Martin Ebel erfindet Spiele seit 1982

Die Sache mit dem Tuppfehler: Kasseler entwickelt kreatives Spiel - viel Spaß inbegriffen

Umzingelt von selbst erfundenen Spielen: Martin Ebel brachte jetzt „Tuppfehler“ auf den Markt, ein kreatives Wortspiel für zwei bis sechs Spieler ab zehn Jahren. Ebel, der leidenschaftlich gern den Hohl-Spiegel liest, will damit zeigen, dass man auch mit Tippfehlern punkten kann – zumindest spielerisch.
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Umzingelt von selbst erfundenen Spielen: Martin Ebel brachte jetzt „Tuppfehler“ auf den Markt, ein kreatives Wortspiel für zwei bis sechs Spieler ab zehn Jahren. Ebel, der leidenschaftlich gern den Hohl-Spiegel liest, will damit zeigen, dass man auch mit Tippfehlern punkten kann – zumindest spielerisch.

Lustige Tippfehler haben Martin Ebel aus Kassel inspiriert: Der Spieleerfinder hat das kreative Wortspiel „Tuppfehler“ entwickelt.

Kassel – Martin Ebel ist nie ohne Notizbuch unterwegs. So auch 2014, als er von Melsungen nach Gensungen wanderte und nahe den Bahngleisen ein Schild mit der Aufschrift „Scheißsportanlage“ las. Der Verleser führte ihn zu einer Idee: dem Wortspiel „Tuppfehler“, das jetzt im Handel erhältlich ist.

Ebel ist Spieleerfinder. Und das bereits seit 1982. Sieben seiner Spiele hat er auf den Markt gebracht, 80 Prototypen schlummern bei ihm zu Hause in der Kasseler Südstadt. Und in seinen mittlerweile zahlreichen Notizbüchern sind Hunderte weiterer Ideen niedergeschrieben.

Die meisten Ideen kommen dem 77-Jährigen, wenn er unterwegs ist. Da wird aus dem Gedrängel in der Straßenbahn schnell ein Strategiespiel, bei dem es darum geht, den besten Platz für sich zu ergattern. Oder aus dem falsch gelesenen Wort „Schießsportanlage“ wird eben ein Wortspiel, bei dem die Mitspieler aus einem erfundenen Wort oder einem, das existiert, aber als Tippfehler angesehen wird, möglichst viele existierende Worte herausholen müssen.

Beispiel „Prat“. Das Wortkärtchen aufgedeckt, geht es darum, in 40 Sekunden möglichst viele Wörter zu finden, indem man einen Buchstaben hinzufügt, weglässt, einen austauscht oder – so die Sonderregel – zwei Buchstaben vertauscht. So wird aus „Prat“ etwa Pirat, Part, Prag und parat. Dafür gibt es dann Punkte.

Das Fantasiewort „Prat“ kommt von seiner damals zweieinhalbjährigen Enkelin, die damit auf die Frage, was sie denn mal werden wolle, antwortete. 219 weitere Worte umfasst das Spiel. 2014 hatte Ebel die Idee dazu in sein Notizbuch geschrieben, 2018 bastelte er einen Prototypen und machte Probeläufe mit mehreren Testpersonen. „Da muss sich das Spiel beweisen, ich kann sehen, ob es aggressiv macht, langweilt oder begeistert.“

Vom Prototyp zum Original: Rechts sieht man den Entwurf des Spiels, links das fertige Cover vom Verlag. Den Prototypen stellte Ebel dem Verlag vor.

Das mehrfach überarbeitete Spiel stellte er auf Deutschlands ältestem und größtem Spielautorentreffen in Göttingen Verlagen vor – und kam mit dem Moses Verlag überein.

Das Ergebnis: 5000 Exemplare für jeweils rund zehn Euro, von denen drei bis vier Prozent zu ihm zurückkommen. Rechne man die Arbeit und die Kosten für den Prototypen ab, bleibe nur noch ein Taschengeld übrig, sagt Ebel. Nein, reich werden könne man als Spieleerfinder nicht. In Deutschland gebe es nur etwa eine Handvoll, die so professionell und erfolgreich seien, dass sie davon leben können, darunter Klaus Teuber, der Erfinder des Spiels „Siedler von Catan“.

Aber darum geht es dem studierten Sozialarbeiter, der in seinen letzten Berufsjahren mit verhaltensauffälligen Jugendlichen und Senioren gearbeitet hat, auch gar nicht. Frei von Zwängen und Pflichten möchte er Menschen zum Müßiggang anregen. „Ein gutes Spiel lässt einen eintauchen in eine Parallelwelt und die Gegenwart vergessen. Da kann der Freund zum Verräter werden und muss keine Sanktionen fürchten.“

Dabei sei es heute gar nicht mehr so einfach, ein Spiel zu erfinden, das es noch nicht gibt. „Es ist wie mit einer neuen Modelinie: Man hat Stoff und Schere und muss etwas Neues erfinden.“ Ohne Innovation geht das nicht, sagt Ebel. Neben den Ansprüchen an die Spiele habe sich auch der Umgang der Verlage mit den Autoren verändert. Gab es in den 1980er-Jahren noch Verlagsredakteure, die eine Idee mit dem Autor gemeinsam weiterentwickelten, erwarten die Verlage heute ein fertiges Produkt.

Martin Ebel ist glücklich, dass der Moses Verlag das Titelbild seines Prototypen, wie auch seinen Spieltitel „Tuppfehler“ übernommen hat. Den Begriff „Tuppfehler“ möchte er gern mal im Duden lesen. Definition: Ein Tippfehler, hinter dem sich mehrere richtige Worte verbergen. „Tuppfehler“, Moses Verlag, 9,95 Euro. (Anna Lischper)

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