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Innenstadt von Kassel im Wandel: Sinn, Leffers, Bilka und das Rote Palais

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Von: Thomas Siemon

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Großer Andrang im Sommer 1991: Damals feierte nach einem größeren Umbau das Modehaus Leffers die Eröffnung. Der Standort am Friedrichsplatz hat eine lange und wechselvolle Geschichte.
Großer Andrang im Sommer 1991: Damals feierte nach einem größeren Umbau das Modehaus Leffers die Eröffnung. Der Standort am Friedrichsplatz hat eine lange und wechselvolle Geschichte. © Lothar Koch

Ende 2023 will das Modehaus Sinn in der Kasseler Innenstadt umziehen. Der Standort am Friedrichsplatz hat eine lange Geschichte.

Kassel – Es ist einer der spannendsten Standorte in der Innenstadt- von Kassel. Nach 31 Jahren will das Modehaus Sinn die Räumlichkeiten an der Oberen Königsstraße mit einer Front zum Friedrichsplatz verlassen. Was war da früher eigentlich und warum stehen da noch historische Säulen mit einem documenta-Kunstwerk auf dem Vordach? Ein Rückblick.

Weißes und Rotes Palais in Kassel

Nach dem Ende des Königreichs Westphalen kehrte Kurfürst Wilhelm I. im November 1813 aus dem Exil nach Kassel zurück. Da war sein imposantes Stammschloss an der Fulda – dort steht heute das Regierungspräsidium – durch einen Brand schwer beschädigt. Die Familie bezog das bisherige Ständehaus an der Ecke Königsstraße/Friedrichsplatz.

Es wurde prächtig ausgestattet und umgebaut. Danach nannte man es nur noch das „Weiße Palais“. Ein paar Jahre später kam als Erweiterung Richtung Fridericianum das „Rote Palais“ mit seinem Portikus hinzu.

Aufnahme aus den 1930er-Jahren: Vor dem Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung sah die Häuserzeile am Friedrichsplatz so aus. Von links sind das Weiße Palais, das Rote Palais, das Fridericianum, die Kriegsschule und ganz hinten der Turm der Elisabeth-Kirche zu erkennen.
Aufnahme aus den 1930er-Jahren: Vor dem Zweiten Weltkrieg und der Zerstörung sah die Häuserzeile am Friedrichsplatz so aus. Von links sind das Weiße Palais, das Rote Palais, das Fridericianum, die Kriegsschule und ganz hinten der Turm der Elisabeth-Kirche zu erkennen. © Stadtmuseum

Kassels Innenstadt: Nazizeit, Zweiter Weltkrieg und die Zeit danach

Im Februar 1933 ließ sich der neue Reichskanzler Adolf Hitler von seinen Anhängern in Kassel bejubeln. Vor dem Roten Palais nahm er die Parade ab. Beim Reichskriegertag 1939 waren Zehntausende auf dem Friedrichsplatz. Wenige Monate später begann der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen.

Ruinen der Nachkriegszeit: Die Aufnahme zeigt aus Richtung Königsplatz das Trümmergrundstück. Vom Roten Palais blieb nur die Fassade.
Ruinen der Nachkriegszeit: Die Aufnahme zeigt aus Richtung Königsplatz das Trümmergrundstück. Vom Roten Palais blieb nur die Fassade. © Archiv Werner Baus

Schon 1941 gab es durch einen Bombenangriff Schäden am Fridericianum und den angrenzenden Gebäuden. Die ehemalige kurfürstliche Stadtresidenz wurde dann in der Bombennacht vom 22. Oktober 1943 nahezu komplett zerstört. Lediglich Teile der Fassade blieben stehen.

1961 eröffnete der Hertie-Konzern das Kaufhaus Bilka auf der Fläche, auf der bis zum Krieg das Weiße und das Rote Palais standen. Der renommierte Architekt Sep Ruf (München) hat den Neubau entworfen. 1986 wurde aus Bilka das Kaufhaus „Preisland City SB“. Vier Jahre später übernahm die Bielefelder Leffers AG das Gebäude und baute es zum Modehaus um. Seit der documenta 9 im Jahr 1992 ist das Gebäude ein Kunststandort.

Neubau 1961: So sah das Bilka-Kaufhaus an der Oberen Königsstraße aus.
Neubau 1961: So sah das Bilka-Kaufhaus an der Oberen Königsstraße aus. © HNA-Archiv

Ein Teil der Figurengruppe „Die Fremden“ des Künstlers Thomas Schütte steht bis heute auf dem Portikus. Das derzeit wieder besonders aktuelle Kunstwerk zeigt Menschen auf der Flucht, die nur einen Koffer oder eine Tasche mitnehmen konnten.

Kunst auf dem Portikus: Seit der documenta 9 im Jahr 1992 steht die Figurengruppe „Die Fremden“ von Thomas Schütte in Kassel.
Kunst auf dem Portikus: Seit der documenta 9 im Jahr 1992 steht die Figurengruppe „Die Fremden“ von Thomas Schütte in Kassel. © HNA-Archiv

Das Modehaus wandelte sich weiter. Ab 1997 hieß es nach einer Fusion SinnLeffers. Danach gab es eine Insolvenz, einen neuen Besitzer und einen Neustart. Unter dem Namen Sinn machte die Firma einen neuen Anlauf und ist jetzt bereit für die nächste Veränderung. Ende kommenden Jahres soll der Standort aufgegeben werden. Dann geht es nur wenige Meter entfernt in der Königsgalerie weiter. Was aus dem bisherigen Modehaus wird, ist noch nicht bekannt.

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