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Reisen mit reinem Gewissen: Kasseler Start-up will Ferienunterkünfte nachhaltiger machen

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Von: Katja Rudolph

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In einer ihrer Ferienwohnungen am Kasseler Kulturbahnhof: Anna-Lena Fahle, Robin Bremer (links) und Mario von Gemünden wollen mit „Stay awesome“ das Übernachtungsgeschäft nachhaltiger machen.
In einer ihrer Ferienwohnungen am Kasseler Kulturbahnhof: Anna-Lena Fahle, Robin Bremer (links) und Mario von Gemünden wollen mit „Stay awesome“ das Übernachtungsgeschäft nachhaltiger machen. © red

Ein Startup aus Kassel will das Reisen nachhaltiger machen. Bereits 15 Ferienwohnungen betreibt das Gründerteam.

Kassel – Weniger Müll, weniger Wasser- und Energieverbrauch, weniger CO2-Emissionen: Ein Gründerteam aus Kassel will Übernachtungen auf Reisen nachhaltiger machen. In Kassel betreibt „Stay awesome“ bereits 15 Ferienwohnungen. Bei Flugreisen bekommen angesichts der Klimafolgen immer mehr Menschen ein schlechtes Gewissen.

Doch auch die Umweltbilanz von Übernachtungen im Urlaub oder auf Geschäftsreisen ist problematisch. Ein Aufenthalt in einem Vier-Sterne-Hotel verursacht pro Nacht nach Berechnungen der Branche rund 21 Kilogramm CO2-Emissionen. Von der Minibar über die Beleuchtung auch von Fluren und Lobby bis zur täglichen Wäsche von Handtüchern und Bettzeug gibt es viele Energiefresser.

Kassel: Startup will grünes Reisen ermöglichen

Ein Gründerteam der Uni Kassel ist nun angetreten, das Übernachtungsgeschäft grüner zu machen. Angefangen hat alles mit zwei Ferienwohnungen, die Mario von Gemünden und sein Kommilitone Robin Bremer vermieteten. „Dabei haben wir das massive Müllproblem gesehen und uns grundsätzlich gefragt, wie man das Ganze nachhaltiger machen könnte“, sagt von Gemünden. Aus dieser Frage ist unter dem Namen „Stay awesome“ inzwischen ein junges Unternehmen mit Sitz im Kasseler Science Park geworden.

Das Gründerteam, zu dem neben den beiden Wirtschaftsingenieuren auch Kunststudentin Anna-Lena Fahle gehört, betreibt aktuell 15 Ferienapartments in Kassel und hat erste Fühler nach Frankfurt ausgestreckt. Wichtig ist dem Trio, dass die Gäste einen großartigen Aufenthalt (Englisch: awesome stay) haben, aber dabei einen möglichst geringen CO2-Fußabdruck hinterlassen. Das fängt bei der Ausstattung an.

Startup aus Kassel: Möbel aus nachhaltigen Materialien

Man achte darauf, dass Möbel aus nachhaltigen Materialien wie Vollholz gut wiederaufgearbeitet werden können, betont Geschäftsführer von Gemünden. Bei den Verbrauchsartikeln wie Seife und Kaffee setze man auf Wiederauffüllen statt aufwendiger Verpackung sowie fair gehandelte und regionale Produkte.

Die größte Angriffsfläche für eine gute CO2-Bilanz biete der Energieverbrauch. Daher sollen alle über „Stay Awesome“ angebotenen Wohnungen bis 2025 energetisch saniert sein und Passivhausnivau haben, so die Jungunternehmer. Damit verbundenes Ziel: zwei Kilogramm CO2-Ausstoß pro Nacht. Zum Geschäftsmodell gehört dabei, nur Gewerbeeinheiten für das Ferienwohnungsgeschäft zu nutzen. „Wir wollen den Wohnraum nicht weiter verknappen“, betont von Gemünden.

Startup aus Kassel: Umweltfreundliche Modernisierung

Man miete die Flächen langfristig und unterstütze die Eigentümer bei der umweltfreundlichen Modernisierung der Immobilie. Damit der eigene Fußabdruck für die Gäste transparent ist, soll ihnen der Energie- und Wasserverbrauch sowie CO2-Ausstoß mitgeteilt werden, so die Idee. „Das ist wie eine zweite Buchhaltung, die man aufmacht“, sagt der Geschäftsführer.

Auch Informationen zu veganen Restaurants, müllfreien Lieferdiensten sowie nachhaltigen Verkehrsmitteln sollen Teil des digitalen Infopakets für Gäste sein. Die Wohnung verstehen die Kasseler Gründer dabei „als Plattform für ein nachhaltigeres Leben“ auch über den Aufenthalt hinaus. Der Bedarf vor allem bei jüngeren Reisenden für nachhaltige Lösungen sei groß, sagen die Mittzwanziger, die selbst schon viel herumgekommen sind.

Startup aus Kassel will Flugscham verhindern

„Reisen kann einem so viel geben“, betont Mario von Gemünden. Aus Flugscham ganz darauf zu verzichten, könne es nicht sein. Zumal ein zweiwöchiger Hotelaufenthalt auf Mallorca in Sachen CO2-Bilanz dem Flug kaum nachstehe. „Wir wollen Teil der Lösung sein, um Reisen enkelfähig zu gestalten“, sagen die Kasseler. Damit Übernachtungsgäste künftig mit möglichst reinem Gewissen einschlafen können. (Katja Rudolph)

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