Käufer muss mehrere Bedingungen erfüllen

Stadt sucht Investor für historischen Renthof

Idyllischer Innenhof: Bei einem Ortstermin präsentierten Stadtbaurat Christof Nolda (Zweiter von links) und Kämmerer Dr. Jürgen Barthel (Vierter von links) am Freitag die Verkaufspläne der Stadt. Foto: Fischer

Kassel. Die Stadt Kassel sucht einen Investor für den Renthof. Das älteste Gebäude in der Stadt neben der Brüderkirche steht seit Monaten leer.

Man habe sich Gedanken darüber gemacht, wie man den Standort entwickeln könne, sagte Stadtbaurat Christof Nolda gestern Mittag in dem Gebäude aus dem 13. Jahrhundert. Und man habe sich die Frage gestellt, ob dies eine kommunale Aufgabe sei. Da eine kommunale Nutzung des Renthofs ausgeschlossen worden sei, wolle man jetzt einen engagierten Investor suchen. Das Angebotsverfahren soll bis Ende Februar 2014 laufen.

Der Stadt gehe es nicht darum, das Gebäude so schnell wie möglich für einen möglichst hohen Preis zu verkaufen, machte Kämmerer Dr. Jürgen Barthel deutlich, der auch für das Liegenschaftsamt zuständig ist. Beim Renthof stehe im Vordergrund, dass die künftige Nutzung dem historischen Ort, der Lage und der Nachbarschaft gerecht werde, so Nolda und Barthel.

Interessenten müssen daher auch mehrere Bedingungen erfüllen, wenn sie den Zuschlag bekommen wollen: Der Investor muss den Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes garantieren. Laut Heinz Kefenbaum, Leiter des Amtes für Denkmalpflege, müssen allein drei Mio. Euro in die Instandsetzung der denkmalgeschützten Immobilie investiert werden. Die Nutzung müsse nicht nur dem historischen Umfeld angemessen, sondern auch wirtschaftlich tragfähig und nachhaltig sein. Denkbar wäre eine Mischung von Wohnen, Gewerbe, Kultur, Gemeinbedarf, Bildung und Gastronomie. Wünschenswert wäre eine Kooperation mit dem benachbarten Veranstaltungsort und der Kultureinrichtung Brüderkirche. Der Stadt sei es wichtig, dass der Renthof für die Bevölkerung in irgendeiner Weise zugänglich bleibe. Der Investor müsse natürlich einen Finanzierungsnachweis vorlegen.

Über 2000 Quadratmeter

Der viergeschossige Gebäudekomplex hat eine Nutzfläche von über 2000 Quadratmetern (ohne Flure und Treppenhaus). Das Gebäude besteht aus drei Flügeln, die zusammen mit der Brüderkirche einen idyllischen Innenhof, den früheren Kreuzgang der Brüderkirche, umschließen. Der Bau geht auf ein gotisches Karmeliterkloster zurück.

Der Renthof in Kassel

Investoren sollen in ihren Bewerbungen Referenzobjekte darstellen, ein konkretes Nutzungskonzept mit Kaufpreisangebot vorlegen sowie die Machbarkeit und Nachhaltigkeit des Projekts mit einer Wirtschaftlichkeitsberechnung und einem Finanzierungskonzept nachweisen. Interessierte Investoren können ihre Unterlagen bis zum 28. Februar 2014 (Eingang im Liegenschaftsamt) übersenden an: Stadt Kassel, Liegenschaftsamt, 34112 Kassel, E-Mail: liegenschaftsamt@kassel.de

Von Ulrike Pflüger-Scherb

Ursprung im 13. Jahrhundert

Der Renthof stammt aus dem 13. Jahrhundert. Er war Teil eines Karmeliterklosters, das als Hofschule, später als Ritterakademie geführt wurde. Ab 1595 war der Renthof Sitz des von Landgraf Moritz gegründeten Collegium Mauritianum, an dem auch der Komponist Heinrich Schütz seine schulische Ausbildung erhielt (1599 bis 1617).

Von 1633 bis 1653 war die Universität Kassel im Renthof ansässig. Den Trakt an der Fulda hatte Landgraf Wilhelm IV. als Kanzleigebäude (Rentamt) errichten lassen. Nach der teilweisen Zerstörung im Zweiten Weltkrieg hat die Stadt das Haus der Sozialgruppe Kassel überlassen, die damals noch „Verein für Volkswohl“ hieß. Seitdem wurden in dem Baudenkmal pflegebedürftige alte Menschen betreut.

Im Juli dieses Jahres waren die Bewohner des Seniorenheims in einen Neubau am Unterneustädter Kirchplatz umgezogen. (els/use)

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