Prozess

Spektakulärer Raubversuch auf Juweliergeschäft in Kassel - Angeklagte vor dem Landgericht

Tatort auf der Oberen Königsstraße: Eine Frau und zwei Männer müssen sich in der kommenden Woche wegen des versuchten Raubs auf das Juweliergeschäft Hermann Schmidt vor dem Landgericht verantworten. Archivfoto: Pia Malmus
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Tatort auf der Oberen Königsstraße: Eine Frau und zwei Männer müssen sich in der kommenden Woche wegen des versuchten Raubs auf das Juweliergeschäft Hermann Schmidt vor dem Landgericht verantworten. Archivfoto: Pia Malmus

Wegen eines Raubversuchs auf das Juweliergeschäft Hermann Schmidt in der Kasseler Innenstadt müssen sich ab Montag eine Frau und zwei Männer vor dem Landgericht verantworten.

Kassel - Dieser versuchte Raub in Kassel war spektakulär und sorgte für Schlagzeilen. Er hätte auch als Vorlage für das Drehbuch eines Krimis diesen können. In den frühen Nachmittagsstunden des 2. Juli 2019 fuhren mehrere Männer mit einem Mercedes in die Fußgängerzone der Oberen Königsstraße, um mit dem Fahrzeug die Schaufensterscheibe des Juweliers Hermann Schmidt in Kassel zu zerstören.

Drei der Tatverdächtigen müssen sich ab nächste Woche Montag, 25. Januar 2021, deshalb auf der Anklagebank des Kasseler Landgerichts verantworten. Es handelt sich um eine 25-jährige litauische Frau und zwei 24-jährige Männer, ein Litauer und ein Deutscher mit Herkunft aus Kasachstan. Einer der 24-Jährigen befindet sich laut Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft, in Untersuchungshaft. Zwei weitere Komplizen sind noch nicht gefasst.

Versuchter Raubüberfall auf Juweliergeschäft in Kassel: Mehrere Vorwürfe gegen Angeklagte

Die drei Angeklagten müssen sich vor der 10. Strafkammer des Landgerichts wegen gemeinschaftlich versuchten schweren Raubs in Tateinheit mit versuchter gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz und eines gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr beziehungsweise Beihilfe hierzu sowie wegen zweifachen gemeinschaftlichen Bandendiebstahls beziehungsweise Beihilfe hierzu und Urkundenfälschung verantworten.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wird den Angeklagten vorgeworfen, gemeinsam mit zwei weiteren Männern versucht zu haben, mit einem gestohlenen Mercedes die Schaufensterscheibe des Juweliergeschäfts in Kassel zu zerstören. Dadurch wollten sie in das Geschäft gelangen, um dort teure Uhren und Schmuck zu entwenden.

Raubüberfall in Kassel: Angeklagte soll auf mutmaßlichen Mittäter im Auto gewartet haben

Den Räubern wird zudem zur Last gelegt, dass sie in Kauf genommen haben, dass Angestellte des Juweliergeschäfts oder Passanten durch Teile des Schaufensters hätten verletzt werden können. Die Tat in Kassel wurde letztlich nur dadurch vereitelt, dass die aus Panzerglas bestehende Schaufensterscheibe so stabil war. Sie hielt dem Angriff mit dem Auto im Wesentlichen stand.

Die heute 25-jährige Angeklagte soll auf ihre Komplizen in einem weiteren gestohlenen Auto mit laufendem Motor gewartet und das Fluchtfahrzeug gefahren haben. Die Räuber sollen nach dem versuchten Raub über Göttingen nach Litauen geflüchtet sein. Der am Schaufenster und im Inneren des Juweliergeschäfts angerichtete Sachschaden soll etwa 400 000 Euro betragen.

Kassel: Raubüberfall auf Juwelier - durch Telefonüberwachung auf die Spur gekommen

Unverzüglich nach der Tat in Kassel sei man mit „verdeckten strafprozessualen Maßnahmen“ wie zum Beispiel der Abfrage von Verbindungsdaten und Telefonüberwachung zunächst auf die Spur der 25-jährigen Frau gekommen, so Thöne. Daraufhin wurde Anfang Dezember 2019 deren Wohnung in Nordrhein-Westfalen durchsucht und die Frau festgenommen. Zumindest vorübergehend.

Im Februar 2020 sei dann der heute 24-jährige Angeklagte deutscher Staatsangehörigkeit festgenommen worden. Der weitere Angeklagte konnte anschließend identifiziert werden. Er wurde mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Seine Festnahme erfolgte im Juli 2020 in Litauen. Im September wurde er nach Deutschland ausgeliefert. Zur Hauptverhandlung, für die bislang vier Verhandlungstage terminiert worden sind, sind nach Angaben eines Sprechers des Kasseler Landgerichts zwölf Zeugen, zwei Sachverständige und ein Dolmetscher geladen. (Ulrike Pflüger-Scherb)

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