die Zukunft der Markthalle in Kassel ist noch unklar: In den Räumen gibt es einen weiteren wichtigen Nutzer - das Stadtarchiv. Was soll aus dem "Gedächtnis der Stadt" werden?

Nun haben die Stadtverordneten den Weg frei gemacht für Verhandlungen des Magistrats mit dem Architekturbüro Sprengwerk, das sein Konzept für die Markthalle Kassel verwirklichen möchte.

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