Sperrung bis Herbst: Fulda wird auf Waffen und Munition untersucht

Hier soll der Grund der Fulda großflächig untersucht werden: Weil in Höhe des Motor Yacht Clubs bereits zum dritten Mal Blasen, die von Phosphorbomben stammen können, aufgestiegen sind, ist der Fluss erneut halbseitig gesperrt worden. Foto: Fischer

Kassel. Die Fulda bleibt weiterhin in Höhe des Motor Yacht Clubs halbseitig gesperrt. Die Sperrung werde bis zum Herbst dauern, sagte Heinrich Arnke vom Wasser- und Schifffahrtsamt Hann. Münden am Mittwoch.

Dann soll das Flussbett in diesem Bereich komplett untersucht werden. Die Ausschreibung für die Sondierung, die von Kampfmittelräumfirmen vorgenommen werden kann, soll jetzt erfolgen.

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Eine großräumige Untersuchung ist notwendig, weil an dieser Stelle seit August vergangenen Jahres bereits dreimal Gasblasen mit einem Durchmesser von etwa 50 Zentimetern aufgestiegen sind. Ursache für die unregelmäßig aufsteigenden Blasen könnte ein Phosphorgemisch aus einer Weltkriegsbombe sein. Bei einer Sperrung im Mai dieses Jahres hatten Taucher allerdings keine solche Brandbombe, sondern eine Panzermine aus dem Zweiten Weltkrieg gefunden. Sie wurde vor Ort kontrolliert gesprengt.

„Es bringt nichts, punktuell herumzustochern“, sagte Gerhard Gossens, Leiter des Kampfmittelräumdienstes des Landes Hessen. „Der Bereich muss systematisch und vollständig untersucht werden.“

Beim ersten Fall (August 2011) sei der Kampfmittelräumdienst sofort zur sogenannten Gefahrenerforschung tätig geworden. „Damals wussten wir nicht konkret, was es war.“ Nun liege es nahe, dass die neuen Blasen wieder von einer Phosphorbombe stammten. Vermutlich ermüde das Material der Bomben, die sehr dünnwandig seien, sagte Gossens. „Die Brandbomben liegen immerhin seit 65 Jahren im Wasser.“ Weil davon auszugehen sei, dass weitere Blindgänger auf dem Grund des Flusses liegen, habe man der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung schon vorigen August eine Sondierung empfohlen.

Laut Arnke muss der Bund die Kosten für die Untersuchung übernehmen. Wie teuer das wird, kann er noch nicht sagen. Das komme auf die Größe der Fläche (zwischen 1000 und 3000 Quadratmeter) an. Günstig werde das aber nicht. Eine punktuelle Untersuchung unter Wasser koste 4000 bis 5000 Euro.

Da für die Explosion von Phosphorbomben Sauerstoff nötig ist, besteht unter Wasser keine Gefahr einer Detonation. Allerdings kann das aus den lecken Brandbomben aufsteigende Phosphorgas gesundheitsschädigend sein, wenn es eingeatmet wird.

„Von den Brandbomben geht unter Wasser keine Gefahr aus“, sagt auch Karl-Heinz Rümenapp, Vorsitzender des Motor Yacht Clubs. Die Vereinsmitglieder hätten durch die Sperrung weniger Nachteile als zum Beispiel die Ruderer und Paddler. „Allerdings stört uns, dass derzeit einfach nichts passiert.“

Unter Umständen müssen die Vereine für die Untersuchung ihre Stege abbauen. Dazu sind sie aber ohnehin in jedem Herbst wegen der Hochwassergefahr verpflichtet.

Von Ulrike Pflüger-Scherb und Katja Rudolph

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