Überblick über mögliche Titelkämpfe

Kassel als Sportstadt: Mehr als nur Leichtathletik

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Freude im Auestadion: Diskuswerfer Robert Harting bei den Leichtathletik-Meisterschaften 2016.

Nach den Finals in Berlin, bei denen Meisterschaften in zehn Sportarten ausgetragen wurden, fragt sich: Was davon könnte eigentlich Kassel stemmen?

Ob Kassel 2021 die Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik austrägt, steht noch nicht fest. Eigentlich sollte die Zusage bereits am Wochenende erfolgen; trotz klarer Signale im Vorfeld blieb sie aber noch aus.

Das könnte mit dem Erfolg der Finals in Berlin zusammenhängen. Dort fanden am Wochenende Deutsche Meisterschaften in zehn unterschiedlichen Sportarten statt, was den Hauch von Olympia hatte. Das Fernsehen berichtete ausführlich. Das gefiel Sportlern und Funktionären so sehr, dass nun über eine Wiederauflage des Ereignisses diskutiert wird.

Die wäre frühestens 2021 möglich – und damit in jenem Jahr, in dem Kassel gern die Deutschen Meisterschaften in der Leichtathletik ausrichten würde. Als Austragungsort einer solchen Mehrfachveranstaltung wie nun in Berlin käme Kassel aber nicht infrage. Das macht auch Stadtsprecher Claas Michaelis in seiner Stellungnahme deutlich: „Bei der Durchführung von zehn parallel stattfindenden Deutschen Meisterschaften ist Kassel mit seiner Sportinfrastruktur nicht mit Millionen-Metropolen wie Berlin oder München zu vergleichen. Die größte Sporthalle in Kassel, die Aueparkhalle, hat eine Zuschauerkapazität für 1 700 Personen.“

Was wäre für Kassel in dieser Beziehung überhaupt möglich? Dass die Stadt mit ihrem Auestadion zum Leichtathletik-Standort taugt, hat sie bereits 2011 und 2016 bewiesen. Nach Informationen unserer Zeitung war es auch der Wunsch des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, dass sich Kassel für 2021 als Austragungsort wieder bewirbt.

Was aber ist mit den anderen Sportarten, die bei den Finals in Berlin vertreten waren? Bahnrad scheidet aus, weil es an einem passenden Velodrom fehlt. Einen Ort für Trial, bei dem die Sportler mit dem Fahrrad über Hindernisse fahren, ließe sich problemlos finden. Auch die Sportstätten für den wenig Publikum anziehenden Modernen Fünfkampf wären vorhanden. Aber sonst? Wir geben einen Überblick.

Schön, aber für Deutsche Meisterschaften ungeeignet: das Auebad an der Fulda

Schwimmen: Dem Auebad fehlen die Tribünen

Eine Deutsche Meisterschaft im Schwimmen wäre in Kassel nicht möglich. Das sagt die Stadt selbst. Pressesprecher Claas Michaelis: „Das Kasseler Auebad hat zwar acht wettkampftaugliche 50-Meter-Bahnen, allerdings keine Zuschauertribüne.“ Die ist aber unter anderem gerade Voraussetzung, um Deutsche Meisterschaften ausrichten zu können.

Schließlich fällt ohne die Tribünen die Möglichkeit weg, Einnahmen aus dem Ticketverkauf zu generieren. Und ohne Zuschauer schwindet auch das Interesse des Fernsehens, die Veranstaltung zu übertragen.

In den vergangenen Jahren fanden die Meisterschaften auf der Langbahn (50 Meter) und der Kurzbahn (25 Meter) stets in Berlin statt, weil dort die Voraussetzungen stimmen. Kassel hat da keine Chance, auch wenn die geschäftsstelle des Deutschen Schwimmverbandes in der Korbacher Straße beheimatet ist.

Bogenschießen: Hauptsache, die Kulisse stimmt

Es braucht für eine Stadt nicht so viel, um Deutsche Meisterschaften im Bogenschießen zu veranstalten. Das Wichtigste ist die Kulisse, um die Sportart gut in Szene zu setzen. Davor wird idealerweise benötigt: ein großer Platz für die Qualifikation, der 200 Meter breit sein muss, und ein – nicht so breiter – Platz für die Finals, wie Claudia Hess vom Deutschen Schützenbund erklärt. Daneben sollte es noch eine Fläche für Container oder Zelte geben. Das wäre alles machbar in Kassel mit etwa den Optionen Bergpark und Aue. 2018 fanden die Meisterschaften vor dem Kurhaus in Wiesbaden statt.

Kanu: Keine Chance für die Fulda

Da können Fulda und Fulda-ufer noch so eine Idylle bieten: Der Deutsche Kanu-Verband wird davon nicht angelockt, um hier Deutsche Meisterschaften im Kanurennsport auszutragen. Hierfür kommen nur Städte infrage, die ein stehendes Gewässer aufbieten können. Die klassischen Austragungsorte sind daher Duisburg, München, Hamburg, Köln und Brandenburg an der Havel, wie Wolfram Götz, der Generalsekretär des Deutschen Kanu-Verbandes, sagt. Für die Finals in Berlin gab es eigene Disziplinen, die dem Verband ermöglichten, sich bei der Großveranstaltung zu präsentieren.

Warum nicht auch Boxen? Wrestling-Veranstaltungen wie hier gab es in der Stadthalle bereits.

Boxen: Ein Ring im Kongress Palais

Auch der Deutsche Boxsport-Verband hat seine Geschäftsstelle in Kassel. Warum also sollten hier nicht auch mal Deutsche Meisterschaften stattfinden? Ein Gedanke, der gar nicht so abwegig ist, wie auch Sportdirektor Michael Müller bestätigt. Er sagt: „Kassel liegt extrem günstig.“ Eine gewisse Sympathie für den Standort ist vorhanden, und angeblich gab es auch schon mal entsprechende Überlegungen.

Als Veranstaltungsort käme das Kongress Palais infrage, wo es zuletzt auch schon mal rund ging im Ring: beim Wrestling. Boxen könnte sich hier auch anbieten, sofern sich ein ausrichtenden Verein und genügend Sponsoren finden sollten. Dazu müssen die Voraussetzungen geschaffen werden, um eine Fernsehübertragung zu ermöglichen. Ein Ausschlusskriterium wäre das für Kassel nicht.

Thriathlon: Verband ist für alles offen

Die Deutsche Meisterschaft der Triathleten wurde bei den Finals in Berlin in der Sprintdistanz ausgetragen. Das heißt: 750 Meter Schwimmen, 20 Kilometer Radfahren und 5 Kilometer Laufen. Prinzipiell ist das auch in Kassel möglich, auch wenn die Meisterschaften in der Regel gekoppelt sind an die Bundesligastandorte. Die aber können wechseln. „Wir sind für alles offen“, sagt Eva Werthmann von der Deutschen Triathlon Union. Die höchste Hürde für die Städte seien meistens die umfangreichen Straßensperrungen.

Turnen: Es gibt keine geeignete Halle

Um Deutsche Meisterschaften im Turnen auszurichten, braucht es eine Halle mit mindestens 4000 Plätzen – inklusive technischer Einrichtungen und Infrastruktur. Dazu zählt zum Beispiel eine ausreichende Zahl an Umkleideräumen und Sanitäranlagen, aber auch die Bereitstellung von Präsentationsmöglichkeiten wie einem Videowürfel oder einer Videoleinwand. Das teilt der Deutsche Turner-Bund mit. Kassel scheidet somit als Austragungsort aus. Eine geeignete Halle für solch ein Ereignis müsste erst noch gebaut werden.

Lesen Sie dazu: Die Finals 2019 in Berlin - Kommentar: Gewinner sind alle

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