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100 Sneaker und mehr als 10.000 Instagram-Fans – Influencer startet Turnschuh-Stammtisch in Kassel

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Von: Matthias Lohr

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In Dustin Appels Schuhschrank stehen 100 Sneaker in Kartons: Jan Albert (von links, mit dem Nike SB Dunk Strange Love), Dustin Appel (Nike Mars Yard 2.0 von Tom Sachs) und Julian Matusch (Jordan 1 Chicago Lost) tauschen sich über ausgefallene Turnschuhe aus.
In Dustin Appels (Mitte) Schuhschrank stehen 100 Sneaker in Kartons. © Privat/nh

Turnschuh-Fan Dustin Appel hat 100 Sneaker und mehr als 10 000 Instagram-Fans, die seine Leidenschaft teilen. Nun hat er er einen Sneaker-Stammtisch ins Leben gerufen.

Kassel/Ahnatal – Von dem Modedesigner Emanuele Della Valle stammt der Satz: „Ein Sneaker ist der demokratischste aller Schuhe. Er setzt sich über alle Gesellschaftsschichten hinweg.“ Der Mode-Fachmann trägt darum immer Turnschuhe. Auch Dustin Appel braucht keine anderen Schuhe. Auf seinem Instagram-Account dustindpunkt postet der 36-Jährige nichts anderes als ausgefallene Modelle und begeistert damit mehr als 10 000 Follower. Nun hat er den Sneaker-Stammtisch Kassel gegründet, wo sich Turnschuh-Liebhaber austauschen.

Appel ist wahrscheinlich einer der wenigen Männer in Deutschland, die mehr Schuhe haben als ihre Frau. In einem Schwerlastregal in seiner Wohnung in Ahnatal-Heckershausen lagern 100 Sneaker. Seit 2012 hat er etwa 400 Modelle gehabt, wie er schätzt. Das sind bei Weitem nicht so viele Schuhe wie die angeblich 7000 der einstigen philippinischen Diktatorengattin Imelda Marcos, aber immerhin.

Sneaker-Fan Dustin Appel aus Kassel ist mit Schuh-Content auf Instagram erfolgreich

Vor allem aber sind es ganz Besondere. Appel und seine Freunde vom Sneaker-Stammtisch kaufen sich keine Schuhe im Laden um die Ecke, sondern nur Liebhaber-Stücke, die nur in geringer Stückzahl produziert werden. Appels Lieblingsmodell ist der Nike Mars Yard 2.0, den der US-Künstler Tom Sachs gestaltet hat. Als der Schuh rauskam, kostete er etwa 200 Euro. Heute sind die Treter 4000 bis 5000 Euro wert. Appel hat drei davon. Er trägt sie ebenso im Alltag wie all seine anderen Schuhe.

„Für manche ist ein Turnschuh so etwas wie eine Rolex oder eine Briefmarkensammlung“, sagt der Sonderpädagoge, der im Kasseler „Autismus Therapie- und Beratungszentrum“ arbeitet. Ihm selbst gehe es jedoch nicht um eine Wertanlage, sondern das Sammeln: „Man freut sich einfach über einen Schuh, der schwierig zu bekommen war.“ Seine aus Habichtswald stammende Frau sagte zu ihm, dass sein Hobby für sie okay sei, solange er das Finanzielle im Blick habe.

Sneaker-Leidenschaft von Dustin Appel aus Kassel begann mit den Nike Air Max 90

Der gebürtige Kölner stammt aus der Skateboard-Szene, in der Sneaker ein wichtiges Merkmal sind. Es ist nicht nur gut, ausgefallene Tricks zu können, sondern auch die richtigen Schuhe zu haben. Später wunderte er sich, warum alle den Nike Air Max 90 haben wollten, obwohl er 300 Euro kostete. Das Modell war schnell nicht mehr zu kriegen. Damit fing seine Leidenschaft an.

In Köln hatte er auch schon einen Sneaker-Stammtisch. Man organisierte sogar eine Turnschuhmesse mit und wurde von Jägermeister gesponsert. In Nordhessen ist alles eine Nummer kleiner. Auch die Sneaker-Szene hat sich geändert. Früher warteten die Fans nächtelang vor den Geschäften der großen Marken, um ein bestimmtes Modell zu bekommen. Heute werde das Meiste über Apps verkauft, sagt Appel. Das sei für die Konzerne günstiger.

Sneaker-Fan aus Kassel hat schlechtes Gewissen wegen Arbeitsbedingungen bei Nike und Co.

Manchmal hat der Familienvater ein schlechtes Gewissen. Er weiß natürlich, dass Nike und Co. immer wieder wegen schlechter Arbeitsbedingungen in Fernost in der Kritik stehen. „Das ist ein wunder Punkt“, sagt er: „Man unterstützt einen Konzern, der Schuhe wegschmeißt, wenn man sie zurückschickt.“ Darum achtet er darauf, in anderen Lebensbereichen möglichst nachhaltig zu handeln. In Köln hat er mit seiner Frau sogar versucht, komplett plastikfrei einzukaufen. In Ahnatal ist das schwierig.

Bisweilen macht er dennoch verrückte Dinge. Seiner zweieinhalbjährigen Tochter hat er den Nike Mars Yard in sechs Größen gekauft. Bis zur Einschulung kann sie nun das Lieblingsmodell ihres Papas tragen.

Sneaker-Stammtisch in Kassel trifft sich unregelmäßig und ist über Instagram zu erreichen

In der Region haben sich auch noch Menschen mit anderen Hobbys zu Stammtischen zusammengeschlossen, beispielsweise der Märklin Insider-Stammtisch von Freunden der Modelleisenbahn. (Matthias Lohr)

Der Sneaker-Stammtisch trifft sich unregelmäßig in Kassel. Man geht Essen und gibt sich gegenseitig Tipps. Kontakt über Instagram: sneakerstammtischkassel

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