Scheidemannplatz

Steuersoftware für Ampel fehlt: Wochenlang drohen Staus in Kassel

Der Scheidemannplatz in Kassel mit Blick in die Kurfürstenstraße bis zum Hauptbahnhof
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Hier könnte es ab Montag zu Verkehrsbehinderungen kommen: Am Scheidemannplatz wird die Ampelanlage noch für mehrere Wochen provisorisch geschaltet, weil die nötige Steuersoftware noch fehlt.

Der Gleisbauarbeiten in Kassels Innenstadt sind abgeschlossen. Autos, Trams und Busse haben wieder freie Fahrt - Doch an einer Stelle drohen lange Staus.

Kassel – Rechtzeitig zum Ferienende sind die Gleisbauarbeiten der KVG zwischen Stände- und Scheidemannplatz abgeschlossen. Am Freitag wurde ein Großteil der Absperrungen abgeräumt, die in den vergangenen sechs Wochen Umwege für Autofahrer mit sich brachten.

Sie konnten bereits wieder direkt von der Fünffenster- auf die Friedrich-Ebert-Straße weiterfahren. Seit Samstag haben Autos auch rund um den Scheidemannplatz freie Fahrt. Straßenbahnen und Regiotrams sind ab Montag wieder normal auf der erneuerten, 700 Meter langen Gleisstrecke unterwegs.

Verkehr fließt wieder über den Ständeplatz: Karsten Wagner (links) von der Stadt Kassel und KVG-Bauleiter Achim Gerber informierten am Freitag über den Abschluss der sechswöchigen Gleisbauarbeiten an dem Verkehrsknotenpunkt.

Während die Arbeiten laut KVG-Bauleiter Achim Gerber wie geplant abgeschlossen wurden, könnte es ab Montag in diesem Innenstadtbereich dennoch zu Verkehrsbehinderungen und Wartezeiten kommen. Der Grund: Die Stadt Kassel hat die Bauphase genutzt, um am Scheidemannplatz die Ampelanlage zu erneuern. Die wird von einer komplexen Software flexibel gesteuert, damit etwa herannahende Trams und Busse Grün anfordern können. Wie die Stadt laut Rathaussprecher Claas Michaelis erst vor wenigen Tagen erfahren hat, schafft es die zuständige Firma Siemens Mobility GmbH nicht rechtzeitig, die Steuersoftware zu liefern.

Es werde noch zwei bis drei Wochen dauern, teilte die Firma auf HNA-Anfrage mit. Bis dahin behelfen sich die städtischen Verkehrsplaner, indem sie die Ampeln am Scheidemannplatz nach festen Rhythmen reihum für alle Verkehrsarten schalten.

Das hat etwa zur Folge, dass regelmäßig Grün für Fußgänger kommt, obwohl manchmal gar kein Passant darauf wartet. „Innerhalb von 100 Sekunden werden alle einmal Grün bekommen“, erklärt Karsten Wagner, Sachgebietsleiter für verkehrstechnische Planung bei der Stadt. Am meisten wird sich das aber wohl auf die zahlreichen Busse auswirken, die von der Mauerstraße die Kölnische Straße heraufkommen und länger warten müssen als vorgesehen. „Wir rechnen mit Verspätungen im Fahrplan“, sagt KVG-Sprecherin Heidi Hamdad. „Wie sich das genau auswirken wird, ist nicht vorhersehbar; wir müssen das beobachten.“

Ein Sprecher von Siemens Mobility bedauerte, dass Verkehrsteilnehmern in Kassels Innenstadt nun zeitweise Unannehmlichkeiten entstehen. Die Verzögerung sei durch den krankheitsbedingten Ausfall eines Projektleiters entstanden, „der mit seinem technischen Know-how während der Corona-Pandemie nicht nahtlos ersetzt werden konnte“. Es werde nun mit Hochdruck an der Programmierung der Ampel-Software für den Scheidemannplatz gearbeitet.

Für die, die mit Hochdruck und Erfolg dafür gesorgt haben, dass die Gleisbaustelle fertig wird, ist das mehrwöchige Provisorium mit seinen Stau-Risiken ein Wermutstropfen. „Wir wollten zum Montag alles komplett wieder in Betrieb nehmen“, sagt KVG-Bauleiter Gerber.

Die Arbeiten während der Ferienzeit seien ohne Rückstaus im Verkehr und ohne nennenswerte Anwohner-Klagen gemeistert worden. Nachtarbeiten seien nicht erforderlich gewesen; in Spitzenzeiten seien an die 100 Beschäftigte pro Tag auf der Baustelle im Einsatz gewesen. (Axel Schwarz)

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