Reaktion auf Weisung aus dem Vatikan

Kassel stellt sich gegen Rom: Pfarrer wollen homosexuelle Paare segnen

Die Kirche St. Familia an Kassel an der Kölnischen Straße
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Die Kirche St. Familia in Kassel: Hier sollen homosexuelle Paare künftig einen Segen erhalten.

Auch in Kassel gibt es Widerstand gegen den Vatikan: Die Dekanatsleitung und einzelne Pfarrer der katholischen Kirche haben angekündigt, gleichgeschlechtlichen Paaren künftig den Segen zu erteilen.

Damit stellen sie sich offen gegen eine Weisung aus Rom, wonach die katholische Kirche homosexuelle Beziehungen nicht segnen dürfe*.

„Für mich als Theologen ist die Haltung, die in dem Vatikandokument geäußert wird, nicht akzeptabel“, sagt Pastoralreferent Stefan Ahr vom Dekanat Kassel-Hofgeismar. Das dreiköpfige Leitungsteam des Dekanats, zu dem neben Dechant Martin Gies auch Pastoralreferentin Beatrix Ahr gehört, hat sich einer Unterschriftenaktion angeschlossen, zu der zwei Priester aus Würzburg und Hamm nach der Absage der römischen Glaubenskongregation aufgerufen hatten. Mehr als 1000 Menschen bundesweit, darunter viele Pfarrer und Seelsorger, haben die Erklärung bereits unterzeichnet. Darin erklären sie öffentlich ihre Bereitschaft, Segensfeiern für homosexuelle Paare abzuhalten.

Unterschrieben hat auch Pfarrer Harald Fischer von der Kasseler Gemeinde St. Familia. Er ist empört, dass in der Stellungnahme des Vatikans die Rede davon ist, Gott könne Sünde nicht segnen. Schließlich gehe es nicht um Sünde, sondern „um Menschen, die einander in Treue zugetan sein wollen“, sagt Fischer.

Das sieht Stefan Ahr von der Dekanatsleitung genauso. Der Vatikan zementiere mit seiner Haltung ein Familienbild aus dem 19. Jahrhundert. Es greife zu kurz, die Ehe auf Fruchtbarkeit und Fortpflanzung zu reduzieren. „Die Fruchtbarkeit der Liebe zeigt sich in vielen Dingen“, sagt Ahr, etwa auch in gegenseitiger Treue und Fürsorge. Das sei genauso für homosexuelle Paare möglich.

Im Dekanat gebe es auch andere Auffassungen zur Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, weiß Ahr. Es sei jedem Priester selbst überlassen, wie er damit umgehe. „Es bleibt ein Gewissenskonflikt, ob man sich den offiziellen Anweisungen widersetzen will.“

Für Pfarrer Paul Schupp von der Gemeinde St. Maria kommt eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften nicht in Frage. Das Missverständnis, dass es sich dabei um eine Eheschließung und damit ein Sakrament handele, gelte es zu vermeiden. Gleichwohl würde er die einzelnen Partner segnen, sagt Schupp und betont, dass er Homosexuelle und ihre Entscheidung, zusammenzuleben, wertschätze. ( Katja Rudolph) *fuldaerzeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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